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Leitartikel

Alptraum Olympia

Aus ff 08 vom Donnerstag, den 22. Februar 2018

Zitat
© FF-Media
 

In Pyeongchang erleben wir derzeit, was Olympia nicht sein soll: gigantomanisch, stimmungslos, von Nachhaltigkeit keine Spur. Die Europaregion Tirol könnte das Kontrastprogramm dazu bieten.

Pierre de Coubertin hatte einst eine wunderbare Idee: alle vier Jahre ein Fest für die Jugend der Welt. Als Ziele gab der Pädagoge und Gründervater der Olympischen Spiele körperliche Fitness, moralische Festigung und soziale Eingliederung aus. Das Motto: Dabeisein ist alles.
In Pyeongchang erleben wir, wie diese wunderbare Idee in ihr Gegenteil verkehrt worden ist. Wie in Sotschi 2014 werden auch in Südkorea wieder gigantische Summen für die Wettkampfstätten ausgegeben, die willkürlich in den Berg gepflanzt wurden. Sie kosten mindestens 8,3 Milliarden Euro, am Ende wird es wohl deutlich mehr sein.
Auch von Nachhaltigkeit ist in Pyeongchang keine Spur. Viele Wettkampfstätten werden nach den Spielen nutzlos herumstehen, das eigens gebaute Olympiastadion reißt man wieder ab. Es hat über 60 Millionen Euro gekostet – und beherbergt lediglich die Eröffnungs- und die Schlussfeier.
Und dann die Stimmung in Südkorea. Bei so manchem Vereinsrennen im Sarntal ist – ohne den Sarnern zu nahe treten zu wollen – mehr los als in Pyeongchang zum Beispiel bei der Königsdisziplin des alpinen Wintersports, der Abfahrt. Als Aksel Lund Svindal, Kjetil Jansrud, Beat Feuz oder Dominik Paris im Ziel abschwenkten, ernteten sie ein paar höfliche Klatscher. Mehr aber auch nicht.
Olympia ist nicht mehr wunderbar, sondern für viele ein Alptraum oder zumindest ein Ärgernis. Auch für die Mehrheit der Tiroler. Im Oktober stimmten 53 Prozent gegen eine Bewerbung für die Winterspiele im Jahr 2026.
Das ist auf der einen Seite konsequent. Aber auf der anderen Seite auch schade. Denn wo, wenn nicht in den Alpen, der Heimat des Wintersports, sollen Olympische Winterspiele stattfinden? In Peking, wo das Sportfest in vier Jahren angesetzt ist? Dort, das darf man jetzt schon befürchten, wird nach Sotschi und Pyeongchang noch eins draufgesetzt.
Das wäre eine echte Chance für die Europaregion Tirol. Hier, zwischen Kufstein und dem Gardasee, braucht keine einzige Wettkampfstätte neu gebaut zu werden. Es gibt alles schon.
Skipisten in Kitzbühel, Gröden, Alta Badia und Madonna di Campiglio, Biathlon-Hochburgen in Antholz und Hochfilzen, Skisprungschanzen in Innsbruck und im Fleimstal, Snowboard-Parcours am Karerpass und auf der Seiser Alm, Langlaufloipen in Toblach, Seefeld und im Fleimstal, Eisstadien in Innsbruck und Bozen, ein Eiskanal in Igls, ein Eisring auf dem Ritten. Besser geht es kaum.

Es kommt auch nicht auf schiere Größe an. Lieber klein und stimmungsvoll als gigantomanisch und lau. Viele Menschen sehnen sich nach Echtheit, Ursprünglichkeit und, wenn man so will, auch nach Nachhaltigkeit – obwohl man dieses Wort bald nicht mehr hören kann.
Nachhaltig müsste vor allem die Mobilität werden. Aber Arno Kompatscher & Co. wollen ohnehin den öffentlichen Verkehr ausbauen, Zügen, Trambahnen und Bussen die Vorfahrt
geben.
Mit dem Brennerbasistunnel soll es ab 2027 möglich sein, in 45 Minuten von Bozen nach Innsbruck zu fahren.
Das sind gute Voraussetzungen.
Auch für die Europaregion Tirol. Das blutleere Gebilde würde endlich mit einem Inhalt gefüllt. Oder um es mit den Worten des Landeshauptmannes zu sagen: Die ersten „Grünen Spiele“ in der Geschichte von Olympia ließen jene Bilder in den Köpfen der Menschen entstehen, die dem politischen Projekt bislang fehlen.
Pierre de Coubertins wunderbare Idee würde weitergesponnen: Die Spiele in der Europaregion wären dann nicht mehr größer, höher und teurer, sondern ein Fest für Jung und Alt, für Frauen und Männer, für Einheimische und Gäste.
Der Welt könnte man ohne Übertreibung sagen: Endlich kommt der Wintersport wieder nach Hause! 

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