Leben

Techniker mit Humor

Thomas Pardeller ist der „Technische Delegierte“ Südtirols bei der Berufs-WM: „Die Vielfalt zeigt eindrucksvoll die Breite und Qualität der Südtiroler Berufsausbildung.“ © Handelskammer Bozen
 

In acht Wochen beginnt die Berufsweltmeisterschaft in Shanghai. Mit guten Chancen dabei ist auch Südtirol – und Thomas Pardeller, der seit Anbeginn die Fäden zieht.

Südtirol ging bei der Berufsweltmeisterschaft noch nie leer aus. Das Land ist seit 1997 bei den Worldskills vertreten, seitdem gab’s immer zumindest eine Medaille. Bei der letzten WM im französischen Lyon war es ein kompletter Medaillensatz: Gold, Silber, Bronze.
Und wie stehen diesmal die Chancen? „Nicht schlecht“, sagt Thomas Pardeller. Aber es werde tendenziell immer schwieriger zu gewinnen. Denn andere Länder holen auf, besonders China setzt alles daran, bei der Heim-WM ganz vorne mit dabei zu sein. Das Riesenreich hatte schon bei den vergangenen Ausgaben versucht zu glänzen. Von 22. bis 27. September in Shanghai will China allen zeigen, wie gut sein Berufsnachwuchs ist.
Aus Südtirol fahren zehn Männer und fünf Frauen nach Shanghai. Sie sind zwischen 19 und 24 Jahre alt und üben Berufe wie Friseurin, Maler, Landschaftsgärtnerin, Robot Systems Integration, CAD-Maschinenbaukonstrukteur oder Tischler aus. Sie sollen Sinnbild dafür sein, wie gut Südtirol seine Leute ausbildet. Und sie sollen, wenn möglich, wieder eine oder gar mehrere Medaillen mit nach Hause bringen.
Einer, der ihnen dabei hilft, ist Thomas Pardeller. Seit 29 Jahren steht er quasi an der Seitenlinie der internationalen Veranstaltungen und treibt die Jungen zu Höchstleistungen an. Der 63-Jährige ist auch diesmal wieder mit dabei, als „Technischer Delegierter von Worldskills South Tyrol Italy“.
Das klingt seltsam – und hat einen kuriosen Hintergrund. Weil Südtirol 1995 bei der Berufsweltmeisterschaft mittun wollte, jedoch nur Nationalstaaten dabei sein durften, brauchte es einen Sonderweg. Der war nicht ganz einfach zu beschreiten, führte am Ende aber zum Ziel: Südtirol trat der Organisation als Region bei, die sozusagen einen ganzen Staat vertritt.
Thomas Pardeller, 63, berichtet sachlich von solchen Dingen. Bei der Vorstellung der WM am Donnerstag vor einer Woche im sechsten Stock der Handelskammer in Bozen freute er sich besonders über die große Bandbreite. Sie reiche vom Handwerk über technische und digitale Berufe bis hin zum Tourismus.
„Diese Vielfalt zeigt eindrucksvoll die Qualität und Breite der Südtiroler Berufsausbildung“, sagte er vor versammelter Wirtschaftselite, darunter der zuständige Landesrat Marco Galateo oder Handelskammer-Präsident Michl Ebner. Diese Qualität und Breite mache Südtirols Delegation zu einer starken Botschafterin der heimischen Wirtschaft und Arbeitswelt.
Einige Tage später sitzt Pardeller ganz entspannt hinter seinem Bürotisch im Rathaus von Welschnofen. Er, von eher zierlicher Statur, trägt heute Jeans, blaues Hemd mit weißen Punkten und auf dem Kopf eine blaue runde Brille. Sein Haar ist kurz geschoren, an manchen Stellen schon ein
wenig licht.
Neben seinem Computer liegt eine schwarze Federkielbrieftasche, auf der Fensterbank steht eine Wasserflasche mit der Aufschrift „Worldskills“. Spricht er über die Berufsweltmeisterschaft, nimmt er immer wieder einen Kugelschreiber zur Hand und richtet ihn vor sich gerade auf dem Schreibtisch aus. Dann schiebt er ihn weg und wischt mit der Hand über die Tischplatte.
Seit mehr als einem Jahr ist Thomas Pardeller Bürgermeister von Welschnofen. Das kam damals ziemlich überraschend – auch für ihn. Auf diese Frage muss er herzlich lachen: „Überraschend?“ Das könne man wohl sagen. Er habe nie damit gerechnet, die Planung war eine ganz andere.
Eigentlich wollte er sich mehr um den eigenen Betrieb am Karersee kümmern. Dort betreibt er mit seiner Frau und zwei weiteren Partnern einen Kiosk samt kleinem Restaurant. Das Bürgermeisteramt bremste seine Mithilfe dort erheblich ein. Heuer, erzählt er, habe man personell aufgerüstet, damit der Laden laufe.
Und wie kommt er mit der Arbeit im Rathaus zurecht? Gut, antwortet er. Er habe kompetente und erfahrene Leute an seiner Seite, da lasse es sich arbeiten. Dabei muss er im Ausschuss ohne seine Bürgerlisten-Kolleginnen auskommen. Dort ist Pardeller, der Bürgerlistler, von SVP-Leuten umgeben. Auch im Rat hat die SVP die Mehrheit, die Bürgerliste kommt auf drei von fünfzehn Sitzen.
