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Gesellschaft & Wissen

Lernen vom Virus

Aus ff 11 vom Donnerstag, den 12. März 2020

Corona-Maßnahmen am Bozner  Krankenhaus: Nur keine Panik.
Corona-Maßnahmen am Bozner Krankenhaus: Nur keine Panik. © Alexander Alber
 

Lange unterschätzt und belächelt, jetzt ist es mitten unter uns: Wie Covid-19 unser Leben auf den Kopf stellt.

Montag Vormittag in Welsberg: Pfarrer, Bürgermeister und Angehörige beraten, was jetzt zu tun sei. Eine Beerdigung in Zeiten von Covid-19. Noch am Samstag waren viele, möglicherweise zu viele, zum Beten ins Haus des Verstorbenen gekommen. Aber inzwischen hat sich die Lage schon wieder verändert: Was darf man, was nicht? Keine Messen, aber: Darf der Sarg zum Friedhof getragen werden, wer darf dabei sein?

Da sind zum einen die von der Regierung erlassenen Maßnahmen, die Verbote und Sicherheitsabstände. Aber da sind auch die Erwartungen der Angehörigen, die Bräuche und Gepflogenheiten. Ist dieses verdammte Covid-19 tatsächlich so gefährlich, dass einem Papa, Opa, Freund kein würdiger Abschied mehr gewährt werden kann, eben so, wie ihn sich dieser für seinen letzten Weg gewünscht hatte?

Als Covid-19 in China auftauchte, zuckten wir noch mit den Schultern. Nach dem Motto: Wird schon nicht überschwappen. Vogel- und Schweinegrippe, Ebola, Sars und dergleichen hatten zwar kurz dafür gesorgt, dass wir die Ohren spitzten, aber bislang hat es noch nie ein Virus geschafft, unser Leben auf den Kopf zu stellen.

22. Jänner 2020: Nach dem 6. Todesfall durch Covid-19 beschließt China, über die Metropole Wuhan eine Quarantäne zu verhängen. In der Folge wird die Maßnahme auf die Region Hubei ausgedehnt. Konkret bedeutet das: Rund 60 Millionen Menschen dürfen ihren Wohnort nicht mehr verlassen, Flug- und Zugverbindungen werden eingestellt.

Europa wundert sich über die Maßnahmen. Der Eindruck überwiegt, dass das chinesische Regime wohl wieder zu einem Mittel greift, seine Bevölkerung zu drangsalieren: So was wäre bei uns unmöglich, beteuern Experten – und halten die Maßnahmen für deutlich überzogen, zumal Covid-19 ja nichts anderes sei als eine Art Influenza. Und daran würden „Jahr für Jahr Tausende Menschen sterben, ohne dass deswegen jemand auf die Idee käme, eine Quarantäne zu verordnen“. Trotzdem beginnen Länder wie Italien, Frankreich und Deutschland ihre Staatsbürger aus den betroffenen Gebieten per Flugzeug zu evakuieren.

15. Februar: Frankreich vermeldet den ersten Todesfall infolge Covid-19. Es handelt sich um einen 80-jährigen Touristen aus China. In dessen Heimatland beträgt die Zahl der Toten inzwischen 1.665. In Italien ist die Situation nach wie vor ruhig. Dies auch deshalb, weil die Kurve der Infizierten in China abflacht. Sogar die Weltgesundheitsorganisation WHO warnt, „Alarmismus und Panikmache“ seien „völlig unbegründet“.

21. Februar: Die Lombardei meldet einen Infektionsherd in der Gegend von Castiglione d’Adda. Bei einem 38-Jährigen wird das Virus diagnostiziert, das Besorgniserregende: Er war weder in China noch mit Chinesen in Kontakt. Da der Mann bereits weitere Menschen infiziert hat, werden für zehn Gemeinden der Provinz Lodi „besondere Einschränkungen“ erlassen. An diesem Tag gibt es den ersten Todesfall in Italien: Es handelt sich um einen 77-Jährigen aus der Provinz Padua.

22. Februar: Die Weltgesundheitsorganisation scheint die Lage inzwischen doch als gefährlicher einzuschätzen. Man sei besorgt, weil immer mehr Fälle auftreten, die nicht in Beziehung zu China stehen. Italien vermeldet an diesem Tag einen zweiten Todesfall. Trotzdem scheint sich die Situation zu beruhigen. Von der WHO kommt die gute Nachricht, dass Covid-2 in China „zwischen dem 23. Jänner und dem 2. Februar seinen Höhepunkt hatte“. Italien ist europaweit das Land mit den meisten Infizierten.

