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Leitartikel
Rekord, Rekord, Rekord, ...
Tourismuslandesrat Luis Walcher und viele Hoteliers wollen den Bettenstopp stoppen. Wie glaubwürdig sind Landesregierung und SVP noch?
Der Tourismus ist nach der Industrie die wichtigste Industrie im Land. Er wird freilich mehr geschätzt als die Industrie, mit der viele im Land immer noch fremdeln, auch die Politik und insbesondere die Südtiroler Volkspartei. Wie ließe sich sonst das Gemurkse um die Stahlwerke erklären, deren Werk in Bozen auf Landesgrund steht.
Da läuft es beim Tourismus schneller und leichter, wenn es darum geht, Regeln zu ändern oder Bestimmungen zu verlängern. Luis Walcher, Landesrat für Tourismus, für die ff nicht leicht aufzufinden, hat angekündigt, die Frist für die Verbauung bereits ausgewiesener Tourismuszonen verlängern zu wollen. Von 2026 bis 2031. Das ist de facto eine Aufhebung des Bettenstopps, das Lieblingsprojekt seines Vorgängers Arnold Schuler. Zugute kommt das gewiss nicht den Kleinen, sondern den Großen. Das Neue an der Debatte ist, dass die Großen im HGV jetzt schieben und die Kleinen bremsen.
Hat Walcher das mit den Seinen in der Landesregierung und mit dem Rest der Partei schon ausgehandelt? Es ist jedenfalls eine Bloßstellung seines Vorgängers, der viel in dieses Vorhaben investiert und politisch dafür bezahlt hat. Und es ist ein Affront gegen den Teil der Gesellschaft, der genug hat von den immer neuen Rekorden im Tourismus, der gehofft hat, diese Industrie werde sich selbstbestimmt mäßigen. 38,2 Millionen Übernachtungen waren es im Jahr 2025.
Wenn jemand kritisiert, dass jetzt wieder neue Hotels und Betten entstehen, kommt die Antwort wie ein Rosenkranz in der Kirche: Man müsse zulassen, dass die Branche sich entwickelt, man müsse verhindern, dass jetzt jeder ein Loch gräbt, um den Beginn der Bauarbeiten zu signalisieren, man wolle nicht, dass die Baubranche überhitze und die Arbeiten an Firmen von auswärts gingen. Man möge, was das betrifft, einmal jemanden fragen, der ein Hotel zu Ende baut, woher die Firmen und die Arbeiter kommen.
Südtirol hat sehr viele tüchtige Hoteliers. Sie müssen keinen Vergleich scheuen, sie haben viel investiert, lassen sich viel einfallen. Sie haben aber auch viel Einfluss, scheuen sich nicht Druck zu erzeugen. Sie haben jetzt mit Luis Walcher einen Landesrat, der ihnen weit entgegenkommt. Arnold Schuler hingegen lag, die ganze Gesellschaft im Blick, mit den Hoteliers und den Bauern oft im Clinch, den stärksten Lobbygruppen im Land.
Der Vorschlag von Walcher wird die „Tourismusgesinnung“ im Land nicht fördern. Südtirol braucht den Tourismus, er sorgt für Wohlstand, er gibt vielen Menschen Arbeit. Aber viele Leute wollen nicht, dass es noch mehr Betten gibt, dass das Land überrannt, dass die Natur noch mehr belastet wird. Der Tourismus muss Konsens erzeugen, nicht Dissens.
Es wäre schön, wenn die Tourismusindustrie von sich aus sagen würde: Wir haben genug, wir schauen auf das ganze Land – Unternehmer haben Verantwortung für die ganze Gesellschaft.
So, wie es jetzt ausschaut, wird es nie reichen. Auch dann nicht, wenn die Tourismuszonen erschöpft sind, es noch mehr Betten gibt, noch mehr Gäste gekommen sind, wir noch mehr Grund und Boden verbraucht haben.
Und noch mehr Menschen sagen: Wir fühlen uns an den Rand gedrängt.
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