Gesellschaft & Wissen

Tomedi und die falschen Heiligen

Aus ff 24 vom Donnerstag, den 11. Juni 2020

Irene Tomedi
Lange hat Irene Tomedi auf den Tag gewartet, jetzt holt sie ihn für die ­Restaurierung aus der Kirche in St. Leonhard im Passeier ab: den ­heiligen ­Vincentius von ­Saragossa. Er ist der vierte Katakombenheilige, den die­ ­Textilrestauratorin auf ihren ­Werkstatttisch bringen wird. © Alexander Alber
 

Auf vielen Dachböden von Kirchen lagern Skelette von vermeintlichen Märtyrern, ­sogenannten Katakombenheiligen. Die Textilrestauratorin Irene Tomedi bringt sie in neuem Glanz auf die Altäre zurück. Und entdeckt, dass es mit der Heiligkeit hapert.

Irene Tomedi, 61 Jahre alt, kinnlanges, blondes Haar, hält den rechten Arm des Skeletts vor ihr auf dem Tisch senkrecht nach oben. Mit der linken Hand schiebt sie ihre Hornbrille ein Stück weiter auf den Nasenrücken, damit sie das verstaubte Gewand besser betrachten kann. Dann greift sie zur Pinzette, um den ersten Faden zu lösen.

Minuten vergehen, bis sich dieser endlich lockert. Minuten, in denen die leeren Augenhöhlen im Schädel des Skeletts sie bizarr anstarren. Doch Irene Tomedi inspiziert nur das alte Kleidungsstück, das sich in seiner ganzen Verschmutzung, mit dem ...

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  • Der ­heiligen ­Vincentius von ­Saragossa. Schicht für Schicht Zwei Monate hat Irene Tomedi Arbeit mit dem Katakombenheiligen Nach zwei Monaten ist der heilige Vincentius kaum wiederzuerkennen. Vor dem Abtransport in die Kirche nach St. Leonhard

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