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Es hat sich ausgetanzt

Früher machte man in Clubs die Nächte durch – damit ist es vorbei. Warum ist das so? Und wohin zieht es die Jugend heute? von Matthias Hillebrand und Julia Staffler
Samstagabend. Es ist ein Uhr nachts. Sperrstunde im Ost West Club in Meran. Das letzte Bier muss draußen getrunken werden, auf der Straße sammelt sich eine Menschentraube. Einige Hundert Meter weiter, auf der Freiheitsstraße, wo die meisten Bars von Meran zu finden sind, spielen sich die gleichen Szenen ab.
Wohin? Diese Frage stellen sich jetzt viele. Eine große Auswahl gibt es an diesem Sommerabend nicht. Bei den meisten wird der Abend wohl bald enden, es sei denn, man zwängt sich in einen der letzten noch verbliebenen Clubs der Stadt. Wobei das „Raffl“ gerade Sommerpause hat. Also auch keine Option. Es gäbe zwar noch einen anderen Club, das „La Perla“, allerdings weiß man dort nie so recht, ob er überhaupt geöffnet hat. In der Vergangenheit wurde dem Betrieb bereits mehrfach die Lizenz entzogen. Der Grund: Lärmbelästigung.
Es ist ein trauriges Bild, das sich zeigt. Dabei war Meran einst die Partystadt in Südtirol. Sogar aus Bozen sollen die Menschen am Wochenende zum Feiern nach Meran gefahren sein. Das ist alles Geschichte. Mittlerweile gibt es in ganz Meran nur noch zwei aktive Clubs – vor 30 Jahren waren es noch über sechs. Und auch im restlichen Land sah die Situation um einiges besser aus.
Im Jahr 1995 veröffentlichte die ff einen Discoführer. Damals gab es im ganzen Land 86 (!) Discos. Heute ist es gerade mal ein Drittel. Laut Diskothekenbetreibern sind es rund 20 – und auch die sind mal mehr, mal weniger aktiv.
Die Frage nach dem „Wohin?“ treibt viele junge Südtirolerinnen und Südtiroler am Wochenende durch die Nacht. Auch in anderen Ländern sterben die Clubs. Die Zahl der Diskotheken hat sich in Deutschland innerhalb von rund zehn Jahren fast halbiert. Sogar in Partystädten wie Berlin haben in den letzten Jahren zahlreiche Clubs dichtgemacht.
Aber warum? Und wohin gehen die jungen Leute heute? Wir haben nach Antworten gesucht. So viel vorab: Es geht um politische Entscheidungen, Polizeimaßnahmen und gesellschaftliche Trends.
Der Club ist out
Für die Jugend in Österreich verliert die Clubkultur zunehmend an Bedeutung. Das zeigen die Ergebnisse einer aktuellen Jugendstudie des Radiosenders Ö3, für die rund 13.500 junge Menschen zwischen 16 und 25 Jahren befragt wurden: Über drei Viertel der Befragten gehen davon aus, dass Diskotheken und Clubs in den nächsten zehn Jahren an Relevanz verlieren werden.
Auch in Südtirol ist man dieser Meinung. Julia Augschöll ist 19. Als sie 16 wurde, öffneten die Südtiroler Clubs nach der Corona-Pandemie gerade wieder ihre Türen. Damals zog es die Klausnerin mit ihren Freundinnen regelmäßig in den Club Max nach Brixen. Jedes Wochenende war voller Vorfreude, das Nachtleben neu, aufregend und perfekt, um neue Leute kennenzulernen.
Doch der Hype verflog. In den letzten zwei Jahren hat sich bei Augschöll etwas gedreht. Den Club Max sieht sie kaum noch. „Es ist immer nur das Gleiche, nichts Aufregendes und Besonderes mehr“, sagt sie. Heute bevorzugt die 19-Jährige Outdoor-Events, immer an neuen, spannenden Orten, die am frühen Abend beginnen und bald nach Mitternacht enden. Den größten Vorteil dieser Events sieht sie darin, am nächsten Tag „ein Mensch zu sein“.
Am Angebot der heimischen Diskotheken liegt diese Entwicklung laut der Klausnerin nicht. Südtirol habe gut ausgestattete Clubs und regelmäßig gute DJs. Selbst ein neuer Großclub nach internationalem Vorbild würde daran wenig ändern.
