Wichtiger Hinweis

In eigener Sache:

Liebe Leserinnen, liebe Leser, aufgrund der aktuellen Ereignisse schalten wir für Sie die ff online vorübergehend frei. Sie können alle, Abonnenten wie Nicht-Abonnenten, das neue Heft ab Donnerstag als E-Paper kostenlos lesen, klicken Sie dafür im Menü auf E-Paper lesen. Oder Sie laden sich die ff-App auf Ihr Smartphone.
Wir wünschen gute Lektüre und gute Gesundheit!

Gesellschaft & Wissen

Ruhe vor dem Sturm

Uniklinik Innsbruck
Die Uniklinik Innsbruck hat auf Coronabetrieb umgestellt: Gut vorbereitet.
 

Vor einem Monat untersuchte der Sterzinger Moritz Messner die ersten Corona­fälle in Österreich. Vier Wochen später sagt er: „Wir alle haben das Ausmaß unterschätzt.“

Als Moritz Messner, Assistenzarzt für Innere Medizin und Kardiologie, am 24. Februar in der Notaufnahme der Uniklinik Innsbruck seinen Dienst antrat, hatten die Kollegen von keinen besonderen Vorkommnissen zu berichten. Messner wurde aber darauf hingewiesen, dass sich Covid-19-Verdachtsfälle angemeldet hätten.

Ansonsten lief bei Dienstbeginn, 16 Uhr, der übliche Regelbetrieb. Für Messner, er ist 31 Jahre alt und stammt aus Sterzing, war es der letzte Nachtdienst vor seinem Papamonat. Er und seine Partnerin, auch sie Medizinerin, sind kürzlich Eltern geworden.

Zu diesem Zeitpunkt, Montag, 24. Februar, 16 Uhr, war an Österreichs Krankenhäusern noch kein bestätigter Covid-19-Fall bekannt. Bekannt war den Behörden bis dahin eine am Virus erkrankte Frau aus Deutschland, die sich vom 24. auf den 26. Jänner auf der Dortmunder Hütte im Kühtai, Bezirk Imst, aufgehalten hatte. An der Uniklinik gab es eine SOP (Standard Operating Procedure), ein Standardverfahren, wie Pflege und Ärzte mit Covid-19-Verdachtsfällen umgehen sollten. Die Vorgabe: Getestet werden Patienten, die Symptome aufweisen und aus einem Risikogebiet kommen – Norditalien und China. Messner hatte es im Laufe seines Dienstes mit mehreren solchen Verdachtsfällen zu tun, etwa mit einem jungen Pärchen aus Bergamo, das mit dem Auto nach Innsbruck gefahren war.

Das Pärchen, beide 24, wandte sich an die Tiroler Leitstelle – sie hatte Fieber und grippale Symptome, er leichtes Fieber und etwas Halsschmerzen. Moritz Messner kümmerte sich im Infektionsraum um die beiden, die, wie er sagt, „sehr verantwortungsbewusst gehandelt haben“. Er war besonders vorsichtig, immerhin kamen die beiden direkt aus dem Risikogebiet, er hielt einen Sicherheitsabstand von zwei Metern ein und trug Schutzausrüstung.

Nachdem ein Abstrich genommen worden war, wurde das Pärchen, gemäß Standardprotokoll, bis zur Feststellung des Ergebnisses in die Selbst-isolation geschickt – ein Vorgang, der sich im Laufe des Dienstes einige Male wiederholte. Messner staunte, wie viele Menschen, die als Verdachtsfälle gelten konnten, zu ihm kamen: Taxifahrer, die aus Italien Richtung München unterwegs waren, Studenten aus Norditalien, Südtiroler, die in Innsbruck leben. Alle wurden in die Selbstisolation geschickt, ein Patient übernachtete im Auto auf dem Parkplatz, andere in ihren Hotelzimmern.

Im Laufe des Abends bekam Messner einen Anruf von der Tiroler Landesregierung, den Verdachtsfällen wurde untersagt, öffentliche Verkehrsmittel oder Taxis zu nutzen. Kontrolliert wurde die Selbst-isolation aber nicht. Vier Wochen später blickt Moritz Messner zurück und sagt: „Wir alle haben das Ausmaß der Krankheit unterschätzt.“

Sein Nachtdienst endete am nächsten Tag um 9 Uhr, er fuhr nach Hause, noch im Krankenhaus hatte er die gesamte Kleidung gewechselt. Im Laufe des Tages stand das Ergebnis der Untersuchung fest: Das Pärchen war Covid-19 positiv. Die Patienten wurden umgehend in die Uniklinik gebracht und dort isoliert, die Behörden suchten nach Kontaktpersonen, Bundeskanzler Sebastian Kurz, Gesundheitsminister Rudolf Anschober und Tirols Landeshauptmann Günther Platter kündigten Maßnahmen an.

Moritz Messner selbst machte sich zu dem Zeitpunkt große Sorgen wegen einer möglichen Ansteckung. Er und seine Partnerin recherchierten und beschlossen, weiter gemeinsam in ihrer Wohnung zu bleiben, weder sie noch das Kleinkind gehören einer Risikogruppe an.

Am Mittwoch hat Messner wieder seinen Dienst aufgenommen. „Ohne Angst“, wie er sagt. Er sorgt sich aber um seine Großeltern, die in Wolkenstein leben. Die Klinik ist jetzt eine andere: Alle verschiebbaren Eingriffe sind ausgesetzt, man hat auf Corona umgestellt. „Die Klinik hat sich gut vorbereitet“, sagt Messner, er spricht von der „Ruhe vor dem Sturm“.

Vier Wochen nach seinem Nachtdienst und den ersten bestätigten Coronafällen ist auch in Tirol vieles anders: Das ganze Land steht unter Quarantäne. Seinen beiden Patienten, dem Pärchen aus Bergamo, geht es gut.

weitere Bilder

  • Moritz Messner

Leserkommentare

Kommentieren

Sie müssen sich anmelden um zu kommentieren.