Leitartikel

Sie machen vor nichts halt

 

Die Hetze von Jürgen Wirth Anderlan und der Südtiroler Freiheit ist gefährlich. Man muss ihr entgegentreten.

Die Südtiroler Freiheit (STF) von Sven Knoll ist immer im Kampfmodus. Gegen alles Linke und Grüne. Gegen kriminelle Flüchtlinge. Gegen die Regierungspartei SVP, die angeblich die Bevölkerung kleinhalten will. Früher wetterte die Südtiroler Freiheit gegen Rom und die Italianisierung Südtirols, heute wettert sie gegen Ausländer, die angeblich das Land überschwemmen.
Jüngstes Beispiel: Die STF kritisiert den Plan der Landesregierung, Migrantenfamilien auf Südtirols Gemeinden aufzuteilen. Der Landeshauptmann und die Landesrätin, sagt Sven Knoll in einem Video in den sozialen Medien, hätten „Übles“ mit Südtirol vor. Diese Verteilung führe dazu, dass „uns unsere Heimat immer fremder wird“. Deshalb lanciert die Partei eine „große Volks-Umfrage“, unter dem Motto: „So kannst du dich wehren“.
Und Jürgen Wirth Anderlan stellt ein Video ins Netz, in dem er zeigen will, wie es derzeit angeblich „in Südtirols Kindergärten aussieht“. Dabei werden in einem Kindergarten Namensschilder der Kinder gefilmt. Mit despektierlich klingender Stimme liest JWA im Hintergrund die ausländisch klingenden Namen vor, am Ende steht der Name Martin. JWAs Kommentar: „Martin bleib stark. Wir sind bei dir.“ Das ist beschämend, das ist pures Gift.
Das Kalkül dahinter: JWA und STF stellen „das Volk“ als Opfer dar, um sich zugleich als dessen Retter zu inszenieren. Knoll und JWA schüren durch ihre Hetze Ängste der Menschen. In den sozialen Medien schreien viele ihre Sorgen, auch ihre Wut heraus. Aber der digitale Raum ist ein gefährlicher Ansteckungs­ort. Dort wird Angst zu Hass.
Wir dürfen diesem Treiben nicht tatenlos zuschauen. Schweigen kann wie Zustimmung wirken. Ja, man muss die Sorgen und die Ängste der Menschen ernst nehmen, auch in Bezug auf die Migration. Aber es geht nicht allein darum.
Es geht um niedrige Löhne, zu hohe Lebenskosten, zu wenige Wohnungen, zu viel Abwanderung junger Menschen, zu große Schwierigkeiten bei der Vereinbarung von Familie und Beruf. Das ist alles bekannt und nichts Neues. Die Frage bleibt deshalb dieselbe: Wie kann man diese Probleme lösen?
Die Populisten suggerieren, das ließe sich alles einfach lösen. Aber es lässt sich nicht ein Schalter umlegen – und alles wird gut. Es braucht Zeit, Geduld, Ausdauer und vor allem gute Ideen. Schnell lässt sich so gut wie nichts lösen.
Das führt oft zu Frust und dem Eindruck, „die da oben regierten an der Realität vorbei“. Auch das treibt die Menschen nach rechts. Dort warten dann Leute wie Jürgen Wirth Anderlan, die sich nicht schämen, die Namen von Kindern vorzulesen, als trügen sie ein Kainsmal auf der Stirn.
Man täusche sich nicht. Diese Leute haben keine Lösungen im Sinn. Ihnen liegt auch nicht die Zukunft des Landes am Herzen. Sie sind auf Zerstörung aus. 

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