Das Problem liegt für sie am Konzept „Club“ selbst: Das klassische Durchfeiern bis zum Morgen passt schlicht nicht mehr zur Lebensrealität vieler junger Erwachsener. Die Prioritäten haben sich verschoben: Der Trend geht hin zu einem gesundheitsbewussten Lebensstil. Statt durchtanzter Nächte stehen heute Sportarten wie Radfahren, Bergtouren und Aktivitäten in der Natur hoch im Kurs.
Hört man sich bei anderen jungen Leuten der Generation Z (Jahrgänge 1995 bis 2010) im Land um, wird oft Corona die Schuld an dem veränderten Ausgehverhalten gegeben. Die Pandemie scheint ein tiefer Einschnitt gewesen zu sein. Durch die monatelangen Lockdowns fielen die gewohnten Anlaufstellen von heute auf morgen weg. „Wir haben das klassische Disco-Ausgehen einfach nie als Selbstverständlichkeit kennengelernt“, sagt etwa eine Jugendliche, Jahrgang 2004.
„Viele wissen gar nicht mehr genau, wie sie tanzen sollen“, sagt DJ Rafael Cembran alias „Ralph Cieli“, einer der bekanntesten DJs Südtirols. Seit über zehn Jahren legt er regelmäßig in Clubs auf. „Die Partyszene in Südtirol hat sich stark reduziert“, fasst er zusammen. Die Leute gehen schlichtweg weniger aus.
Auch Social Media ist schuld daran. Kaum jemand hat sein Smartphone beim Feiern nicht in der Hand. Manche Jugendliche haben Angst, dass jemand ein peinliches Foto oder Video macht und es direkt im Netz landet. Die Konsequenz: Sie trinken lieber weniger – oder bleiben gleich ganz zu Hause.
Und dann ist da noch das Geld. Reichten früher oft 20 Euro für einen Abend, deckt heute selbst das Dreifache kaum noch Eintritt, Drinks und Shuttlebus.
Aber was geht verloren, wenn ein Club schließt? Auf den ersten Blick nur ein Lokal. Auf den zweiten sehr viel mehr. Der US-amerikanische Stadtsoziologe Ray Oldenburg beschrieb Diskotheken, Bars und Cafés schon 1989 als sogenannte „dritte Orte“ – jene Zwischenräume neben Zuhause und Arbeitsplatz, in denen das informelle gesellschaftliche Leben pulsiert. Orte, an denen soziale Hierarchien vor der Tür bleiben, man zufällig auf Fremde trifft und Gemeinschaft ungeplant entsteht. Verschwinden diese Räume, drohen laut Oldenburg Vereinsamung, politische Polarisierung und der Verlust des Gemeinschaftssinns. Sein Buch wurde 2023 neu aufgelegt – das Thema ist also aktueller denn je.
Was Behörden heute oft als Lärmbelästigung und Sicherheitsrisiko werten, beschrieb der französische Soziologe Émile Durkheim bereits 1912 als eines der ältesten sozialen Grundbedürfnisse des Menschen: das gemeinsame Tanzen, die kollektive Bewegung und das Aufgehen in einer Gruppe in einem geschützten Raum.
In Südtirol verschwindet dieser Raum zunehmend. Die heimischen Clubbetreiber versuchen dennoch, optimistisch zu bleiben.
Die Partymacher
Während andere Discobetreiber aufgeben, expandieren die beiden 31-Jährigen Michael Plattner und Isabel Conci. Das Paar führt in Bozen vier Betriebe: die Disco Okay, den Club Martini, die Insre Bar und den Pippo-Kiosk. Insgesamt beschäftigen sie sechs Leute und rund 40 Aushilfskräfte. Während Plattner zwischen allen vier Standorten hin- und herwechselt, ist Conci vor allem im Martini und in Insre Bar anzutreffen.
Wir sehen die beiden an einem Donnerstagnachmittag in ihrer Bar in der Leonardo-da-Vinci-Straße, nur ein paar Meter von ihrem Club Martini entfernt.
Vom viel zitierten Clubsterben spüren sie wenig. „Jetzt kommt eine Generation nach, die wieder Lust aufs Ausgehen hat“, behauptet Conci.
Vor allem das Martini, in dem offiziell maximal 75 Personen Platz finden, ist an Wochenenden bis auf den letzten Platz gefüllt. „Das Martini ist wie der eigene Partykeller. Hier kennt man sich, das zählt. Die Musik ist eher Nebensache – Hauptsache, alle können mitsingen, ganz egal, ob die Übergänge des DJs sitzen oder nicht“, beschreibt Plattner die Stimmung.
