ff 13/26 über den Abbruch der Kasernen in Schlanders und die Zukunft der „Basis“
Leitartikel
Viel Geld vom „bösen“ Land
Lehrpersonen bekommen jetzt eine üppige Lohnaufbesserung. Damit muss auch der Boykott außerschulischer Tätigkeiten aufhören.
Lehrpersonen müssen gut bezahlt werden, sie machen eine Arbeit, die für unsere Gesellschaft grundlegend ist. Sie arbeiten mit Kindern und mit Jugendlichen, damit sie im besten Fall zu mündigen Staatsbürgerinnen und -bürgern werden, mit Wissen und Sozialkompetenz aus der Schule kommen.
Es gibt kaum – Ärztinnen und Pfleger mögen es mir nachsehen – eine wichtigere Arbeit.
Im heurigen Schuljahr ist in der Südtiroler Schule etwas passiert, was es in Südtirol sonst selten gibt: eine Solidarisierung der Lehrpersonen für einen neuen Vertrag. Kein Streik, der Unterricht ging weiter, sondern ein Boykott der „unterrichtsergänzenden Tätigkeiten“ wie Lehrausflüge oder Theater- und Museumsbesuche.
Das hat Theater und Museen sehr geschmerzt. Der Boykott aber hat gewirkt, weil er wehtat. Aber ein weiteres Jahr an Boykott würde großen Schaden anrichten. Und auch die Kinder und Jugendlichen um etwas bringen, das im Leben wichtig ist – davon bin ich fest überzeugt: Theater, Film, bildende Kunst, Musik.
Der Kollektivvertrag für die Lehrpersonen ist viele, zu viele Jahre lang nicht erneuert worden. Es ist ein Strukturfehler im italienischen System, dass Arbeitgeber Vertragsverhandlungen ewig hinausziehen können. In Österreich müssen Verträge jedes Jahr neu verhandelt werden.
Jetzt haben sich Gewerkschaften und Land auf einen neuen Vertrag für die Lehrpersonen geeinigt. Es gibt eine Gehaltserhöhung, sie liegt bei Personen mit Studientitel zwischen 5.300 und 6.000 Euro brutto im Jahr. Schon vorher gab es eine Nachzahlung und die Anpassung an die Inflation. Jetzt geht es einerseits noch um etwas Wichtiges, nämlich die Angleichung der Gehälter der Grundschullehrerinnen an die Gehälter der Mittel- und Oberschullehrerinnen, und andererseits um Nebengeräusche wie Entlohnung von Extratätigkeiten (Klassenlehrerin, Tutorin).
Die Lohnerhöhung ist richtig. Und üppig. Und nähert die Gehälter der Lehrpersonen an europäisches Niveau an. Nicht viele Beschäftigte in Südtirol dürfen sich über so viel mehr Geld auf dem Konto freuen. Allein die Lohnerhöhungen kosten die öffentliche Hand um die 90 Millionen Euro im Jahr.
Das kann man durchaus als Wertschätzung der Kategorie durch das „böse“ Land betrachten. Das vieles für Bildung tut und ausgibt, auch wenn vieles zögerlich und wenig mutig wirkt. Aber am Abgrund steht die Schule nicht: Das ist bloß ein effekthascherischer Slogan.
Nicht richtig wäre es, wenn der Boykott der außerschulischen Tätigkeiten auch im Herbst noch weitergeht, wie es Andrea Perger, die Sprecherin der Initiativgruppe „Qualitätsmarke Bildung Südtirol“, angedeutet hat. Forderungen müssen ein Maß haben. Wer für die Bildung im Land steht, sollte es sich jetzt nicht gemütlich machen. Denn eines sind Lohnerhöhungen, etwas ganz anderes eine Reform der Schule. Wie eine Reform nicht geht: mit Boykottdrohungen. Es braucht die Reform dringend, es braucht eine große Anstrengung und viel Mut – auch vonseiten der Lehrpersonen, bei denen man nicht immer weiß, ob sie den Willen und die Lust haben, etwas zu verändern.
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