Leitartikel

Teurer Stolz

Aus ff 06 vom Donnerstag, den 08. Februar 2024

Zitat
 

Die italienische Regierung hält stur am Bau der Bobbahn für Olympia 2026 in Cortina fest. Gegen jede Vernunft. Und Südtirol macht mit.

Die Regierung in Rom schickt sich an, im „nationalen Interesse“ Geld aus dem Fenster zu werfen. Patriotismus ist teuer. Sie will, trotz Widerstands und trotz gegenteiliger Auffassung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), die Bob- und Rodelbahn für Olympia 2026 in Cortina bauen lassen.

Man hat jetzt einfach Fakten geschaffen. Den Auftrag an eine Baufirma vergeben, die schon bald mit den Arbeiten beginnen soll. Kosten: 82 Millionen Euro, doch man redet jetzt schon von viel mehr, von 120 Millionen. Die Zeiten sind knapp, denn schon ein Jahr vor Olympia, im Winter 2025, muss die Bobbahn kollaudiert werden, damit eventuelle Änderungen möglich sind. Verwendung danach: völlig ungewiss, wie die Bob-und Rodelbahn in Cesana für die Olympischen Spiele 2006 in Turin belegt. Sie ist verrottet, eine Ruine – eine Mahnung für Cortina.

Die Bob- und Rodelbahn in Cortina zu bauen, ist Populismus auf Kosten der Steuer-zahler. Und ein Beleg dafür, dass der Olympische Größenwahn nicht aufhört. Bob fahren und rodeln ließe sich leicht auch im Tiroler Igls, gleich hinter dem Brenner. Dort gibt es alles schon.

Sparen war noch nie olympisch, auch wenn das IOC neuerdings zu schlanken Spielen mahnt, zu Zurückhaltung und Nachhaltigkeit. Doch gerade darin hat dieser undurchsichtige Männerclub, in dem alles hinter verschlossenen Türen verhandelt wird und der kein Problem hat, mit Diktatoren zu kumpeln, noch wenig Erfahrung.

Überall in Europa wehren sich die Menschen gegen die Austragung von Olympischen Spielen. Zu protzig, zu teuer, zu groß. Investitionen, die nicht für die Zukunft taugen, unnötiger Verbrauch von Flächen und Ressourcen, viel Verkehr, Menschenmassen. Für Olympia gibt es nicht mehr viele Kandidaten. Die Menschen mögen diesen Größenwahn nicht (mehr). Doch Kritik wird meistens abgebügelt, zu groß die Versuchung für die Politiker, sich mit den Sportstars zu zeigen.

Südtirol macht da einfach mit, die Biathlon-Wettbewerbe für Olympia 2026 finden in Antholz statt. Der Ort hat Erfahrung mit der Austragung eines Großereignisses, doch auch im Tal muss kräftig investiert werden, 50 Millionen Euro. Und draußen im Tal, im Pustertal, macht man die Straßen breit für den Olympiaverkehr. Die neue Landesregierung hat es eilig damit: Einer ihrer ersten Beschlüsse war der Bau neuer Kreisverkehre im Tal.

Es gibt wenig Unzeitgemäßeres als Olympische Spiele in einem Land. Gerade in Mitteleuropa (Trentino-Südtirol, Österreich, Schweiz und auch Slowenien) gibt es genügend vorhandene Sportstätten. Kein Stadion, keine Bobbahn, keine Sprungschanze, keine Langlaufloipe müsste neu gebaut werden. Alles da. Die Abstände zwischen den Sportstätten wären nicht so groß, doch der Verkehr würde sich trotzdem entzerren, es bräuchte also auch dafür keine großen Investitionen. Ja, heißt es jetzt, der Nachwuchs, der braucht das. Aber der Nachwuchs ist offensichtlich auch ohne Bahn im Land erfolgreich.

Südtirol bräuchte ohnehin keine Olympiade, um sich bekannt zu machen. Es ist bekannt genug, mehr Tourismus braucht’s nicht. Umweltschutz, Maß halten, sind noch keine Königsdisziplinen im Sport. Schon gar nicht bei Olympia.

Leserkommentare

Kommentieren

Sie müssen sich anmelden um zu kommentieren.