Anders sieht es im Okay aus, das bis zu 150 Gäste aufnehmen kann. Hier legt das Publikum mehr Wert auf Outfits, musikalisch läuft Reggaeton oder Techno. Allerdings ist der Laden seltener voll, denn die Disco kämpft mit hartnäckigen Vorurteilen: „Viele glauben fälschlicherweise, dass das Okay ausländerdominiert ist“, bedauert Plattner. Das spiegelt sich auch in den Stimmen der Feiernden wider: Während man sich im Martini zu Hause und wohlfühlt, machen viele um das Okay lieber einen Bogen.
Während im Martini vor allem deutschsprachige Südtiroler unterwegs sind, zieht das Okay eher italienischsprachiges Publikum an. „Der Italiener gibt mehr Geld für sein Outfit und sein Auftreten aus als für Alkohol. Er zahlt auch gerne Eintritt, um einfach zu tanzen“, beobachtet Isabel Conci. „Südtiroler challengen sich oft noch und schauen, wer mehr verträgt“, ergänzt Plattner. Dass insgesamt weniger getrunken wird, merken die beiden nicht. Vielleicht ein Glas weniger als noch vor ein paar Jahren, aber ein Trend zu weniger Alkoholkonsum ist das nicht.
Wirtschaftlich bleibt der Betrieb von Nachtlokalen dennoch eine Herausforderung. Steigende Auflagen, die Personalsuche und schwache Sommermonate belasten das Geschäft. Dazu kommt mangelnde Unterstützung der Behörden.
„Wir verkaufen sichere Unterhaltung. Das ist mein Leitmotiv und der Kern unserer Philosophie“, sagt Michael Plattner. Wer zu viel getrunken hat, unter Drogen steht, aggressiv auftritt oder unpassend gekleidet ist, der kommt erst gar nicht in den Club. Wer abgewiesen wird, sorgt vor dem Eingang jedoch oft für Unruhe. Lässt sich die Situation vor Ort nicht mehr beruhigen, schalten die Betreiber die Ordnungskräfte ein. Von der Quästur heißt es daraufhin sinngemäß: Rücken die Einsatzkräfte zu oft an, droht dem Club die Schließung. Für Plattner ist das unverständlich, schließlich versucht er nur, Ärger im Lokal gar nicht erst entstehen zu lassen.
Sicherheit hört für das Paar nicht an der Tür auf: Geht es einem Gast schlecht, kümmert sich das Team, reicht Wasser oder Cola, begleitet die Person an die frische Luft oder ruft im Zweifel den Rettungswagen. Doch genau dieses vorbildliche Verhalten kehrt sich gegen sie: Wer die Behörden zu Hilfe ruft, handelt sich manchmal noch mehr Probleme ein.
Die Rolle der Behörden
Der Paragraph 100 des italienischen Einheitstextes über die öffentliche Sicherheit (TULPS) macht den Clubbetreibern immer wieder das Leben schwer. Die Regelung besagt: Kommt es im öffentlichen Raum vor dem Lokal zu Vorfällen, die die Sicherheit gefährden, kann die Quästur den Betrieb schließen – selbst wenn die Beteiligten gar keine Gäste des Clubs waren.
Der Gesetzesparagraph stammt aus dem Jahr 1931 – eingeführt vom faschistischen Regime als Teil einer Zentralisierung der Sicherheitsgesetze. Über 90 Jahre später ist er immer noch in Kraft. Auch in Südtirol wird er eingesetzt: Allein von Mai bis Juni diesen Jahres gab es mindestens drei solcher Zwangsschließungen durch die Bozner Quästur – eine Diskothek in Schlanders, eine in Brixen sowie eine Bar in Bozen. Wie oft genau der Paragraph in den letzten Jahren zum Einsatz kam, bleibt allerdings unklar: Die Quästur wollte dazu keine genauen Zahlen mitteilen, eine entsprechende Anfrage der ff vom Juni blieb bis Redaktionsschluss unbeantwortet.
Doch wie bewertet die Branche selbst die Sicherheitslage? „Die Gewaltvorfälle verlagern sich zunehmend vor die Türen der Clubs. Drinnen sind die Leute gebildeter geworden“, beobachtet Marco Buraschi, Chef der privaten Sicherheitsfirma STS Security. Zwar gebe es nicht mehr Gewalt als noch vor 20 Jahren, die Art der Konflikte habe sich jedoch verändert. „Früher“, so Buraschi, „haben sich die Leute vom Dorf untereinander geprügelt. Heute ist es brisanter, mittlerweile sind auch Messer im Spiel.“ Vor dem Club Max in Brixen kam es im Juni zu Auseinandersetzungen, den Betroffenen wurde der Zutritt zum Club verwehrt.
