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Leitartikel

Die gute Nachricht

Aus ff 02 vom Donnerstag, den 11. Januar 2018

Zitat
© ff
 

Der Malser Bürgermeister Ulrich Veith hat es wieder getan: Kritik an der herkömmlichen Landwirtschaft geübt. Darf er das? Er darf. Gut, dass es in Südtirol Leute gibt, die sich nicht den Mund verbieten lassen.

Ulrich Veith hat es wieder getan. Der Malser Bürgermeister hat sich nicht an die Alles-ist-gut-Werbelinie des Landes Südtirol und der IDM gehalten. In einem superkurzen Interview auf den vermischten Seiten von Geo Saison hat er davon abgeraten, zwischen Apfelbäumen wandern zu gehen: „Die Gifte schaden nachweislich unserer Gesundheit.“
Das ist natürlich lästig, dass das Thema Pestizide wieder auf den Tisch kommt, nachdem Politiker und Bauernbund verzweifelt versucht haben, es kleinzureden. Was erlaubt sich eigentlich Veith? Nach dem Schiebel mit seinem Film und seinem Buch über „Das Wunder von Mals“ nun wieder der Veith. Dieser unsichere SVP-Kantonist, der in seiner Gemeinde ein Pestizidverbot durchgesetzt hat und, trotz innigen Zuredens, Drohens und Gerichtsverfahren, nicht davon ablassen will.
Es gibt in Südtirol tatsächlich ein paar Leute, die sich nicht biegen lassen. Das ist eine gute Nachricht.
Thomas Aichner, der Kommunikationschef der IDM, der Südtirol schön verpacken und schön reden muss, und Marco Pappalardo, der Kommunikationsbeauftragte des Landes Südtirol, haben ob des Interviews von Veith wahrscheinlich einen Ausschlag bekommen. Verständlich: Schließlich geben sie viel Geld aus, um Südtirol in italienischen und deutschen Medien günstig zu platzieren. Eigene Agenturen „helfen“, so die Sprachregelung, den Redaktionen bei der Themenfindung. Besser als schöne Werbung ist schließlich ein schöner Artikel. Und darin soll am besten nicht vorkommen, dass Südtirol auch das Land der Apfelmonokulturen ist, die sich mittlerweile von Mals bis Salurn ohne Unterbrechung durch das Etschtal erstrecken. Oder man soll sie wenigstens in der Blüte zeigen und nicht wenn die Bauern mit dem Spritzpanzen durch die Reihen fahren, die schön strammstehen. Südtirol ist schön, aber muss man des­wegen die weniger schönen Seiten wegreden? Die Obstwiesen, auf denen flächendeckend Pestizide ausgebracht werden, der Verkehr, der Mensch und Natur belastet, der Verbrauch von Natur und Landschaft. Die Werbung darf, aber Politiker und Medien? Nein, sie haben einen anderen Auftrag als die Werbe- und PR-Strategen.
Ulrich Veith hat eine dieser weniger schönen Seiten offen benannt. Darf er das? Er muss. Das ist nicht nur sein (unser) gutes Recht, sondern sogar seine (unsere) Pflicht: Missstände zu benennen und aufzuzeigen. Nur so lässt sich Veränderung anstoßen – der Bauernbund renommiert ja jetzt plötzlich mit seinem Biokonzept für die Südtiroler Landwirtschaft. Davon war vor der Pestizid-Debatte noch kaum etwas erkennbar.

Würde so einer wie Veith sich biegen lassen, wäre Südtirol nicht nur das Land der Heiligen, sondern der Scheinheiligen. Und der Maulkorb­erlässe – vor ein paar Wochen hat es Bischof Ivo Muser getroffen, der vor der Spaltung der Gesellschaft durch den Doppelpass warnt, jetzt Ulrich Veith. Doch so leicht geht es nicht mehr, jemanden zum Schweigen zu bringen, mögen sich Schuler & Co. noch so darum bemühen. Im Gegenteil. Schon der Versuch, die freie Meinungsäußerung zu beschneiden, wird zum Bumerang – erst die Reaktion auf das kleine Interview von Veith hat das Interview groß gemacht. Die Kommunikationsprofis haben sich bisher beim Thema Pestizid nicht sonderlich geschickt verhalten, Sprechverbote und Klagen sorgen zudem nicht für gutes Ansehen. Bauernbund und Touristiker sollten sich ehrlich fragen, welches Image das Band der Apfelbäume im Etschtal bei Touristen und Einheimischen hat. Hat Veith vielleicht ausgesprochen, was viele von ihnen denken: Unter Apfelbäumen ist nicht gut wandern.
Gut ist jedenfalls, dass er es ausgesprochen hat. Leute, die Mut haben und ihre Meinung sagen, muss man unter Artenschutz stellen.

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