23. Februar: An diesem Tag überschlagen sich die Ereignisse, das Problem ist uns nahegerückt. Der Ministerrat sieht sich aufgrund der stark steigenden Anzahl an Infizierten gezwungen, drastischere Maßnahmen zu ergreifen: In ganz Nord-italien werden Kindertagesstätten sowie Schulen und Universitäten geschlossen, die zehn am stärksten betroffenen Gemeinden werden zur Sperrzone („zona rossa“) erklärt.

Südtirols Landeshauptmann Arno Kompatscher erlässt die erste Verordnung in Sachen Covid-19. Auch für unser Land gilt jetzt: keine Kitas, keine Schulen, keine Uni – und zwar bis Sonntag, 1. März.

Der 5-tägigen Schließung wird anstandslos Folge geleistet, aber sie sorgt für Diskussionen: Warum die drastische Maßnahme, wo Südtirol doch bislang nicht von dieser Epidemie betroffen ist? Wird da „mit Kanonen auf Spatzen geschossen“? Was sollen die Kinder in der schulfreien Zeit tun, wer soll auf sie aufpassen?

Die Nachrichtenlage ist widersprüchlich: In China scheint sich die Lage tatsächlich zu normalisieren, aus Frankreich kommen beruhigende Meldungen („Wir haben die einzelnen Fälle isoliert, die Lage unter Kontrolle“), Österreich und Deutschland scheinen von Covid-19 so gut wie nicht betroffen. Italien hingegen hat inzwischen 7 Tote zu beklagen – bei 200 infizierten Personen.

In Südtirol geht das öffentliche Leben weiter – als gäbe es Covid-19 gar nicht. Theater- und Kinosäle sind voll, Fußballspiele werden wie gewohnt ausgetragen – und am Tag, an dem aus Angst vor einer Ausbreitung der Epidemie der Karneval in Venedig abgesagt wird, steuert in Antholz die Biathlon-WM auf ihren Höhepunkt zu. Der allgemeine Tenor: Wir haben alles unter Kontrolle.

Die politischen Verantwortungsträger stehen unvorbereitet vor einer völlig neuen Situation: Wie gefährlich ist das Virus tatsächlich? Welche Maßnahmen sind notwendig und sinnvoll, zum einen um die Ausbreitung der Krankheit einzudämmen, zum anderen, um die Bevölkerung nicht unnötig zu beunruhigen? Angesichts der dünnen Faktenlage und null Erfahrungswerten schlagen sich Kompatscher & Co. tapfer, kommen aber nicht darum herum, zum Teil auch widersprüchliche und deshalb schwer nachvollziehbare Maßnahmen zu treffen. Eines der vielen Beispiele, die für Diskussionen sorgen: Warum schließen die Schulen – und die Skigebiete bleiben geöffnet?

Pünktlich wie bei allen Katastrophen tauchen in den sozialen Medien Gerüchte und Verschwörungstheorien auf. Die einen behaupten, die Gefahr werde von der Politik heruntergespielt, um dem Tourismus nicht zu schaden. Andere wollen wissen, dass es sehr wohl bereits einen Impfstoff gegen Covid-19 gebe, dieser aber aus Spekulationsgründen zurückgehalten wird. Nicht fehlen darf auch die „Erkenntnis“, dass die Menschheit von den Pharmakonzernen wieder einmal bewusst verseucht werde.

Von einer Notsituation kann in Südtirol immer noch nicht die Rede sein. Auf den Skipisten tummeln und begegnen sich Zigtausende Einheimische und Touristen, in Hütten und beim Après Ski wird gefeiert wie eh und je. Das schönste Beispiel, dass die sogenannte Normalität keine Unterbrechung kennt: die Biathlon-WM.

Mit den Bildern aus Antholz zeigen wir der Welt: Südtirol ist von Covid-19 nicht betroffen, die Maßnahmen für Nord-italien sind hier nicht notwendig – und überhaupt: Dieses Virus, das jetzt vor allem den Italienern den Kopf verdreht, ist gar nicht so schlimm, sondern eine Art Grippe, ja sogar harmloser als diese.

