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Leitartikel

Buntes Spektakel

Aus ff 29 vom Donnerstag, den 19. Juli 2018

Zitat
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Paul Köllensperger bringt mit seiner neuen Liste Schwung in den politischen Kampf. Noch gibt es viele Ungewissheiten. Aber gerade das macht die Sache ja reizvoll.

Gelb ist eine eher unbeliebte Farbe. Vielleicht weil sie nicht vielen Leuten steht. Vielleicht aber auch weil sie – symbolisch betrachtet – mit Neid und Verrat in Verbindung gebracht wird. Seit dem Mittelalter zum Beispiel war Gelb auch die Farbe der Außenseiter, der Geächteten: Prostituierte oder Juden wurden mit dieser Farbe stigmatisiert.
Gelb jedoch ist auch die Farbe des Lichts und der Sonne. Sie gilt als Farbe der Erkenntnis, der Kommunikation und der Lebensfreude. Und – rein modisch betrachtet – avanciert die No-go-Farbe in diesem Sommer sogar zum Farbtrend.
Zugegeben: Paul Köllensperger hat sich sicher nicht mit Farbpsychologie beschäftigt, als er sein neues Parteilogo entworfen hat. Dennoch fällt die Farbe Gelb auf im parteipolitischen Spektrum. Schwarz, Blau, Grün, Rot kennt man ja, das sind gewissermaßen die elementaren Orientierungsfarben in der politischen Öffentlichkeit. Sie markieren gewisse ideologische, weltanschauliche Positionen. Durch Farben wird also auch in der Politik vieles visualisiert.
Gelb hat bislang keine der Südtiroler Parteien getragen. Es ist eine völlig neue Farbe in unserem Politfarbenspektrum. Damit positioniert sich Köllensperger – optisch betrachtet – schon mal klar gegenüber den traditionellen Parteien. Der 47-Jährige und sein gelbes Parteilogo sorgen für eine neue Buntheit im Land, nicht nur optisch, sondern vor allem auch inhaltlich.
Dass die politischen Konkurrenten dafür keine Jubel- und Lobesworte übrig haben, liegt in der Natur der Sache. Da ist die Rede von „Etikettenschwindel“, „politischer Blackbox“, viele stellen die Glaubwürdigkeit des einstigen Fünf-sterneabgeordneten infrage, sagen, er „täusche“ die Wähler. Dahinter steckt nicht nur das übliche parteipolitische Hickhack, sondern es zeugt auch von Nervosität und Unsicherheit.
Weil: Paul Köllensperger wird mit seiner Liste in allen parteipolitischen Teichen fischen – abgesehen am ehesten vielleicht von jenem der Südtiroler Freiheit. Der Bozner hat sich das Image eines Antipolitikers aufgebaut. Er will etwas mehr Vielfalt und Buntheit in die verfilzte Monokultur Südtirols bringen, er will den Unmut über die etablierten Parteien auffangen. Das hat er bislang als Fünfsternevertreter gemacht, künftig will er es also als „Bürgerlistler“ versuchen.
Er folgt dem Zeitgeist, der nicht rechts oder links denkt und der gegen „die da oben“ ist. Er ist nicht der Politiker-Typ à la Sebastian Kurz, Emmanuel Macron oder Christian Lindner. Er ist ein ruhiger, überlegter und sachlicher Typ, er hat das Understatement zu seinem Erfolgsfaktor gemacht. Er hat es geschafft, sich zu einer Marke zu machen, die für mehr steht als die langjährige Zugehörigkeit zur Fünfsternebewegung.

Köllenspergers Entscheidung war ein mutiger und konsequenter Schritt. Sie bringt Spannung in den politischen Kampf. Er hatte versucht, mit den nationalen „Grillini“ ein Übereinkommen für eine autonomere Südtirol-Liste zu finden. Ohne Erfolg. Freilich: Den Beweis, dass er nach der Wahl nicht doch wieder zu den Fünf Sternen hinüberwandert, bleibt er vorerst schuldig.
Für eine nationale Bewegung sei es schwierig, gute deutschsprachige Kandidaten aus dem ländlichen Raum zu finden: So sagte das Paul Köllensperger vor rund vier Monaten gegenüber diesem Magazin. So argumentiert er unter anderem auch seinen Schritt hin zum „Team Köllens­perger“ und weg von den Fünf Sternen. Er sagte damals auch, dass er „glaubwürdige, unbelastete Kandidaten“ suche, und dass man „kein politischer Recyclinghof“ sei. Seine Glaubwürdigkeit wird sich auch daran messen lassen, wie sich seine Liste zusammensetzen wird. Vom „Team“ selbst hat man ja noch nichts gesehen. Will er künftig wirklich „mitregieren“, wie er selbst sagt, wird er nicht nur attraktive und glaubwürdige deutschsprachige, sondern vor allem auch italienischsprachige Kandidaten brauchen.
Es ist ein Gang ins Ungewisse für Paul Köllensperger. Aber auch für die Politik insgesamt im Land. Gerade das macht die Sache reizvoll.

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