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Gesellschaft & Wissen
Die Manager des Waldes
Weder Pflanzen noch Tiere: Pilze bevölkern die Erde seit Millionen von Jahren. Viele Menschen lieben sie – aber Achtung: Pilz ist nicht gleich Pilz.
Pilze sind nicht nur für die Natur unverzichtbar. Johanna Niederkofler, Museumsleiterin des Archeo-parc Schnalstal, erklärt anlässlich der Ausstellung „Die Kulturgeschichte der Pilze von Ötzi bis heute“: „Pilze begleiten den Menschen seit Jahrtausenden.“ Ötzi, der Mann aus dem Eis, trug bereits vor über 5.000 Jahren zwei Pilzarten bei sich. Einen Zunderschwamm, der mithilfe seiner glimmenden Eigenschaft zum Entfachen von Feuer genutzt wurde, und einen Birkenporling, über dessen Verwendung man sich nicht sicher ist.
Würde Ötzi heute durch die Ausstellung gehen, sagt Niederkofler, würde er sich bestimmt über die vielen Fragen und Erkenntnisse von heute wundern.
Zum Beispiel: Anders als Pflanzen können Pilze keine Fotosynthese betreiben. Sie müssen andere Wege finden, an Nährstoffe zu gelangen. Sie beziehen sie aus ihrer Umgebung – und sind dabei wahre Recyclingmeister der Natur. Sie zersetzen abgestorbenes Holz, Laub oder andere organische Stoffe des Waldes.
Manche Pilze leben auf geschwächten Pflanzen und Tieren und entziehen ihnen Nährstoffe. Wieder andere gehen eine enge Partnerschaft mit anderen Pflanzen ein, von der beide profitieren. Das feine Pilzgeflecht verbindet sich beispielsweise mit den Wurzeln eines Baumes und hilft ihm dabei, Mineralstoffe und Wasser aus dem Boden aufzunehmen. Im Gegenzug erhält der Pilz Zucker, den der Baum mithilfe der Fotosynthese herstellt.
Diese vielfältigen Lebensweisen bleiben meist im Verborgenen, denn der eigentliche Pilz, das feine Fadengeflecht genannt Myzel, breitet sich im Boden aus. Was wir im Wald sehen und sammeln, ist der Fruchtkörper. Dieser setzt winzige Fortpflanzungszellen frei, sogenannte Sporen, welche durch Luft, Wasser oder Tiere verbreitet werden.
Treffen sie auf geeignete Bedingungen, keimen sie und es entsteht ein feines Myzel. Verschmelzen zwei Myzelien unterschiedlicher Paarungstypen, kann ein Fruchtkörper entstehen – der Pilz, den wir im Wald entdecken.
Mensch und Pilz sind seit jeher eng miteinander verbunden. Historisch gesehen findet man sowohl große Faszination als auch starke Ablehnung gegenüber Pilzen, welche nicht nur Nahrungsmittel, sondern auch ein wichtiger Teil der menschlichen Lebenswelt sind. Bestimmte Pilze leben sogar im menschlichen Körper und helfen dabei, das natürliche Gleichgewicht aufrechtzuerhalten. Giftige Pilzarten oder gesundheitsschädlicher Schimmelpilz zeigen hingegen, dass sie auch eine Gefahr für den Menschen darstellen können.
Die vielfältige Bedeutung der Pilze für Mensch und Natur steht im Mittelpunkt der derzeitigen Sonderausstellung im Archeoparc. Sie beleuchtet ihre Geschichte in verschiedenen Epochen und wirft auch einen kurzen Blick in die Zukunft. Die Ausstellung lädt ein, genauer hinzusehen und zu verstehen, welche wichtige Rolle die oftmals unbeachteten Pilze in unserer Welt spielen.
Gerade weil die Pilze so wichtig sind, gibt es klare Regeln für einen verantwortungsvollen Umgang mit ihnen. In Südtirol ist das Sammeln nur an geraden Tagen, zwischen 7 und 19 Uhr erlaubt. Pro Person dürfen in der Wohngemeinde zwei Kilogramm, außerhalb ein Kilo Pilze gesammelt werden. Direkt am Fundort sollen Pilze grob gereinigt und in steifen, offenen, gut durchlüfteten Behältern transportiert werden. Danach gilt: kühl lagern, rasch verarbeiten und gut durchkochen. Denn viele Pilze enthalten hitzeempfindliche Stoffe, die sich erst nach 20 Minuten Kochen auflösen.
Trotz aller Vorsicht kann es zu Vergiftungen kommen. Sogenannte „unechte Pilzvergiftungen“ können durch verdorbene oder falsch gelagerte Pilze, Unverträglichkeiten oder zu große Mengen gegessener Pilze entstehen und sich in Bauchschmerzen, Übelkeit oder Durchfall äußern.
Deutlich gefährlicher sind „echte Pilzvergiftungen“. Diese entstehen durch giftige Pilze oder Giftstoffe, die beim Kochen nicht zerstört wurden. Nach wenigen Stunden oder auch erst nach einem ganzen Tag treten Beschwerden auf.
Deshalb gilt: nur Pilze sammeln, bei denen man sich sicher ist. Und bei Unsicherheit den mykologischen Dienst des Sanitätsbetriebes um eine Kontrolle bitten. Denn manche Speisepilze besitzen gefährliche Doppelgängerinnen.
Heidi Aufderklamm
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