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Leitartikel

Die Wartelisten-Medizin

Aus ff 37 vom Donnerstag, den 14. September 2017

Zitat
© ff
 

Der Sanitätsbetrieb feiert sein zehnjähriges Bestehen. Aber zum Jubeln ist nicht allen zumute.

Der Sommer ist vorüber, und es wird langsam Herbst. Der Sanitätsbetrieb versucht, sich dagegenzustemmen: Ein Jubelmarathon zum zehnjährigen Geburtstag des Betriebes soll den vergilbten Glanz von alten Sommertagen noch einmal spiegeln. Zu acht Veranstaltungen, verteilt auf drei Wochen, lädt der Betrieb alle seine Mitarbeiter ein – zur „Inspiration“ gewissermaßen. Es referieren unter anderem Alex Schwazer, Armin Zöggeler und Erwin Brunner, es geht um Themen wie „Einfach weitergehen“, „In der Ruhe liegt die Kraft“ oder „Die Kraft der Bilder“. Das ist eine schöne Sache. Eigentlich.
Die ersten zehn Jahre des einheitlichen Sanitätsbetriebes waren ja auch keine einfachen. Mit Geschrei und Gejammer wurde er gegründet und mit vielen Achs und Wehs hat er sich über die Jahre geschleppt. Angelehnt an James Bond – und freilich das Gründungsjahr 2007 – hat man die Feierlichkeiten unter das Motto „007“ gestellt. Genau so smart, cool und furchtlos wie der „echte“ Bond ist das Geburtstagskind allerdings nicht. Auch bei der Mission hapert es noch. Selten vergeht eine Woche, in der nicht über die Schwächen und Gebrechen des Sanitätsbetriebes geschrieben wird. Die Berichte und Kommentare fallen auf den Betrieb wie welkes Laub.

Ein aktuelles Beispiel gefällig? Schon lange ist es das erklärte Ziel der Gesundheitspolitik und des Sanitätsbetriebes, die Wartelisten zu verkürzen. Entgegen landläufiger Meinung sind die langen Wartezeiten aber keine Kinderkrankheit des jungen Betriebes, sondern mittlerweile schon chronisch. Ein Blick ins Archiv zeigt, dass es schon unter Gesundheitslandesrat Otto Saurer massive Kritik an zu langen Wartezeiten gab. Bereits damals, Ende der 90er Jahre, wurden als Gründe unter anderem die mangelnde Filterfunktion seitens der Hausärzte genannt, die „fehlende ­Koordination unter den Krankenhäusern“ und die „fehlende interne Kommunikation“. Seitdem wartet man und wartet und wartet.
Im Jahr 2009 stellten die Freiheitlichen eine entsprechende Anfrage im Landtag. Darin heißt es unter anderem: „Die Landesregierung hat seinerzeit angekündigt, mit der Schaffung eines einzigen Sanitätsbetriebes und eines einheitlichen Vormerksystems würden auch die Wartezeiten spürbar verkürzt. Eingetreten ist das Gegenteil.“ Interessant die Antwort des damaligen Gesundheitslandesrates Richard Theiner: Er sei „nicht glücklich“ über die langen Vormerkzeiten und beschäftige sich „intensiv“ mit dem Abbau. Es sei das Ziel, „akzeptable Vormerk- und Wartezeiten sicherzustellen“, und man werde dieses „mit allen Kräften erreichen, und das landesweit“.
Im Jahr 2011 beschloss die Landesregierung gar einen Landesplan zur Eindämmung der Vormerkzeiten. Das hehre Ziel: 90 Prozent aller aufschiebbaren Leistungen in den Spitälern müssen innerhalb von 60 Tagen durchgeführt werden.
Viele schöne Worte und Pläne, aber die Wirkung lässt auf sich warten. In den seit damals acht vergangenen Jahren gab es zig Anfragen diverser Parteien im Landtag zum Thema – und zig ähnliche Antworten seitens der Regierung. Generaldirektor Thomas Schael reihte sich demnach nur in eine lange Reihe von Verantwortlichen ein, als er im vergangenen Jahr damit begann, den Wartezeiten den Kampf anzusagen. Vermutlich wird auch er nicht viel ausrichten können, solange die Strategie nicht klar ist.
Noch zu Jahresbeginn kündigte er an, all ­jenen Krankenhausärzten die private Tätigkeit einzuschränken (gerade einmal drei Stunden pro Woche!), auf deren Abteilungen die Patienten mehr als zwei Monate auf eine Visite warten müssen. Vergangene Woche nun ließ Gesundheitslandesrätin Martha Stocker wissen, sie sei sehr wohl für eine Ausweitung der privatärztlichen Tätigkeit. Damit könne man die Ärzte im Land halten und die Arbeitsplätze attraktiver machen. Der Generaldirektor seinerseits kündigte zeitgleich an, 25 Fachärzte einzustellen und auch das mit der einheitlichen Vormerkrufnummer endlich in die Wege zu leiten, bislang gibt es ja immer noch vier – trotz einheitlichem Betrieb.
Na ja, mal sehen, was sonst noch alles passiert. Zum 10-jährigen einheitlichen Geburtstag gibt es auch Vorträge zum Thema „Zurück in die Spur“, „Ziele erreichen“ und „Purer Erfolg“. Das könnten ja alle auch treffende Leitsprüche für die nächsten zehn Jahre sein. Ansonsten ist es wohl wie bei Samuel Becketts „Warten auf Godot“: Die Hoffnung stirbt zuletzt.

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