Wichtiger Hinweis

In eigener Sache:

Liebe Leserinnen, liebe Leser, aufgrund der aktuellen Ereignisse schalten wir für Sie die ff online vorübergehend frei. Sie können alle, Abonnenten wie Nicht-Abonnenten, das neue Heft ab Donnerstag als E-Paper kostenlos lesen, klicken Sie dafür im Menü auf E-Paper lesen. Oder Sie laden sich die ff-App auf Ihr Smartphone.
Wir wünschen gute Lektüre und gute Gesundheit!

Leitartikel

Rechte kriegen wir nicht geschenkt

Aus ff 10 vom Donnerstag, den 05. März 2020

Zitat ff10
Zitat ff10 © ff-Media
 

Der Weltfrauentag ist wichtig und richtig. Wenn er nicht als Anlass für Blumen genutzt wird, sondern als Kampftag.

Am 8. März ist Weltfrauentag. Brauchen wir ihn? Ja, und hier ist eine Liste von Gründen:

Auf allen Karrierestufen ist die Entlohnung von Frauen in Südtirol erheblich geringer als die von Männern.

Frauen bekommen im Schnitt rund ein Drittel weniger Pension als Männer.

Von Altersarmut sind vor allem Frauen bedroht, die sich um die Erziehung der Kinder oder auch um die Pflege älterer Angehöriger gekümmert haben.

Der Anteil von weiblichen Führungskräften ist mit 7,2 Prozent mickrig.

Ein Kind zu bekommen, bedeutet für Frauen langfristige schwere Lohneinbußen. Ganz abgesehen davon, dass sie ab dem Zeitpunkt, sobald sie ein Kind zur Welt gebracht haben, als Arbeitskräfte nicht mehr für ganz voll genommen werden.

Beförderungen gehen überwiegend an Männer und nur zu 32 Prozent an Frauen.

Und das sind nur die Frauen in Südtirol. Der Weltfrauentag gilt aber auch für die Frauen weltweit.

In Europa beispielsweise ist jede dritte Frau schon einmal Opfer von Gewalt geworden.

In Deutschland war bis 1997 Vergewaltigung in der Ehe kein Straftatbestand.

Ein Gesetz zur legalen Abtreibung hat Italien gerade mal seit 40 Jahren.

Drei von fünf Kindern, die nie die Schule besuchen werden, sind laut Unesco Mädchen.

Frauen in Saudi-Arabien müssen für die Ausübung bezahlter Arbeit die Erlaubnis eines männlichen Vormunds einholen.

Im Jahr 2016 mussten laut Unicef mehr als 200 Millionen Mädchen und Frauen in etwa 30 Ländern eine Genitalverstümmelung oder eine Beschneidung über sich ergehen lassen.

Eins von fünf Mädchen weltweit wird vor ihrem 18. Geburtstag verheiratet.

Laut Uno ist es Frauen in 104 Ländern noch immer nicht erlaubt, bestimmte Berufe auszuüben.

Selbst in Mitteleuropa dauerte es bis in die Siebzigerjahre, bis Ehefrauen nicht mehr die Einwilligung ihres Mannes brauchten, um arbeiten zu dürfen.

Die Liste könnte lange weitergehen. Erwähnen sollte man wohl noch die jüngst erfolgte Verurteilung von Harvey Weinstein. Der US-amerikanische Filmemacher wurde wegen Vergewaltigung und sexueller Nötigung verurteilt. Ein großartiges Zeichen, mit dem wohl nur die wenigsten gerechnet hatten. Dass es überhaupt erst dazu kam, ist der Bewegung #MeToo zu verdanken. Noch bis in die 2010er-Jahre waren sexuelle Übergriffe auf Frauen für einen großen Teil der Bevölkerung als Problem nicht wirklich relevant!

Frauen mussten sich im Laufe der Geschichte alles erkämpfen, gegen erheblichen Widerstand. Vor über 100 Jahren, am 19. März 1911, rief die Sozialistin Clara Zetkin auf der zweiten Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz den Frauentag aus – als Symbol für den Kampf der Frauen um gleiche Rechte und Chancen. Damals kämpften die Frauen noch um das Wahlrecht. Entsprechend sollte der Tag für Kundgebungen genutzt werden. Auf den 8. März wurde der Tag verlegt im Gedenken an einen Streik von Textilarbeiterinnen in Sankt Petersburg 1917.

Wir werden am Frauentag viele Blumen bekommen, das ist nett und für die Gärtnereien ein gutes Geschäft. Aber Blumen kriegen wir auch zum Geburtstag, zur Hochzeit oder weil sich ein Mann gerade in einen verliebt hat.

Rechte kriegen wir nicht geschenkt. Daran erinnert der Weltfrauentag.

Leserkommentare

Kommentieren

Sie müssen sich anmelden um zu kommentieren.