Kultur

„Wo sind die zornigen Frauen?“

„Ich habe die Anonymität gesucht“: Rosalyn D’Mello hat in Tramin einen Neuanfang gewagt. Mittlerweile weiß sie um lokale Sitten besser Bescheid als so ­mancher Einheimischer. © Ludwig Thalheimer
 

Von Delhi nach Tramin: Die Kunstkritikerin und Autorin Rosalyn D’Mello scheut sich nicht vor starken Meinungen. Ein Glück für unser Land.

Ein grauer Regentag in Bozen. Die Bahnhofshalle riecht muffig, nasse Menschen hasten umher, plötzlich steht sie da: ein offenes Lächeln, im kirschroten Sari mit blauem Rand, darunter eine gelbe Bluse mit Blumenstickerei. Und verflixt, sofort tappt man in die Klischeefalle: Der Farbtupfer im Einheitsbrei, der Hingucker im faden Jeans-und-T-Shirt-Gemenge.
Es würde Rosalyn D’Mello nicht gerecht – und sie macht der Exotisierung auch einen Strich durch die Rechnung: An ihren Füßen trägt sie nämlich – harter Schnitt – robuste Trekkingschuhe jener Marke, die Jugendliche

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