Dabei steht in Antholz zumindest der Abschlusstag gefährlich auf der Kippe. Laut ff-Informationen war ursprünglich geplant, Großveranstaltungen ab dem 23. Februar zu verbieten beziehungsweise nur mehr ohne Publikum zu genehmigen. Am Samstag, dem 22. Februar, wird zwischen Bozen und Rom frenetisch telefoniert: Wir können doch nicht Zehntausend Biathlon-Fans nach Hause schicken, wo diese doch schon alle in Antholz sind – und dies seit Tagen! Die Verhandlungen haben Erfolg, das Biathlon-Highlight mit dem Massenstart der Frauen und Männer am 23. Februar geht ohne Einschränkungen über die Bühne.

3. März: „Liebe Leute, ehrlich gesagt: Tickt ihr noch richtig?“ Mit diesen Worten wird der Heinsberger Landrat Stephan Pusch (CDU) in der FAZ zitiert. Pusch kann die Aufregungen rund um Covid-19 nicht verstehen und vor allem, weshalb in seinem Bezirk Ärzte und Pfleger in Quarantäne geschickt werden. In der Region Heinsberg waren erste Fälle von Infizierten aufgetreten.

Ähnlich wie Pusch reagieren die Bewohner jener sechs Gemeinden in Südtirol, die von der 3. Verordnung des Landeshauptmanns betroffen sind:
Ab 3. März gelten für Wolkenstein, St. Christina in Gröden, Toblach, Welsberg-Taisten, Prettau und Abtei besondere Maßnahmen. Unter anderem werden Einschränkungen für Aufstiegsanlagen, Kirchen und Museen sowie Gastbetriebe erlassen. Veranstaltungen jeder Art sind ausgesetzt.

„Warum nur wir“?, fragt sich etwa Reinhard Kargruber, Gemeindereferent in Welsberg-Taisten. Die deutschen Touristen, die nach ihrer Heimkehr positiv auf Covid-19 getestet worden sind, haben in diesen Gemeinden gewohnt. Kargruber, beruflich Finanzbeamter und als solcher auch oft auf den Skipisten unterwegs, kann die „Sonderbehandlung“ trotzdem nicht verstehen: „Diese Touristen sind fünf Tage lang jeden Tag mit dem rammelvollen Zug von Welsberg nach Olang und zurück gefahren. Sie sind jeden Tag mit dem rammelvollen Shuttle von Olang nach Antholz gefahren, und sie waren jeden Tag auf der rammelvollen Tribüne und wahrscheinlich auch in einem der rammelvollen Festzelte. Also wenn schon, dann müsste man auch für Antholz und Olang, ja möglicherweise für ganz Südtirol besondere Maßnahmen erlassen. Warum sind nur wir die Blöden?“

Nachdem er seinem Ärger Luft gelassen hat, muss Gemeindereferent Kargruber feststellen, dass die erlassenen Maßnahmen offenbar immer noch ihre Wirkung verfehlen: „Die Leute nehmen die Gefahr nicht ernst, sie machen Witze darüber.“

Das ist auch nicht verwunderlich angesichts der verwirrenden Verordnungen, die aus Rom und in der Folge aus dem Landhaus in Bozen kommen: Nach den Semesterferien sperren Schulen, Universitäten, Kindergärten und Kitas am 2. März wieder die Tore auf. Die Botschaft: Die Situation ist doch nicht so besorgniserregend. In Italien werden Fußballspiele abgesagt oder ohne Publikum ausgetragen, in Deutschland sind die Stadien nach wie vor voll. In Südtirol fiebern noch am 4. März 3.000 Menschen in der Eishalle mit dem HC Bozen mit, in Bruneck kommen zum Match gegen Jesenice immerhin gut 500. In dieser Woche, also vor nicht einmal 7 Tagen, wird bekannt, dass viele Länder für italienische Staatsbürger keine Visa mehr erteilen, gleichzeitig werden hierzulande immer noch Veranstaltungen genehmigt.

Vereine und Organisatoren raufen sich die Haare: Darf ein Skirennen durchgeführt werden, wo doch der Bauernbund seine Versammlung absagt? Was ist mit dem Frühjahrskonzert, was mit der Heimatbühne? Kino und Theater, so scheint es, darf es weiterhin geben, die Skigebiete bleiben offen: Noch am Samstag tummelten sich am Kronplatz mehrere Tausend Menschen.

Ein Blick auf die Situation in Italien zeigt allerdings: Da braut sich Gefährliches zusammen: Sowohl die Zahl der Infizierten wie jene der Toten steigt von Tag zu Tag (mehr als 630 bis Dienstag dieser Woche), die Regierung reagiert mit immer schärferen Maßnahmen.

