Als Chefin der Deutschen Bahn hat Evelyn Palla einen undankbaren Job. Viele fragen: Wie lange hält sie durch? Ihr erster Auftritt in Bozen war überraschend persönlich.
Leitartikel
Krank sein und Deutsch sprechen ist oft keine gute Kombination
Werden Sie im Krankenhaus nicht verstanden? Wundern Sie sich nicht – da ist (auch) Betrug im Spiel.
Wer im Südtiroler Sanitätsbetrieb arbeitet, muss zweisprachig sein – auf dem Papier. Die Realität sieht anders aus. Hierzulande hat wohl jeder und jede schon die Erfahrung gemacht, dass ein Arzt, eine Ärztin oder eine Pflegekraft ihn kaum oder gar nicht versteht, wenn er Deutsch spricht. Nun dürfen wir wieder mal erfahren, warum das so ist: Mehr als 40 gefälschte Sprachzertifikate sollen an medizinisches Personal verkauft worden sein, bei 22 davon soll es sich um Mitarbeitende des Sanitätsbetriebs handeln – Ärztinnen und Ärzte, Pflegekräfte sowie Angestellte der Verwaltung.
Das ist ein Skandal, neu ist die Sache allerdings nicht.
Vor ziemlich genau einem Jahr wurde das Arbeitsverhältnis mit zwei Fachärzten aufgelöst, weil sie gefälschte Zweisprachigkeitsnachweise eingereicht haben sollen. Im Herbst 2025 wurden dann bei Kontrollen im Sanitätsbetrieb weitere zehn ungültige Sprachzertifkate entdeckt: Zwei Ärzte und acht Pflegekräfte waren daraufhin ihre Stelle los. Laut einer Landtags-
anfrage der Südtiroler Freiheit gingen im vergangenen Jahr 122 Beschwerden wegen Missachtung der Zweisprachigkeit beim Amt für Landessprachen und Bürgerrechte ein. Die mit Abstand meisten Verstöße wurden aus dem Sanitätsbetrieb gemeldet.
Es ist eine gesetzliche Verpflichtung für die Angestellten des Sanitätsbetriebes, zweisprachig zu sein, und es ist das grundlegende Recht der Südtiroler und Südtirolerinnen, sich in der eigenen Muttersprache auszudrücken. Das ist ein zentraler Bestandteil des Minderheitenschutzes. Im Wettbewerb um Arbeitskräfte jedoch kann er zum Bremsklotz werden, zu einer bürokratischen Hürde, die viele Fachkräfte, die von außen kommen, abschreckt.
Seit Jahren bastelt die Landesregierung an Lösungen. 2017 gab der damalige Generaldirektor Thomas Schael die Order aus: „Gesundheit geht vor Zweisprachigkeit“. Um das Dilemma des Ärztemangels zu lösen, griff Landeshauptmann Arno Kompatscher auf ein Dekret zurück, das von der Zweisprachigkeitspflicht der Ärzte absieht. Sie können demnach für drei Jahre befristet angestellt werden, müssen parallel dazu aber Sprachkurse besuchen. Für eine unbefristete Stelle braucht es die erfolgreich abgeschlossene Zweisprachigkeitsprüfung.
Den Notfall bewältigen, provisorische Ausnahmen ermöglichen. Das ist seit jeher der politisch-pragmatische Zugang bei diesem Thema. Das Problem aber ist: Der Sprachnachweis ist noch lange keine Garantie dafür, im beruflichen Alltag die zweite Sprache auch tatsächlich zu beherrschen. Warum das (auch) so ist, haben wir, wie gesagt, erst jetzt wieder erfahren: Betrug.
Für den Südtiroler Sanitätsbetrieb ist das ein Desaster. Er hat ohnehin schon eine Menge Probleme: zu lange Wartezeiten, schleppende
Digitalisierung, mühsame Verhandlungen mit den Allgemeinmedizinern, die Gemeinschaftshäuser, von denen die ersten bald schon bespielt werden müssen.
Jeder Skandal birgt aber auch eine Chance. In diesem Fall könnte eine Debatte über ein innovatives, autonomiepolitisch tragbares Zweisprachigkeitsmodell der Zukunft angestoßen werden. Den Notstand verwalten, ist auf Dauer keine nachhaltige Lösung.
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