Ob das klappt? „Wunderbar“, heißt es sowohl vonseiten der SVP als auch von der Bürgerliste. Bürgermeister Pardeller sei kompetent und pragmatisch, er informiere alle Mitglieder des Gemeinderats zeitig. So lasse sich konstruktiv und gut arbeiten. Jede und jeder könne sich einbringen und mitgestalten. Außerdem sei er „sehr konfliktfähig“, eine Eigenschaft, die man als Bürgermeister gut brauchen kann.
„Ich kann über ihn nur Gutes sagen“, sagt jemand, der aus Arbeitsgründen viel mit ihm zu tun hat. Er sei ein Mann mit Handschlagqualität, einfach und unkompliziert im Umgang. Und sehr verlässlich.
„Der Thomas“, sagt eine andere, die ihn gut kennt, „ist nicht einer, der Probleme schafft.“ Vielmehr erkenne er mögliche Probleme und suche nach Lösungen. Das komme gut an. Überhaupt sei er ein sehr geselliger Mensch, er liebe es lustig und habe viel Humor. Daher sei er im Ort sehr beliebt.
Dass er lachen kann und Humor hat, zeigt sich beim Plaudern am Rathaustisch. Auf die Frage, ob er den bayerischen Kollegen gleichen Namens kenne, prustet er los. Ja, sagt er, der Bürgermeister von Neubiberg im Osten von München habe ihm geschrieben, als er im Mai 2025 selbst zum Bürgermeister gewählt geworden ist. Und er habe ihm geantwortet. Wie man das halt so macht – von Bürgermeister Thomas Pardeller zu Bürgermeister Thomas Pardeller.
Kurios: Wenige Monate später ist Thomas Pardeller, der Bürgermeister von Neubiberg wohlgemerkt, festgenommen worden. Weil er bei einer Polizeikontrolle in München mit 0,2 Gramm Kokain erwischt worden war. Er sprach von einer schweren Zeit, die er zuvor durchgemacht habe, und einem Fehler, für den er sich entschuldigte. Das kam offensichtlich sehr glaubwürdig herüber, denn: Im März dieses Jahres ist CSU-Mann Pardeller wiedergewählt worden.
Thomas Pardeller, der Welschnofner Bürgermeister, kann über solche Dinge schmunzeln. Und nein, sagt er, er sei mit dem bayerischen Namensvetter weder verwandt noch kenne er ihn persönlich.
Wichtiger ist ihm heute aber das Thema Berufs-WM. Sie gehe in weniger als acht Wochen los und es gebe noch einiges zu tun. Als technischer Delegierter ist er zuständig für die Fachleute, die die Kandidatinnen und Kandidaten begleiten. Sie bereiten sich derzeit akribisch auf den Wettbewerb vor, das nimmt viel Zeit in Anspruch.
Auch Thomas Pardeller investiert viel in die Worldskills. Als er damit angefangen hat, war er noch Direktionsassistent beim Landesverband der Handwerker (LVH). Später stieg er zum Vizedirektor unter dem damaligen Chef, dem SVP-Abgeordneten Hanspeter Munter, auf. 2011 löste er diesen schließlich als LVH-Direktor ab.
Er ist seinerseits vor zwei Jahren abgelöst worden von Walter Pöhl, der zuvor sein Stellvertreter war. Seitdem ist Thomas Pardeller in Rente. Ruhe gibt er trotzdem keine. Mit Walter Pöhl verbindet ihn eine gute Freundschaft. Vor 13 Jahren feierten die beiden gemeinsam eine Doppelhochzeit. Thomas heiratete seine Adriana, Walter seine Ramona (Prantner, die Büroleitern für Kommunikation und Marketing beim LVH). Sie meinte damals gegenüber ff: „Die gemeinsame Hochzeit war eine spontane Entscheidung. Wir haben viele gemeinsame Freunde, deshalb bot es sich einfach an. In die Flitterwochen fährt aber jedes Paar einzeln.“
Seine Frau und die beiden inzwischen volljährigen Kinder stehen hinter dem, was Thomas Pardeller heute tut. Denn Bürgermeister sein und die Berufsweltmeisterschaft in leitender Position begleiten – das ist beides sehr zeitintensiv.
Die Worldskills sind außerdem oft mit längeren Reisen verbunden. Wobei er dieses Pensum in der Zwischenzeit deutlich reduziert habe, sagt er. Denn früher war er in technischen Gruppen vertreten, die sich zweimal im Jahr getroffen haben. Das hat er sein lassen. Nichtsdestotrotz freut er sich auf Shanghai und die WM. Und vielleicht reicht es ja auch diesmal wieder für die ein oder andere Medaille. Thomas Pardeller wird jedenfalls alles Nötige dafür tun, damit das auch klappt. 

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Thomas Pardeller kam 1963 in Welschnofen zur Welt. Nach der Schule schloss er ein Studium der Wirtschaftswissenschaften in Innsbruck ab und nahm eine Stelle im Controlling-Bereich des Fensterbauers Finstral an. Von 1993 bis 2024 war er beim Landesverband der Handwerker (LVH) beschäftigt, zuerst als Direktionsassistent, dann als Vizedirektor und Direktor. Ruhe geben kann er trotz Pensionierung nicht. Er ist seit Mai 2025 Bürgermeister von Welschnofen – und bleibt weiterhin technischer Delegierter Südtirols bei den Worldskills. Pardeller ist verheiratet und Vater von zwei volljährigen Kindern.

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