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Gesellschaft & Wissen

„Sitzen alle im selben Boot“

Aus ff 12 vom Donnerstag, den 19. März 2020

Krankenhaus
Kontrollstelle mit Fiebermessung am Eingang des Meraner Krankenhauses: „Ein Notstand, der zeigt, dass alle im selben Boot sitzen.“ © Alexander Alber
 

Solidarität in ­Zeiten von Corona: Ein Gespräch mit Irene Pechlaner, Direktorin des ­Gesundheitsbezirks Meran, und Valter Ciarrocchi, geschäftsführender ärztlicher Direktor des Meraner Krankenhauses.

Termine mit Verantwortlichen der Südtiroler Gesundheitsbezirke zu bekommen, gestaltet sich in diesen Tagen schwierig. Es gilt, neben dem Tagesgeschäft, sich den Herausforderungen zu stellen, die die zunehmende Zahl von stationär aufgenommenen Covid-19-Patienten mit sich bringt, und sich organisatorisch, logistisch sowie technisch auf den noch bevorstehenden Höhepunkt der Coranavirus-Epidemie vorzubereiten. Auch hierzulande wächst die Zahl der vom Corona-virus infizierten Menschen, die stationär aufgenommen werden müssen oder gar intensivmedizinische Betreuung brauchen.

Irene Pechlaner, Direktorin des Gesundheitsbezirks Meran, und Valter Ciarrocchi, geschäftsführender ärztlicher Direktor des Meraner Krankenhauses, nahmen sich am Freitag vergangener Woche vor dem Krankenhaus Franz Tappeiner in Meran Zeit, ff ein kurzes Interview zu geben.

ff: Ist man im Gesundheitsbezirk Meran gegen die Pandemie gerüstet?

Irene Pechlaner: Sämtliche Maßnahmen zu Covid-19 werden landesweit von einer Task Force des Sanitätsbetriebs koordiniert, wir in den Bezirken setzen diese Maßnahmen um. Seit Montag vergangener Woche kontrollieren wir die Eingänge der Krankenhäuser, zwei Tage später haben wir mit den Fiebermessungen begonnen, die wir seit vergangenem Freitag auch auf unser Krankenhauspersonal ausgedehnt haben. Heute (Freitag vergangener Woche, Anm. d. Red.) hatte niemand von unserem Personal Fieber. Die Situation ändert sich von Stunde zu Stunde. Die Task Force tagt täglich um 10 Uhr vormittags, um 11 Uhr kommen wir – im gebotenen Abstand – im Krankenhaus mit allen Chefärzten zusammen, um zu besprechen, wie wir die Vorgaben umsetzen.

Die Zahl der Infizierten steigt an …

Pechlaner: … derzeit steigt diese Zahl mäßig an, nicht exponentiell. Wir verfügen in Meran derzeit über 16 Betten auf der Intensivstation, im Krankenhaus Schlanders sind es 6 Intensivbetten, mit der Option, sie auf 8 zu erhöhen.

Wie ist die Stimmung beim Pflege- und ärztlichen Personal?

Pechlaner: Alle arbeiten gut zusammen, man hilft sich gegenseitig so gut es geht. Zum Beispiel teilen die Physiotherapeuten in der Mensa das Essen aus, weil die Mitarbeiter, die das bis-lang gemacht haben – Menschen mit -Beeinträchtigung, nach Hause geschickt wurden. Die Physiotherapeuten haben das spontan von sich aus angeboten und wir sind sehr froh darüber.

Nicht dringende Facharztvisiten, Leistungen und Operationen wurden landesweit vorübergehend ausgesetzt. Wie werden die freigewordenen Ressourcen genutzt?

Pechlaner: Die freigewordenen -Ressourcen werden für die Tätigkeiten eingesetzt, die wir nun mit dem Coronavirus haben werden. So zum Beispiel sagen einige Krankenpflegerinnen, die zuvor in den Poliambulatorien beschäftigt waren, die vielen vorgemerkten Visiten ab. Das ist viel Arbeit. Natürlich müssen wir auch schauen, dass unsere Mitarbeiter gesund bleiben, -schließlich ist es ja das Gesundheitspersonal, das an der vordersten Front arbeiten muss. -Deswegen bitte ich auch die -Bevölkerung um Verständnis und Mithilfe: Bitte sich an die Vorgaben halten und zuhause bleiben!

Valter Ciarrocchi: Die freigewordenen personellen Ressourcen können nur zu einem bestimmten Teil auf der Intensivmedizin eingesetzt werden, doch es gibt viele Dienste rundherum, die wir abdecken müssen, denn längst nicht jeder mit dem Coronavirus infizierte Patient liegt auf der Intensivstation.

Pechlaner: Es ist maximale Flexibilität seitens des Personals angesagt. Jeder hier im Krankenhaus weiß das, und es gibt eigentlich wenig Diskussionen darüber.

Aus den überfüllten lombardischen Krankenhäusern kommen -bedenkliche Nachrichten: Das Personal habe dort die physische und psychische Belastungsgrenze erreicht.

Ciarrocchi: Zum Glück sind wir nicht in dieser Situation. Aber jeder Mensch reagiert anders auf Ausnahmesituatio-nen. Natürlich haben auch unsere Mitarbeiter Ängste, zum Beispiel ist die Angst, sich anzustecken, bei dem einen oder anderen durchaus da. Natürlich gibt es eine bestimmte Anspannung, man weiß ja nicht, wie sich das bei uns entwickelt. Wir haben zum Glück Psychologen im Haus, die wissen um die Thematik Bescheid und können gegebenenfalls helfen. Wir helfen uns alle gegenseitig sehr gut.

In jüngster Vergangenheit – jedenfalls lange vor dem Auftritt des Coronavirus – war die Stimmung im Südtiroler Sanitätsbetrieb nicht die beste. Schweißt die aktuelle Situation das Gesundheitspersonal wieder zusammen?

Ciarrocchi: Absolut, sie schweißt den ganzen Sanitätsbetrieb zusammen. Es ist ein Notstand, der jedem gezeigt hat, dass wir alle im selben Boot sitzen. Ich bin sehr beeindruckt von der Solidarität, die es untereinander gibt.

Was fürchten Sie bei dieser Coronavirus-Krise am meisten? Einen sprunghaften Anstieg der Patienten?

Ciarrocchi: Ich hoffe, dass wir von Situationen, wie es sie in anderen italienischen Regionen gibt, verschont bleiben. Wir haben alle erdenklichen Maßnahmen ergriffen, um eben nicht in eine solche Situation zu geraten. Deshalb auch unsere präventive Maßnahme der Konzentration der Ressourcen.

Pechlaner: Wir haben unsere Komplementärmedizin zum Beispiel derzeit komplett geschlossen. So konnten wir mehrere Ärzte und Pflegekräfte zur Verstärkung in anderen Abteilungen heranziehen. Ebenso haben wir die Rehabilitationsabteilung vorübergehend geschlossen, auch weil wir Platz brauchen für die medizinische Abklärung von Patienten mit Verdacht auf eine Coronavirus-Infektion. Diese Entscheidungen werden alle gemeinschaftlich mit den Chefärzten getroffen. Wir funktionieren hier im Team.

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