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Leitartikel

Ein Tag für alle

Aus ff 27 vom Donnerstag, den 05. Juli 2018

Zitat
© FF-Media
 

Warum den Sonntag schützen? Weil es nicht nur um Religion geht, sondern um einen zentralen Wert von Gemeinschaft.

Landeshauptmann Arno Kompatscher hat einen Brief geschrieben. Adressat ist der italienische Minister für Arbeit, Luigi Di Maio, und Kompatscher regt darin an: Di Maio solle seine Ankündigung, die Monti-Regelung zu den Ladenöffnungszeiten zu überprüfen, auch einlösen.
Im Jahr 2011 hatte der damalige Ministerpräsident Mario Monti per Dekret die Öffnungszeiten liberalisiert – „Salva Italia“ hieß es. Es war ein Dekret, das das Autonomiestatut aushebelte. Die Sozialdemokraten in der Regierung änderten an dieser Handelsregelung nichts. Jetzt will es nun dieser 5-Sterne-Minister richten. Bereits in der vergangenen Legislatur hatte die Fünfsternebewegung einen Gesetzesentwurf gegen diese Liberalisierung eingebracht.
Landeshauptmann Kompatscher ist zuversichtlich, dass auch der Vorschlag, dass Südtirol und das Trentino den Rahmen für die Ladenöffnungszeiten selbst festlegen, wieder aufgegriffen wird. Vor drei Jahren schon legte man dafür den Entwurf für eine entsprechende Durchführungsbestimmung vor.

Das Vorhaben, den Sonntag zu retten, ist zweifellos unterstützenswert. Es gibt gute Gründe, sich gegen ein Shoppen rund um die Uhr zu wehren. Es geht dabei nicht nur um den „Tag des Herrn“, nicht nur um Religion und Tradition. Man muss gar nicht religiös sein, um den arbeitsfreien Sonn- und Feiertag zu schätzen. Es geht hier vor allem um eine soziale Errungenschaft und um einen zentralen Wert von Kultur.
Der Sonntag ist mehr als ein freier Tag für den Einzelnen. Der Sonntag ist anders als ­andere Tage, er ist ein Fixpunkt der Woche. Ja, es mag pathetisch klingen, aber die Frage nach den Öffnungszeiten ist auch eine Frage nach dem guten Leben. Und: Gemeinsame Zeiten halten die Gesellschaft zusammen.
Die übertriebene Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten schade den kleinen Betrieben, sagt Landeshauptmann Kompatscher. Das Gleichgewicht zwischen unternehmerischer Freiheit sowie sozialen und kulturellen Tätigkeiten werde empfindlich gestört. Seine Forderung – auch im Brief an Minister Di Maio: die Übertragung der Kompetenzen für die Öffnungszeiten im Handel an die autonomen Provinzen Bozen und Trient. Südtirol, sagt Kompatscher, könnte zu einem Vorreiter werden und zeigen, dass sich die Wirtschaft unter Berücksichtigung der Bedürfnisse aller Beteiligten gut entwickeln könne.
Nun gut. Wollen wir mal nicht so sein und an dieser Stelle nicht den südtirolerischen Vorreiter-Ehrgeiz kommentieren. Ob man will oder nicht, es gibt ganz offensichtlich einen Zusammenhang zwischen Arbeit und Muße, zwischen Rentabilität und Menschlichkeit. Wer das immer noch nicht begriffen hat, träume ruhig weiter.
Jobs im Einzelhandel sind oft hart und noch dazu schlecht bezahlt. Jene, die sagen, so seien eben die Zeiten, heute müsse man flexibel sein, machen es sich zu leicht. Eine Gesellschaft sollte sich Zeiten leisten, in denen die allgemeine Hektik und Geschäftigkeit gebremst wird. Eine Gesellschaft braucht Zeiten, in denen es nicht in erster Linie um Konsum und Gewinn geht, sondern in denen sich der Einzelne auch als Bürger entfalten kann.
Viele versprechen sich von geöffneten Geschäften auch an Sonn- und Feiertagen doch tatsächlich ein weniger hektisches Einkaufen. Aber wie bitte soll man entspannen, wenn der Trubel um einen herum nie Pause macht?
Für den Schutz des Sonntages ist nicht nur der Einsatz der Politik nötig. Die Bürger müssen sich selbst darauf besinnen, wie wertvoll dieser Tag ist.

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