Die Quästur schloss daraufhin den Club Max. Für Betreiber Felix Taschler unverständlich, schließlich wurde den Randalierern der Zutritt zum Club verwehrt. Ausgerechnet zum Zeitpunkt dieses Vorfalls sollte darüber hinaus das „School’s Out“-Event im Club Max stattfinden, eines der wichtigsten Events des Jahres. Man musste die Party absagen, der finanzielle Schaden war laut Taschler hoch.
„Es ist schwierig, so weiterzumachen“, fügt Taschler sichtlich resignieret hinzu – immerhin ist er seit 20 Jahren im Nachtclubgeschäft tätig. Den Sommer über bleibt der Club geschlossen. Taschler schließt nicht aus, dass er den Laden dauerhaft schließt.
Das harte Durchgreifen der Quästur verschärfe die Lage der Clubs in Südtirol, fasst es Sara Burger, Vorstandsmitglied des Südtiroler Jugendrings, zusammen. Den Betreiberinnen und Betreibern die alleinige Verantwortung zu übertragen, hält der Jugendring für falsch.
Junge Menschen brauchen Orte, an denen sie sich treffen, austauschen und gemeinsam ihre Freizeit verbringen können, findet Burger. Gefragt sind laut ihr sichere Begegnungsorte und vor allem eine bessere Anbindung durch mehr Nightliner-Busse.
Wie schwer das ist, zeigte eine Debatte Ende Juni im Landtag: Ein Grünen-Antrag, die Nachtbusse auch am Freitag fahren zu lassen – bisher verkehren sie nur an Samstagen –, wurde von der Landesregierung abgelehnt.
„Es geht den Jugendlichen nicht zwingend um immer mehr Großclubs, sondern um Orte direkt vor ihrer Haustür, wo sie unkompliziert feiern können“, erklärt Burger.
Genau solche Orte gewinnen zurzeit an Bedeutung.
Die anderen Orte
Laut der Ö3-Jugendstudie verlagert sich das Feiern der Generation Z zunehmend auf alternative Veranstaltungen. Dazu gehören etwa Tages-Events oder selbst organisierte Pop-up-Feste.
Das deckt sich mit den Erfahrungen Südtiroler Jugendlicher. Bei ihnen haben sich längst neue Routinen etabliert: der Aperitivo Lungo, die Feier im privaten Keller oder spontane Treffen im Freien.
Gut im Geschäft sind hier etwa Florian Weiss und Simon Ebner mit ihrer Veranstaltungsreihe „La Luna“. Seit Dezember 2024 organisieren sie jeden Monat ein Event, im Sommer häufiger. Die Eventlocations wechseln quer durchs Land – von Almen über Hotels bis hin zu Messen. Es sind Orte, die sich gut für Social Media eignen.
Der Fokus bei „La Luna“ liegt auf dem gemütlichen Beisammensein: ein Glas trinken und eine gute Zeit haben, ganz ohne Exzesse, viel Rauch oder Neonlichter. Die Events beginnen meist gegen 18 Uhr und enden um 1 Uhr. Gespielt wird Afro-House-Musik mit Ibiza-Vibe. Musik zum Genießen, keine Partysongs. Andere tauchen stattdessen lieber in die alternative Kulturszene ein, die in den letzten Jahren einen Aufschwung erlebt hat – oder flüchten sich in die Illegalität. Denn was im Kommen ist und immer mehr Zuspruch findet, sind Underground-Events oder illegale Partys, sogenannte Raves. Wobei heute auch legale Partys oft so bezeichnet werden: Die Organisatoren haben erkannt, dass dieser Begriff die jüngere Generation
anzieht.
Besonders in Italien gibt es eine große Szene für diese Art von Partys, meist selbst organisiert und ein Ort vor allem für junge Menschen links der Mitte. Diese Events erinnern stark an die 90er-Jahre: Social Media spielt kaum eine Rolle, vieles läuft über direkte Kontakte, Flyer oder geschlossene Telegram-Gruppen.
Für den Staat scheinen diese Räume freier Kultur eine Bedrohung zu sein. Eine der ersten Amtshandlungen der Regierung Meloni war das „Decreto Rave“: Den Organisatoren ungenehmigter Partys drohen teils jahrelange Haftstrafen. Dabei gebe es oft gar keine andere Möglichkeit, als die Partys illegal zu veranstalten, berichten Leute aus der Südtiroler Szene – die bürokratischen Hürden für offizielle Events seien zu hoch und der Aufwand enorm. Für die Jugendlichen ist es eine Flucht in einen Raum, in dem sie sich sicher und wohlfühlen können.
