Politik

Mangelhaft

Aus ff 06 vom Donnerstag, den 06. Februar 2020

Schülerinnen
Greta Plaikner (links) aus Vintl besucht die 3. Klasse des Sozialwissenschaftlichen Gymnasiums in Brixen. Julia Staffler (rechts) vom Ritten besucht die 5. Klasse des Sozialwissenschaftlichen Gymnasiums in Bozen. © ff Media
 

Viele Schüler schleppen sich in den Unterricht, um Dinge zu lernen, die sie nicht interessieren. Zwei Plädoyers für mehr Kreativität und Freiheit.

Greta Plaikner:

Schule ist wichtig, haben sie gesagt. Ob wir etwas erreichen wollen, haben sie gefragt. Nach elf Jahren Schule weiß ich zwar immer noch nicht, wie ich einen Autoreifen wechsle oder mit Steuererklärungen umgehen soll. Dafür kann ich stolz die Wurzel aus drei per Hand berechnen und weiß, wie Atomketten auseinanderbrechen und habe eigentlich das meiste wieder vergessen.

Bildung ist wichtig, haben sie gesagt. Ob wir dumm bleiben wollen, haben sie uns gefragt. Viel mehr geht es um das Erinnern, als darum, selbst zu denken. Nicht um die Art, wie wir das Ziel erreichen, sondern darum, nicht vom vorgegebenen Weg abzuweichen. Aus Schülern werden unkreative Strategen, die es darauf anlegen, einen Groll gegeneinander zu hegen und sich ein gewaltiges Ego zuzulegen. Weiterdenken wird blockiert und mit Entmutigungen attackiert. Doch niemand verändert die Welt, indem er tut, was man ihm sagt, und deshalb muss man mutig werden, und das kann die Karriere gefährden.

Ein Schulabbrecher sagte, jeder sei ein Genie. Aber wenn man einem Fisch befehle, auf einen Baum zu klettern, wird er sein ganzes Leben denken, er sei dumm. Dieser Herr, den niemand verstand, verließ die Schule, gewann einen Nobelpreis und wurde als Genie unter dem Namen Albert Einstein bekannt. Steve Jobs, Bill Gates, sogar William Shakespeare brachen die Schule ab und haben bewiesen, dass man auch ohne Matura etwas erreichen kann, entgegen allen Devisen.

Ich will hiermit sagen, ihr sollt nicht verzagen. Nicht eure Ausbildung abbrechen, nur ab und zu vom System ausbrechen. Alles hinterfragen und seine Meinung sagen.

Die Helden in dieser Geschichte sind unsere Lehrer. Das System macht es ihnen nämlich immer schwerer. Sie sollen weiterbilden, ausbilden und sich dabei nicht einbilden, sie könnten sich eine eigene Meinung bilden. Denn sie sind nur Figuren im Spiel mit einem klar vorgegebenen Ziel.

Das Schulsystem braucht ein Upgrade, eine Änderung. Kutschen werden Autos, Briefe zur Whats-App, nur Schüler sitzen immer noch im Klassenraum und versuchen, sich eine Zukunft aufzubauen.

Long story short: Schule lehrt, einen Test zu überstehen, aber nicht, den eigenen Weg im Leben zu gehen.

Julia Staffler:

Wird der Unterricht an den Schulen wirklich sinnvoll abgehalten? Ist es Sinn und Zweck der Lehrer, den Schülern Stoff aufzutischen, der für die nächste Abfrage auswendig gelernt wird?

Ich finde, dass beim heutigen Schulsystem einige Methoden einen Aufschwung nötig hätten. Aktuelle Themen machen in den meisten Schulen nur einen kleinen Teil des Fächerprogramms aus. Auch wir wollen uns an dem Weltgeschehen aktiv beteiligen und nicht nur stillsitzen und zuhören. Stadtessen werden viele Inhalte immer und immer wieder besprochen, die uns Schüler aber überhaupt nicht ansprechen. Es fehlt die Motivation, sie zu lernen und im Kopf zu behalten. Natürlich müssen uns die Lehrpersonen Materie präsentieren. Ein abwechslungsreicher Unterricht jedoch würde frischen Wind in das System bringen. Ich bevorzuge einen kreativen Unterricht, mit Gruppenarbeiten und kleinen Sketchen. Mir fehlen in diesem System Freiheit und Begeisterung.

Und dann wäre da noch die Sache mit den Bewertungen und Noten. Alles, was wir irgendwie zu Papier bringen, wird durchgestrichen, bearbeitet und bewertet. Der Endwert ist eine Zahl, abstrakt und kalt. Diese Zahlen machen unseren Durchschnitt aus, ein Mittelmaß, das angeblich unsere Intelligenz darstellt. Doch Informationen in unser Kurzzeitgedächtnis zu pressen, hat für mich wenig mit wahrer Intelligenz zu tun. Das Meiste nämlich fliegt durch die Gitterstäbe hindurch und wird nie mehr gebraucht.

Für mich macht dieser einzige Wert aber keineswegs unsere Begabung aus. Jeder von uns hat seine Stärken. Der Druck, immer nur gute positive Leistungen zu bringen und immer top vorbereitet zu sein, steigt vielen zu Kopf. Die Verzweiflung steigt, und die Freude am Lernen sinkt. Sollte die Schule nicht vielmehr ein Ort sein, wo man sich wohlfühlt? Ich will Dinge lernen, deren Anwendung ich wirklich brauche, wie man etwa sein Kind erzieht oder eine Reise bucht. Wir Jugendliche sind keine Maschinen. Und wollen es auch nicht sein.

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