Leserbriefe

Doppelpass rückwärts

Aus ff 02 vom Donnerstag, den 11. Januar 2018

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Zwei Staatsbürgerschaften für ein paar Südtiroler – die italienische und die österreichische? Kommentar in ff 51-52/2017

Da wir heute die Möglichkeit haben, aus der ganzen Welt viel zu erfahren, können wir uns besser einstellen und wenigstens vor Ort auf eine gute Zukunft hinarbeiten. Geben wir jedoch dem sogenannten Doppelpass eine Berechtigung, schauen wir nach rückwärts.
In einer Sendung auf Rai 3 zum Thema zeigte sich, wie sensibel Italiener reagieren. Schon deshalb wäre Vorsicht geboten, kommen doch viele Touristen aus italienischen Regionen zu uns. Zu viel Doppelpass kann sie über kurz oder lang abschrecken.
Bei der Geschichte des letzten Jahrhunderts hat man ab und zu den Eindruck, dass jeder seine (meist familiäre) Wahrheit weiterpredigt, und das obwohl es inzwischen viel verlässliche Literatur gibt zur komplizierten Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. Müsste hier nicht die Politik konkret handeln, bevor uns die Wirklichkeit von rechts überholt?
Ein schriftlicher Vermerk im sogenannten Doppelpass über Optionsverhalten 1939 und eventuelle Sympathien vergangener Generationen zur Nazidiktatur könnte sogar für einen österreichischen Bundeskanzler wertvoll sein. Er soll ja wissen, welche Schäfchen er von der Vergangenheit in die Zukunft führt.
Der Weitblick und das Verantwortungsbewusstsein unseres Bischofs freuen mich; weniger erfreulich ist der enge Blick jener Politiker, die gerade mal von Doppelpass bis Neuwahlen schauen. Es ist ein großer Unterschied, ob man von jemandem spricht, der zufällig mehrere Staatszugehörigkeiten aufweisen kann, oder ob man in Südtirol im Wahljahr eine solche Diskussion vom Zaun bricht.
Wem nützt es? Nicht der Menschlichkeit, sondern ­allein der Macht.
Teresa Palfrader, Enneberg

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