5. März: Ab diesem Tag, es ist Donnerstag, müssen nach dreitägiger Unterrichtszeit wieder sämtliche Schulen schließen, außerdem werden alle öffentlichen Veranstaltungen ausgesetzt, bis in den April hinein. Aber noch immer scheint man sich der Ernsthaftigkeit der Situation nicht voll bewusst zu sein: Als das deutsche Robert-Koch-Institut Südtirol zum Corona-Risikogebiet erklärt, gehen Politiker und Verbandsfunktionäre auf die Barrikaden: „Südtirol ist kein Risikogebiet“, wer so etwas behauptet, schade der Südtiroler Wirtschaft und insbesondere dem Tourismus. Spätestens ab diesem Tag verlassen deutsche Urlauber fluchtartig unser Land.

9. März: Die erst vor vier Tagen erlassene Verordnung wird widerrufen und durch eine neue ersetzt – und die hat es in sich: Auf Verordnung des Ministerpräsidenten wird die bislang nur für einige Regionen gültige „rote Zone“ auf ganz Italien ausgedehnt – und damit auch auf Südtirol.

Spätestens seit Dienstag dieser Woche ist auch Südtirol ganz im Banne von Covid-19: keine Schule, Skigebiete geschlossen, Hotels gesperrt, Südtiroler an der Grenze abgewiesen, weil unser Land inzwischen auch für Österreich ein Risikogebiet ist. Auf den Straßen ist es gespenstig leer: Um die Wohnsitzgemeinde zu verlassen, braucht es eine Eigen-erklärung oder ein ärztliches Zeugnis.

Schon jetzt ist klar, dass die Auswirkungen auf Wirtschaft und Beschäftigte enorm sein werden. Die Winterskigebiete dürften noch mit einem blauen Auge davonkommen, aber für die erste Hochsaion im Burggrafenamt und in Kaltern sieht es dürster aus: Gut möglich, dass die Hotels zu Ostern gar nicht aufsperren.

In Deutschland wurde das Problem bislang heruntergespielt, jetzt drohen auch dort Maßnahmen, die jenen in Italien ähneln: Gesundheitsminister Spahn will, dass Großveranstaltungen nur mehr ohne Publikum über die Bühne gehen. Aufgrund des Föderalismus in Deutschland kann Spahn allerdings nur Empfehlungen aussprechen und nicht wie in Italien verordnen. Man darf gespannt sein, wie die Bundesländer reagieren. Schon jetzt ist sicher: Das Fußballderby Dortmund gegen Schalke, das größte Sport-ereignis dieser Woche, findet vor leeren Rängen statt – erstmals in der Geschichte.

„Die Lage ist ernst“. Das sagt Christian Drosten, einer der führenden Virologen in Europa. Drosten geht davon aus, dass der Höhepunkt der Epidemie „noch lange nicht erreicht“ sei. Deshalb könnten in Deutschland, Frankreich und sukzessive in Österreich rasch ähnliche Maßnahmen erlassen werden wie in Italien.

„Ich kann nur hoffen, dass die Bevölkerung die Maßnahmen versteht und ernst nimmt“, sagt Walter Amhof, Sanitätsddirektor am Krankenhaus Bruneck. Die einzige Möglichkeit, die Epidemie einzudämmen, bestehe darin, das Überspringen des Virus von Mensch zu Mensch zu verhindern. Amhof: „Je weniger Kranke es gibt, desto besser können wir sie behandeln. Es muss verhindert werden, dass es in den Krankenhäusern zu Engpässen kommt. Deshalb sind die Maßnahmen, so rigide sie auch sein mögen, richtig und notwendig. Wir sind es älteren und schwachen Menschen schuldig, die Maßnahmen ernst zu nehmen.“

Bürgermeister, Pfarrer und Angehörige des Verstorbenen in Welsberg waren an diesem Montag ratlos: Darf die Beerdigung überhaupt stattfinden? Und wenn ja, ist eine halbwegs würdige Feier angesichts der Auflagen überhaupt denkbar?

Am Abend, nach der Beerdigung, hatte man etwas gelernt, was wohl für sämtliche Bereiche unseres Lebens gilt: Es geht auch anders, ja vielleicht sogar besser als im Normalmodus, an den wir uns gewöhnt hatten.

