Leitartikel

Gesucht: Ideen, Kandidaten

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Wie konnte es so weit kommen, dass die Landtagswahl nicht ein Wettstreit der Qualifiziertesten und Kompetentesten ist, sondern ein mühevolles Aufsammeln von Leutchen, die sich betteln lassen? Will die Volkspartei Grillo & Co. nachäffen?

Verzweifelt gesucht: Ideen, Programme, Kandidaten. Wem ein Lichtlein aufgeht, kann, soll es sagen: per Brief, E-Mail, auf Facebook, ein knappes Whatsapp tut’s auch.
Als ich das hörte, musste ich lachen, dann schlucken: Was ist mit der Volkspartei los, dass sie zu diesen Mitteln greifen muss? Was ist bloß mit unserer Demokratie los? Ist ein Sitz im Südtiroler Parlament – zur Erinnerung: der Landtag – dermaßen uninteressant geworden, dass potenzielle Kandidaten auf Knien gebettelt werden müssen – und diese dann trotzdem sagen: Nein danke, habe Besseres zu tun?
Der Hinweis auf die Politikverdrossenheit genügt nicht: Eine Sache ist es, wenn immer mehr Menschen nicht von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen. Etwas ganz anderes ist es, wenn die größte Partei des Landes Mühe hat, 35 Leute zu finden, die es schön, interessant, ja sogar ehrenvoll finden, die Zukunft Südtirols zu gestalten.
Der Landeshaushalt umfasst rund 5 Milliarden Euro. Würde es sich um ein privates Unternehmen handeln, die Leute würden Schlange stehen, um eine Spitzenposition zu bekleiden. Nur die Besten der Besten würden zum Zug kommen. Auf die Frage, was ihr Job ist, würden die wenigen Glücklichen sagen: Ich bin Manager in einem 5-Milliarden-Euro-Konzern. Wer das hört, dem würde es aus Respekt und Bewunderung den Atem verschlagen.
Im Südtiroler Landtag heißen die Manager Landtagsabgeordnete. Obwohl es alles andere als einfach ist, in den Landtag zu kommen (immerhin müssen einige Tausend Wähler überzeugt werden, den betreffenden Namen auf einen Stimmzettel zu kritzeln), zeigt sich niemand beeindruckt, wenn er vor einem Landtagsabgeordneten steht. Mehr noch: Der Ruf der Landtagsabgeordneten ist unten durch, aus einem Titel ist fast schon ein Schimpfwort geworden. Na ja, heißt es, jetzt sitzt er (oder sie) am Trog.
Was ist schiefgelaufen, dass es so weit gekommen ist? Wie lässt es sich erklären, dass die Landtagswahl nicht ein Wettstreit der Besten der Besten ist, nicht ein begehrtes Ziel der Qualifiziertesten und Kompetentesten unter unseren Landsleuten, sondern ein mühevolles Aufsammeln einiger weniger, die sich letzten Endes überreden lassen – sozusagen in Gottes Namen oder um der Partei einen Gefallen zu tun?
Lieber Achammer: Wenn die SVP auf solche Methoden zurückgreift, um Ideen und Kandidaten zu finden, könnte man es als moderne, zeitgemäße Form der Politik schönreden. Nach meiner Meinung ist es weder modern noch zeitgemäß, sondern das letzte Auszappeln der letzten noch verbliebenen Volkspartei mit einer (einst) kapillaren Verwurzelung in der Bevölkerung.
Will man es tatsächlich machen wie die 5-Sterne-Bewegung? Die hat weder Orts- noch Bezirksausschüsse, also auch keine Gremien, in denen auf mühsame, aber halt demokratische Art Beschlüsse gefasst und Spitzenexponenten geformt werden. Bei Grillo & Co. erledigen das Marketingspezialisten. Die wissen, was Wähler hören wollen: im Süden das, im Norden jenes.
Ein lustiges Beispiel: Für die Regionalratswahl in Aosta am kommenden Sonntag waren die letzten Flugblätter schon gedruckt. Sie versprachen „Ehrlichkeit und Transparenz“. Dann kam die Order aus der römischen Zentrale: He Leute, in Aosta wollen die Leute etwas anderes hören. Dort interessiert nur die Autonomie! Prompt wurden neue Flugblätter gedruckt.
Populisten erkennt man nicht am Lärmpegel ihrer Stimmbänder. Populisten sind jene, die den Leuten nach dem Maul reden. Ein Populist ist das exakte Gegenteil – zum Beispiel – eines Silvius
Magnago. Dem wäre es nie und nimmer eingefallen, in den Wald hineinzurufen, um je nach Echo für die Selbstbestimmung oder für die Autonomie zu sein. Magnago war eben altmodisch: Er hörte auf Werte, nicht auf PR-Fritzen.
He Leute, möchte ich Richtung Brennerstraße rufen, erinnert euch doch an eure Stärken. Und lasst nicht zu, dass der Landtag zu einem Parkplatz für Leutchen wird, die in einem privaten Unternehmen keine Chance hätten.

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