Leserbriefe

Starke Frauen braucht das Land

Aus ff 28 vom Donnerstag, den 11. Juli 2019

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ff 27/19: ein Heft über die benachteiligte Hälfte unserer Gesellschaft.

Danke für den Abdruck des Interviews mit Frau Pusch, in dem das Thema geschlechtergerechte Sprache erfreulich differenziert behandelt wird. Dass „geschlechtergerecht“ aus feministischer Perspektive sich auf das Sichtbarmachen von Frauen konzentriert, ist legitim, trotzdem leidet die Debatte um Geschlechtergerechtigkeit unter dieser Reduzierung des Problems.
Nur geschlechtsneutrale Formulierungen sind letzten Endes geschlechtergerecht, wir können es uns zu diesem Zeitpunkt nicht mehr leisten, das veraltete binäre Geschlechtersystem weiter gesellschaftlich zu festigen, indem wir etwa Doppelnennungen vorschreiben.
In der Theorie wären generisches Maskulinum oder generisches Femininum auch geschlechtsneutral gemeint und damit strenggenommen „inklusiver“ als Doppelnennungen, aber dass das grammatische Geschlecht nicht mit dem biologischen Geschlecht und/oder dem Gender gleichzusetzen ist, ist im allgemeinen Verständnis wohl nie angekommen, und entsprechend wird neutral Gemeintes in der Praxis viel zu oft nicht als neutral empfunden.
Ein gutes Beispiel für den Wechsel zur Geschlechtsneutralität kam 2017 von der niederländischen Bahn, die vorbildlich in ihren Durchsagen „dames en heren“ standardmäßig durch „reizigers“ ersetzen ließ. Zugegeben, neutrale Formen zu finden, ist (im Deutschen und besonders im Italienischen) nicht einfach, aber die einzige zukunftsfähige Lösung, wenn nicht eine Ungerechtigkeit durch eine andere ersetzt werden soll.

Raphael Mair, Toblach

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