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Leitartikel

Der Wolf im Menschen

Aus ff 36 vom Donnerstag, den 07. September 2017

 

Der Wolf bringt alle gegeneinander auf, einmal wieder. Dieses Mal stimmen auch der ­Landeshauptmann und der Landesrat in das Geheul mit ein. Muss das wirklich sein?

Seit der Wolf nach Südtirol zurückgekehrt ist, macht er die Menschen in seiner Nähe verrückt. Jeden auf seine Art. Und darum wird die Sache langsam kompliziert.
Da steht der Bauernbund und sagt, dass „sich traditionelle Almwirtschaft und die Präsenz von Wolf und Bär einfach nicht vereinbaren lassen“.
Da stehen die Tier- und Umweltschützer und warnen: „Wolffreie Zonen sind fachlicher Nonsens. Getötete Wölfe führen oft zu einem Ansteigen an Nutztierrissen.“
Da steht die Opposition und fordert die Landesregierung zum Handeln auf, sie fragt: „Wer urlaubt schon in den Bergen, in denen massenhaft Schafe von Wölfen gerissen werden?“
Da steht Chefredakteur Toni Ebner mit einem Kommentar auf Seite 1 seines Tagblattes und warnt: „Die Regierenden dürfen sich nicht hinter der EU-Bürokratie verstecken.“
Ja, und dann stehen da auch der Landeshauptmann und der Agrarlandesrat und sagen: „Die Wiederansiedlung von Bär und Wolf ist außer Kontrolle geraten: Uns reicht’s.“
Es gibt also die Antiwolftruppe und die Prowolftruppe. Jeder davon sieht in diesem Tier etwas anderes. Jeder hat etwas anderes mit ihm vor. Eines allerdings ist allen gemeinsam: Sie beherrschen das Wolfsgeheul perfekt.
Ganz neu ist das alles freilich nicht. Bereits in diesem Frühjahr waren Land und Leute in eine Art Wolfshysterie verfallen. Und bereits damals überreichten Bauernvertreter den politischen Vertretern einen Brief, in dem sie darauf verwiesen, dass das bisherige Wolfsmanagement kein Schutz für ihre Tiere sei. Wolle man Südtirols Berglandwirtschaft nicht aufs Spiel setzen, gebe es nur eine Lösung: ein wolffreies Land.
Über ein halbes Jahr ist seitdem vergangen. Und wir stehen immer noch auf demselben Fleck. Der erneute Zorn der betroffenen Bauern ist also mehr als verständlich. Jedoch sollte mit dem Thema nicht auf diese wölfische Art jetzt schon, ein Jahr vor den Landtagswahlen, Wahlkampf gemacht werden. Klar, Wahlen gewinnt man mitunter mit Emotionen. Und das Thema Wolf weckt sehr viele Emotionen. Aber wie wäre es mit sachlicher Debatte anstatt öffentlicher hysterischer Erregung, Unterstützung bei der Umsetzung der vorgesehenen Präventionsmaßnahmen statt leerer Versprechungen, einer gemeinsam erarbeiteten langfristigen Strategie statt politischer Kurzschlussreaktionen?
Es mag auf den ersten Blick beeindrucken, wenn sich der Landeshauptmann und der Agrarlandesrat im Tagblatt ablichten lassen mit locker aufgekrempelten Ärmeln, die Hände kampfbereit in die Hüfte gestemmt, und das alles vor der Südtirol-Fahne. Das Land steige aus den Projekten „Life Ursus“ und „Life Wolf Alps“ aus, vermelden die zwei. Auch starte man eine Offensive sowohl in Rom als auch in Brüssel. Weil: Das Ganze sei „definitiv außer Kontrolle geraten“.
Die zwei vergaßen zu erwähnen, dass das Südtirol nur Unterstützer, nicht aber Partner der Projekte „Life Ursus“ und „Life Wolf Alps“ ist. Unterstützung bedeutet in diesem Fall, dass man zwar die Ziele des Projektes teilt, jedoch keine EU-Finanzierung dafür erhält. Ein Partner des Wolf-Projektes war bis vor Kurzem noch der Nationalpark Stilfser Joch, die EU-Gelder, die er dafür erhalten hatte, waren jedoch minimal. Abgesehen davon läuft das Projekt im Frühjahr nächsten Jahres sowieso aus.
Der angekündigte Ausstieg ist zwar ehrenhaft, bedeutet in der Substanz jedoch nicht viel und kann unter der Rubrik „Symbolpolitik“ abgeheftet werden. Derlei politisches Jaulen zeugt weniger von Selbstbewusstsein denn von Nervosität, ja, vielleicht auch Hilflosigkeit.
Schon klar: So funktioniert politische Kommunikation. Es reicht nicht immer, fachlich fundiert zu diskutieren. Die Politik muss ihre Botschaften zugleich zum Klingen bringen – mit Signalen, die die Bürger beruhigen sollen: Das Land packt das Wolf-Problem an, nimmt unsere Ängste ernst. Eines aber nimmt der Bürger und Wähler noch deutlicher wahr als die starken, knappen Botschaften: Ob die angekündigten Lösungen etwas taugen oder nicht. Denn der Bürger ist ja nicht blöd.

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