Aber auch auf legaler Seite gibt es immer mehr freie Kulturinitiativen. Vor zwei Jahren hat sich dazu die Interessengemeinschaft (IG) Freie Kultur gegründet – ein Zusammenschluss von über dreißig Vereinen, Organisationen und Kollektiven, die regelmäßig Partys und Events veranstalten. Miriam Obwexer ist eine der Initiatorinnen des Projekts. Sie betont: „Wir haben alle das gleiche Ziel: Raum für junge Menschen zu schaffen.“ Denn Nachtkultur sei eben auch Kultur – und müsse als solche geschützt werden.
Obwexer, auch Mitorganisatorin des „DingsDo“-Festivals, beobachtet, wie die Kluft zwischen den verschiedenen Ausgehmöglichkeiten immer weiter aufgeht, auch weil klassische Clubs langsam verschwinden.
Neben der freien Szene erleben etwa Dorffeste ein Comeback. Hier ist der Eintritt meist frei, das Umfeld vertraut und die Stimmung gesellig.
Das zeigt deutlich: Das Bedürfnis nach Gemeinschaft bleibt. „Wir wollen uns immer noch treffen und feiern“, fasst es ein Jugendlicher zusammen. Doch das Wie hat sich eben verändert.
Die Politik entdeckt die Nacht
Die Nachtkultur bekommt auch in der Politik einen immer höheren Stellenwert. Das anrüchige Image wurde langsam abgelegt und man hat erkannt, dass Feiern nicht nur zum Betrinken da ist. In Berlin ging man sogar so weit, dass die – dort sehr bekannte – Clubkultur zum immateriellen Kulturerbe erklärt wurde.
Es findet ein Paradigmenwechsel statt – auch in Südtirol. 2024 wurde im Landtag ein Beschlussantrag der Grünen-Abgeordneten Zeno Oberkofler, Brigitte Foppa und Madeleine Rohrer zur Förderung der Nacht- und Subkultur genehmigt. Es ging unter anderem um die Anerkennung dieser als „bedeutender sozialer und kultureller Faktor von Landesinteresse“. Konkret soll ein Nachtkulturplan entstehen, der etwa die Bürokratie bei Events abbaut sowie eine Vielzahl von Akteuren vernetzt und deren unterschiedliche Interessen vertritt – etwa zwischen Betreibern, Studierenden und Anwohnern. Schon bald soll er fertig ausgearbeitet sein.
Der grüne Landtagsabgeordnete und Erstunterzeichner des Antrags Zeno Oberkofler findet: „Die Nacht- und Clubkultur ist viel mehr als nur Feiern.“ Sie sei sehr wichtig, um für das Land attraktiv zu sein, vor allem für junge Leute.
Dieser Meinung ist auch Hannes Rabensteiner, Landtagsabgeordneter der Südtiroler Freiheit. Er sieht im mangelnden Angebot für junge Menschen auch einen Grund dafür, warum es viele ins Ausland zieht: „Dort existiert vielerorts noch ein intaktes Nachtleben. Bei uns ist es wie ausgestorben“, findet er. Positiv hebt Rabensteiner jedoch die ehrenamtlichen Vereine hervor: Ihre Sommerfeste gleichen das fehlende Angebot im ländlichen Raum zumindest teilweise aus.
Besonders ärgerlich findet Rabensteiner das Vorgehen der Behörden gegen Südtiroler Clubbetreiber und die drohenden Schließungen: „Die Sicherheitsorgane gehen den einfachsten Weg. Sie sperren dem Betreiber das Lokal zu, der wirtschaftlich davon abhängig ist und etwas zu verlieren hat.“
Dabei sei es die Aufgabe des Staates, für Sicherheit auf den öffentlichen Plätzen zu sorgen, und nicht die der Betreiber. Viele hätten laut Rabensteiner deshalb die „Schnauze voll“. Er fordert daher mehr Präsenz von Polizei oder Carabinieri an den Brennpunkten vor den Clubs.
Derzeit werde ein einvernehmliches Protokoll zwischen den Sicherheitskräften, dem Regierungskommissariat und den Diskothekenbetreibern ausgearbeitet, so Sicherheitslandesrätin Ulli Mair. Was in diesem Protokoll stehen wird, bleibt vorerst offen – genauso wie die Zukunft des Südtiroler Nachtlebens. Die Frage des „Wohin“ wird sich die Südtiroler Jugend wohl noch länger stellen.
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