Leserbriefe

Bienen für die Bauern

Aus ff 16 vom Donnerstag, den 18. April 2019

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Gastkommentar des ­Biologen Thomas Wilhalm in ff 13/19; Antwort von Bauern­bunddirektor Siegfried Rinner in ff 15/19

Bauernbunddirektor Siegfried Rinner tut sich offenbar schwer mit sachlicher Kritik an seinem Verband. Er beklagt eine übertriebene Schlechtrederei seiner Zunft, wenn von Biodiversität und Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft die Rede ist.
Jeder von uns kann mit eigenen Augen sehen, dass Südtirols bäuerliche Landschaft immer eintöniger und ärmer wird. Blumenreiche Schmetterlingswiesen verschwinden still und leise. Dafür nehmen übergüllte, sattgrüne Löwenzahnweiden zu. Manche Intensivwiesen im Tal werden im Gegensatz zu früher so häufig gemäht, dass Wiesenvögel keine ­Chance zum Brüten haben und irgendwann ausbleiben.
Artenreiche Almweiden werden noch immer planiert. Der letzte verfügbare Quadratmeter in den Obstwiesen wird mit Apfelbäumchen bepflanzt, kein Wildgehölz weit und breit. Trotzdem tue man schon viel für die Artenvielfalt, sagt Herr Rinner, und verweist auf Nistkästen in den Apfelplantagen. Ob die­se Kästen die Vogelwelt unter Hagelnetzen maßgeblich bereichern, darf bezweifelt werden. Insektenfreundliche Blühstreifen sieht man im ausgeräumten Etschtal indes wenige.
Herr Rinner bagatellisiert gern die Warnungen der Wissenschaft, wie jene von Thomas Wilhalm, indem er den Rückgang von Insekten in Südtirol als nicht belegbare Hiobsbotschaft abtut. Eine Langzeitstudie der Uni Innsbruck zeigt klar auf, dass die Anzahl der Schmetterlinge am Vinschger Sonnenberg immer dann extrem zurückgeht, sobald man im Tal mit dem Spritzen beginnt.
Zum Schluss bemüht Herr Rinner stets dasselbe Totschlagargument, dass ­bäuerliche Betriebe zusperren müssten, würden sie mehr Bio­d­iversität zulassen.
Was dazu wohl die vielen biologisch und biodynamisch wirtschaftenden Bauern im Land sagen würden, die
allesamt noch nicht zugesperrt haben? Sie zeigen, dass Landwirtschaft in Südtirol auch anders geht. Vor ihnen ziehe ich den Hut.
An ihrer Philosophie sollte sich die Führung des Bauernbundes ein Beispiel nehmen.

Norbert Dejori, Meran

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