Sommerbetreuung: (js) Viele Eltern bangen schon jetzt um einen Betreuungsplatz für ihre Kinder im Sommer 2026 – vermutlich diesmal ...
Leitartikel
Reich und träge
Südtirol ist ein wohlhabendes Land. Aber langsam und wenig innovativ. Wir müssen reden, was es wirklich braucht.
Südtirol hat für das Jahr 2026 einen Rekordhaushalt, 8,8 Milliarden Euro. Das ist viel Geld, mehr als in den vergangenen Jahren. Geld aus Rom zu holen, ist eines der Verdienste von Landeshauptmann Arno Kompatscher.
Der Reichtum kittet die sozialen Gräben, die sich in den vergangenen Jahren aufgetan haben. Wehe, das Geld wird weniger, wehe, es tritt eine wirtschaftliche Krise auf (nicht ausgeschlossen aufgrund der Weltlage), dann werden auch in Südtirol die Verteilungskämpfe härter werden. Dann werden wir schnell eine Gesellschaft haben, die sich entsolidarisiert.
Das Land sollte mit dem Geld, das es hat, vorsorgen. Denn schon jetzt sieht es so aus, als könnte sich die eine Hälfte der Gesellschaft viel leisten, die andere wenig. Es gibt eine Reihe von Sektoren mit niedrigen Löhnen, zu denen die öffentliche Hand ihren Beitrag leistet, indem sie die Dienste auslagert – Putzdienste zum Beispiel.
Südtirol hat viele Unternehmen, denen es gut geht. Sie könnten ihre Belegschaft leicht mehr am Erfolg beteiligen – das wäre zum Vorteil für alle, für Unternehmer, Beschäftigte und Betriebe. Die Top 300, die wir mit unserem Südtirol Panorama jährlich erheben, zeigen, wie fett Umsätze und Gewinne gestiegen sind. Irgendjemand muss sie ja durch harte Arbeit erwirtschaftet haben. Das sind die Leute, die Arbeiter und Angestellten, die mit ihren Steuern einen erheblichen Teil zum Landeshaushalt beitragen.
Das Land hat für seine Bediensteten schon die Löhne erhöht (die zähen Verhandlungen mit den Lehrpersonen müssen erst beginnen) – aber sie sind immer noch niedriger als in den Nachbarländern. Das ist einer der Gründe, warum junge Menschen weggehen und nicht mehr wiederkommen. Aber nicht nur sie finden sich in Südtirol nicht wieder, in einem Land, in dem unter einem dünnen Anstrich von Toleranz noch viele Ressentiments und Vorurteile liegen.
Und das ein Land ist, in dem es wenig Mut zur Innovation gibt. In dem Projekte nur schwerfällig umgesetzt werden – man denke an das Bibliothekenzentrum in Bozen, den Sitz für den Ötzi oder die Vinschger Bahn, wo die Elektrifizierung elendslange dauert. Man mag jetzt einwenden: Was ist mit den vielen Betrieben, die in ihrer Nische weltmarktführend sind? Ja, die gibt es, aber insgesamt ist Südtirol ein Land, in dem das Bestehende verwaltet wird, die Politik halbherzig handelt.
Man sieht es zum Beispiel beim Umgang mit den Stahlwerken, wo 500 Menschen zu Weihnachten in Ungewissheit gelassen werden, weil sie keine Sicherheit haben, wie es mit dem Unternehmen weitergeht. Man sieht es daran, dass die Ausgaben für Forschung und Entwicklung stagnieren, am Tourismus, der trotz aller Versuche, ihn zu bremsen, steigt und steigt. Am Verkehr, der nicht weniger wird. An den Wohnungen, die immer teurer werden. Daran, dass es kaum Diskussion darüber gibt, wie wir Schule reformieren wollen (stattdessen reden wir viel über Sicherheit in einem sicheren Land) oder warum wir das Potenzial verschenken, das Migranten haben, die wir brauchen und denen wir nicht wirklich vertrauen.
Es wäre über vieles zu reden. Aber Südtirol ist immer noch ein Land, in dem zu wenig diskutiert wird. Und wenn, dann sind die Hetzer und die Populisten am lautesten – und kaum jemand fällt ihnen ins Wort.
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