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Kultur

Unsicheres Gelände

Aus ff 12 vom Donnerstag, den 19. März 2020

Ingo Schulze
Ingo Schulze ist ein Kenner ostdeutscher Zustände: Sein neuer Roman ist voll mit Figuren, Sprachfarben, Befindlichkeiten. © Archiv
 

Bestseller – Ingo Schulze: (gm) Der neue Roman von Ingo Schulze (57, er lebt in Berlin) hat eine komplexe Struktur, er erzählt die Geschichte des Büchermenschen Norbert Paulini aus mehreren Perspektiven. Paulini überlebt die DDR in seiner Bücherburg, einem Refugium der Andersdenkenden. Als 1989 die Mauer fällt, verliert Paulini seinen Schutzraum, er begegnet der Wende gleichgültig.

Doch Paulinis Leben nimmt unweigerlich eine Wende. Er radikalisiert sein Denken nach rechts. Er, der die Welt bisher nur aus der Warte der Literatur gesehen hat, wird politisch.

„Die rechtschaffenen Mörder“ (S. Fischer 2020, 320 Seiten, 23,10 Euro) ist ein fülliger Roman: drei Teile (Paulini, der in Dresden ein Antiquariat betreibt; ein Schriftsteller namens Schultze, der einen Roman über Paulini schreibt; die Lektorin des Autors auf den Spuren eines Mordes), viele Themen (Wiedervereinigung, die der Autor nie so nennen würde, Stasi, ignoranter Westen, finanzieller Ruin Paulinis), ein je nach Kapitel unterschiedlicher Erzählton, Figuren, die nach lebenden Personen modelliert sind.

Das ist gefällig und lesbar, trotz der eleganten Umständlichkeit, die Schulze, Kenner der ostdeutschen Befindlichkeiten, pflegt. In einem Zug ist der Roman weggelesen. Man liest, wie eine Gesellschaft sich verändert, verweigert, verschließt, überfordert ist, die Figuren, werden nie ganz deutlich. Doch man versteht, was die Menschen prägt: das Gefühl von Ungewissheit und Unsicherheit.

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