Leitartikel

Sparen wird sexy!

Sparen
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Die Energiekosten explodieren, Europa droht eine Stromlücke. Jetzt heißt das Gebot der Stunde: sparen. Dafür muss uns die Politik in die Pflicht nehmen.

Dieser Sommer ist vor allem eines: sexy! Wir schwitzen und genießen. Wir jammern über heiße Temperaturen und sehnen uns nach Abkühlung. Schwimmen, Biken, Hiken, alles ist möglich, egal zu welcher Zeit – das Wetter hält.

Und mitten in diesem Traumsommer kommt sie immer wieder hoch: die Sorge, die Angst, der Horror vor dem nächsten Winter. Angefangen bei den hohen Preisen.

Laut Arera, der staatlichen Regulierungsbehörde für Energie, wird eine dreiköpfige Familie dieses Jahr im Durchschnitt über 1.000 Euro für Strom berappen müssen. Im Vergleich dazu waren es 2021 560 Euro. Noch höher fallen die Teuerungen für Gas aus. Hier werden die Preise von 1.000 Euro im Vorjahr auf 1.900 Euro im laufenden Jahr ansteigen. Das trifft vor allem Bozner Familien, die ihre Wohnungen mit Gas heizen.

Doch blechen müssen alle. Auch die Familien, die mit Holzpellets heizen. Die Preise für die kleinen Holzwürmchen sind explodiert, sie liegen zwei- bis dreimal so hoch wie noch vor einem Jahr. Dazu kommt: Holzpellets sind rar, kaum zu kriegen. Wer seinen Tank für den Winter füllen möchte, muss sich gedulden. Es gibt Wartezeiten und Wartelisten. Wer Glück hat, bekommt Nachschub im November.

„Europa droht eine Stromlücke“, warnte der Schweizer Kernforscher Hans Peter Beck bereits Ende Mai bei den ff-Talks. Und Madeleine Rohrer, die Geschäftsführerin des Dachverbands für Natur- und Umweltschutz, forderte in der Diskussionsrunde rigorose Sparmaßnahmen. Private Haushalte seien genauso gefordert wie Unternehmen.

Jetzt also heißt es Wärme, Kälte und Strom sparen. Zugegeben, das Wort „sparen“ klingt alles andere als sexy. Aber wir kommen nicht umhin. Ob wir wollen oder nicht.

Betriebe unternehmen gerade massive Anstrengungen, um ihren Energieverbrauch zu drosseln. Sie haben auch keine andere Wahl. Die exorbitant hohen Energiepreise erschüttern das Südtiroler Wirtschaftsmodell.

Denselben Kraftakt wünsche ich mir im öffentlichen Raum. Dort braucht es noch mehr. Und es ginge noch mehr. Zwar hat die Landesregierung im Juli Einschränkungen zur Lichtverschmutzung beschlossen – so sollen Beleuchtungen von Schildern, Schaufenstern oder Bau- und Kunstdenkmälern zwischen 23 und 6 Uhr abgeschaltet werden –, umgesetzt wurde die Regelung aber noch nicht. Es gilt eine Übergangsfrist bis Juli 2023. Und so dürfen meterhohe Reklametafeln nachts vorerst weiter leuchten. Dass es auch radikaler geht, zeigt Berlin. Dort werden seit Ende Juli bestimmte Gebäude wie die Siegessäule nicht mehr angestrahlt.

Auch wir Private müssen in die Pflicht genommen werden. Der Einsparungswille, bin ich überzeugt, ist da. Was fehlt, ist die Aufklärung. Wir haben verlernt, Energie zu sparen. Waren wir es doch gewohnt, dass Energie immer vorhanden ist.

Jetzt brauchen wir einen dringenden Appell vonseiten der Politik. Kampagnen, die Bürger zum Energiesparen animieren. Konkrete Erklärungen, mit welchen kleinen Veränderungen wir die größten Spareffekte erzielen. Denn die werden wir brauchen. Für unsere Geldbörse – und für einen etwas beruhigteren und damit weiterhin sexy Sommer.

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