Vielleicht ist diese Notsituation, die es so noch nie gegeben hat, „sogar ein Wink des Himmels“, wie der italienische Psychiater Raffaele Morelli meint: „Wie wäre es, wenn wir, anstatt zu jammern, darüber nachdenken würden, welche Lehren wir aus Covid-19 ziehen können? Einer Konsumgesellschaft, die gekennzeichnet ist von Hektik und keine Feiertage kennt, wird plötzlich ein Stopp verordnet.“

Dies könnte, bei all den Hiobsbotschaften, die uns Tag für Tag überfluten und drohen, uns narrisch zu machen, die gute Nachricht sein.

weitere Bilder

  • Landeshauptmann Arno Kompatscher Manfred Pinzger (links), Leo Tiefenthaler: Gastbetriebe geschlossen. Alle Skilifte und Aufstiegsanlagen sind zu: Schwerer wirtschaftlicher Schaden. Stau auf der Autobahn: Der Verkehr wird rasch weniger werden. Grenzkontrollen auf dem Brenner: Ein kleines Virus macht es möglich.
  • Die Schulen, Kindergärten und die Uni bleiben bis zum 3. April zu: „Tickt ihr noch richtig?“

Was hinter Covid-19 steckt

Die Erkrankung Covid-19 (Co für Corona, vi für Virus, d für disease, Krankheit, und 19 für das Jahr, in dem das Virus erstmals identifiziert worden ist) hat Ähnlichkeiten mit der Influenza, der echten Grippe.

Die Symptome: Fieber, trockener Husten, Hals- und Kopfschmerzen, Atembeschwerden. Auslöser der Krankheit ist das Virus Sars-Cov-2.

Nach heutigem Wissensstand verursacht Covid-19 bei rund 80 Prozent der infizierten Personen kaum oder nur leichte Beschwerden.

In 15 Prozent der Fälle treten ernste Beschwerden auf – etwa eine Lungenentzündung. Mit angemessener sanitärer Betreuung lassen sich diese Beschwerden allerdings gut bekämpfen.

In 5 Prozent der Fälle ist eine intensivmedizinische Betreuung erforderlich. Das Risiko, zu dieser 5-Prozent-Gruppe zu gehören, ist größer, wenn man älter ist als 65 Jahre und bereits andere Beschwerden aufweist.

Die meisten Todesfälle gibt es eben bei der Altersgruppe über 65 und bei Menschen, die krank sind oder anfällig für virale Infekte. Deshalb gilt es, vor allem diese Personengruppen vor einer möglichen Infizierung zu schützen.

Die Viruserkrankung ist Ende 2019 erstmals in der chinesischen Stadt Wuhan aufgetreten, seit dem 30. Januar 2020 spricht man von einer Epidemie. Da die Infizierung über die Atemwege und den Kontakt mit infizierten Gegenständen relativ einfach erfolgen kann, breitet sich Covid-19 rasch aus.

Die Gefährlichkeit von Sars-Cov-2 liegt darin, dass es sich um ein bislang unbekanntes Virus handelt, und dass es noch keinen Impfstoff gibt.

Erinnerungen an die Sars-Pandemie des Jahres 2003 werden wach. Auch Sars (schweres akutes Atemwegssyndrom) ist ein Coronavirus. Der Pandemie fielen vergleichsweise wenige Menschen zum Opfer: 770 (davon 650 in China, 1 in Europa). Allerdings zeigte Sars erstmals in erschreckender Weise auf, wie rasch sich in der globalisierten Welt gefährliche Viren verbreiten können.

Covid-19 ist nach heutigem Wissensstand nicht so gefährlich wie Sars, verbreitet sich allerdings viel schneller und aggressiver.

Die von der Regierung erlassenen Maßnahmen zielen darauf ab, das Tempo der Verbreitung zu verlangsamen. Dies ist nicht zuletzt deshalb notwendig, um den Kollaps der sanitären Einrichtungen zu vermeiden.

Je weniger Möglichkeiten das Virus hat, sich auf andere Menschen auszubreiten, desto eher stirbt es ab.

Und je eingegrenzter die betroffene Bevölkerungsgruppe ist, desto eher lässt sich das Phänomen mit sanitären Maßnahmen abtöten. Deshalb die Sperrzonen, deshalb die Einschränkungen im öffentlichen Leben, deshalb Quarantäne-Einrichtungen wie jene in Gossensaß.

Führende Virologen wie Christian Drosten von der Charité Berlin gehen davon aus, dass der Höhepunkt der längst zur Pandemie gewordenen Epidemie noch nicht erreicht ist, ja, dass sie sich bis in den Sommer hinein ausbreiten könnte.

Von einer Pandemie spricht man, wenn sich eine Epidemie länder- und kontinentübergreifend ausbreitet.

Norbert Dall’Ò

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