Eine junge Ärztin erklärt in ff 8/26, warum sie vorerst nicht nach Südtirol zurückkehrt. Nun antwortet ihr der Sanitätsbetrieb.
Leitartikel
Antholz top, Bozen flop
Antholz hat sich für die Spiele herausgeputzt und sie hervorragend gemeistert. Nicht so die Landeshauptstadt, sie wirkt selbst während Olympia ungepflegt.
Die 25. Olympischen Winterspiele sind Geschichte. Und Südtirol hat geglänzt. Im Medaillenspiegel – mit zwei Goldenen, einer Silbernen und vier Bronzenen – und vor allem als Gastgeber. In keinen anderen Austragungsort strömten so viele Leute wie nach Antholz.
„Irre, einfach nur meeeega, was ihr hier abzieht“, rief mir ein junger Allgäuer Fan abends im Biathlon-Dorf zu. Ich war für den Sprint der Männer in Antholz – am ersten Freitag der Wettkämpfe, fünf Tage nachdem am Auftaktwochenende alles kollabiert war: Shuttles feststeckten, Straßen blockiert waren. Doch an diesem Freitag klappte alles wie am Schnürchen. Mit dem Zug nach Olang und von dort direkt und zackig – und mit freundlichem Personal – in einem der 15 Shuttlebusse in die Biathlonhochburg.
Für die Südtiroler war bei diesem Rennen nichts zu holen, aber die Stimmung war gut – wenn auch relativ ruhig. Manch ein Gast raunte, dass es bei den Weltcup-Rennen emotionaler zugehe. Doch das war eben Olympia. Und das macht nicht nur vieles komplizierter, sondern auch manches steifer. Lorenz Leitgeb und Erika Pallhuber vom Biathlon-Komitee können ein Lied davon singen. Doch trotz strenger IOC-Auflagen haben sie nicht gejammert, sondern geliefert. Das darf man sagen. Und, wie ich finde, muss man sagen. Südtirol hatte einen Anspruch: Exzellenz zu liefern. Und der wurde erfüllt. Trotz Patzer beim Verkehr.
Während sich die Dörfer im Antholzer Tal herausgeputzt haben – private Zufahrten tipptopp geräumt, alles gepflegt und ordentlich –, bot die Landeshauptstadt ein anderes Bild. Auf dem Waltherplatz fristete ein großer Bildschirm mit Live-Übertragungen ein trauriges Dasein. Noch trister aber: der Zustand der Straßen.
Bozen hat sich für diese Heimspiele nicht herausgeputzt. Nicht einmal während Olympia ist es gelungen, sich von seiner besten – sprich sauberen – Seite zu zeigen. Stattdessen: alles wie immer, und ich traue mich zu sagen, gefühlt jeden Tag schlimmer. Verdreckte Straßenränder, Papierfetzen, Plastikflaschen, Zigarettenstummel, Müllsäcke, die auf den Gehsteigen und besonders rund um die bunten Mülltonnen rumliegen. Ganz zu schweigen vom Hundekot, der zwar von sehr vielen, aber eben bei Weitem nicht allen Hundehalterinnen und Hundehaltern aufgesammelt wird. Eine Bekannte hat auf ihrer 45-minütigen Laufrunde – unter anderem durch das vornehme Gries – neulich 89 Hundehaufen auf Gehsteigen gezählt. Es ist zum Grausen. Ich kann es nicht anders ausdrücken.
Natürlich gibt es Städte im Süden, in denen es noch schlimmer aussieht. Aber seit wann orientieren wir uns daran? Ich komme gerade aus Singapur, einer der saubersten Städte der Welt. Jedes einzelne weggeworfene Stückchen Papier wird dort mit bis zu 600 Euro sanktioniert. Mag hart sein. Ja. Aber es wirkt. Nichts, aber auch gar nichts liegt auf öffentlichen Flächen herum – und die Bewohnerinnen und Bewohner sind stolz darauf.
Natürlich möchte ich nicht, dass jede Bürgerin und jeder Bürger dauerüberwacht wird. Und ich möchte auch kein Denunziantentum fördern. Aber ich wünsche mir eine klare Strategie, einen Plan, der Menschen in die Verantwortung nimmt und den Putztrupp der Umweltdienste der Seab strukturierter einsetzt.
Lieber Herr Bürgermeister Corrarati: Sorgen Sie dafür, dass Bozen wieder glänzt. So wie Antholz während Olympia.
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