Leserbriefe

Die Ich-AG

Aus ff 03 vom Donnerstag, den 18. Januar 2018

Leserbriefe
Leserbriefe © ff-Media
 

Helmuth Rizzolli und die Tätigkeit der Bozner Schlösserstiftung – ­Titelgeschichte in ff 1/18

Wer noch in den Neunzigerjahren Runkelstein besuchte und bei der Führung die anspruchslosen Ausführungen der Hausmeisterin über sich ergehen lassen durfte, wird den seither hier stattgehabten Qualitätssprung und die fundierte Auseinandersetzung mit dieser dank ihrer Malereien europäischen Rang einnehmenden Burg kaum hoch genug einschätzen.
Auf einer mittelalterlichen Adelsburg ohne eigene Sammlung Jahr für Jahr mit prekärem Budget und dünner Personaldecke allemal sehenswerte historische Ausstellungen auf die Beine zu stellen und dabei stets pünktlich zur Eröffnung einen hochwertigen wissenschaftlichen Begleitband in zwei Sprachen vorzulegen, das ist keine geringe Leistung und hätte eher die Aufmerksamkeit von f­f verdient als ein paar nicht erneuerte Bühnenbretter, mit schlechtem Schuhwerk ausgerüstete, kurzatmige Touristen, „skandalöse“ Verflechtungen, angebliche dunkle Machenschaften bis hin zu „schwarzen Büchern“ einer vorgeblichen Überwachungspraxis stalinistischer Prägung.
Was Runkelstein in den letzten Jahren internationale Sichtbarkeit gegeben hat, das ist wohl kaum der Pachtvertrag der Burgschenke. Es sind vielmehr die in Ihrem Beitrag inkriminierte wissenschaftliche Reihe der „Runkelsteiner Schriften“ und das in den letzten Jahren rund um sie entstandene internationale Netzwerk. Nicht von ungefähr begegnen uns Ergebnisse dieser Forschungen in der letzten Auflage des „Gebhardt“, des wichtigsten Handbuchs der deutschen Geschichte ‒ das wird Bestand haben!
Das kleinliche Breittreten einer Personalie „Schlossherr“, untergriffige Anspielungen anstelle von Fakten, schlecht recherchierte Details, die Reduzierung einer Kulturinstitution auf buchhalterische Quisquilien – ist das die ­Spitze unseres Journalismus?
Zum eigentlichen Skandal dringt der Artikel gar nicht erst vor: dass die Stadt Bozen Arbeit, Leistung und Verdienste der Stiftung Bozner Schlösser noch immer nicht gebührend würdigt, sie vielmehr bürokratisch gängelt und ihren Perlen Runkelstein und Maretsch eine langfristig solide finanzielle und personelle Ausstattung vorenthält.

Gustav Pfeifer, Bozen

Leserkommentare

Kommentieren

Sie müssen sich anmelden um zu kommentieren.