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Leitartikel
Mutter ist man an jedem Tag
Was Südtiroler Mütter und Frauen denken und tun, ist nicht privat. Es ist Zeit, gegen strukturelle Ungleichheiten auf die Straße zu gehen. von Alexandra Aschbacher, Redakteurin
Wir müssen noch einmal über den Muttertag sprechen. Auch wenn er für dieses Jahr schon Vergangenheit ist, die Blumen verwelkt sind und der normale Wahnsinn des Alltags sich wieder eingeschlichen hat. Es ist an der Zeit, den Muttertag dafür zu nutzen, um auf gesellschafts- und frauenpolitische Anliegen aufmerksam zu machen. Man kann es nicht oft genug tun.
Der Bericht „Le Equilibriste“ der Kinderrechtsorganisation Save the Children, kurz vor dem Muttertag veröffentlicht, schreit förmlich danach. Dieser erstellt jährlich einen Index, der aufzeigt, wo in Italien es für Mütter am einfachsten beziehungsweise am schwierigsten ist zu leben.
Südtirol nimmt in diesem Ranking Platz zwei der mütterfreundlichsten Regionen ein – unter anderem weil es ein dichtes Netz an Beratungsstellen gibt und sich die Geburtenrate mit 1,55 Kindern pro Frau deutlich abhebt. Das sind alles gute und wichtige Punkte. Aber die Freude darüber sollte nicht den Blick darauf verstellen, dass noch vieles im Argen liegt.
Bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist Südtirol Schlusslicht in Italien. Nahezu jede vierte Frau zwischen 25 und 34 Jahren sieht sich beruflich nicht ausreichend abgesichert, um Mutter zu werden. Das ist erschreckend und beschämend für ein reiches Land wie Südtirol.
Blumen und schöne Worte zum Muttertag sind schon lange nicht mehr genug. Frauen stemmen Betreuung, Pflege und Familienorganisation zusätzlich zu ihrer Erwerbstätigkeit und Hausarbeit – oft am Rand der eigenen Belastbarkeit.
Es geht um die Einsicht, dass Vereinbarkeit nicht funktioniert. Es geht um die Schließung des sogenannten Gender-Care-Gaps, also den unterschiedlichen Zeitaufwand für Sorgearbeit bei den Geschlechtern. Es geht auch darum, dass 80 Prozent aller Teilzeitstellen in Südtirol von Frauen besetzt sind, was zu geringeren Beitragsjahren und niedrigeren Renten führt. Es geht darum, dass Südtirolerinnen durchschnittlich 30 Prozent weniger Rente erhalten als Männer. Und dass Frauen nicht nur Familien am Laufen halten, sondern das ganze Land.
Es geht um all das. Und noch sehr viel mehr.
Man sollte meinen, dass die Politik diese gesellschaftliche Gruppe wie keine andere unterstützt und umwirbt. Doch für Mütter interessiert man sich politisch nur bedingt. Mit den vielen Herausforderungen in ihrem Alltag fühlen sie sich von der Politik oft alleingelassen. Deshalb ruft eine Initiativgruppe engagierter Frauen für diesen Samstag ab zehn Uhr zu einer „Familiendemo“ auf dem Silvius-Magnago-Platz auf. „Familien zu entlasten“, fordert sie, müsse „ein politisches Ziel sein, nicht eine private Dauerleistung von Eltern“.
Man kann nur hoffen, dass so viele Frauen, Mütter, Väter, Männer, Omas, Opas, Tanten, Onkel, Pflegende, Kinder und Jugendliche wie möglich dem Aufruf folgen. Eigentlich müssten der Platz und die Straßen rundherum rappelvoll sein, die Unzufriedenheit ist groß.
Die Demo wäre eine Chance, diese Unzufriedenheit zum Ausdruck zu bringen. Eigentlich müssten bei den politisch Verantwortlichen die Alarmglocken schrillen. Eigentlich müssten sie so reagieren wie bei der Brenner-Blockade vom 30. Mai. Da protestiert der Landeshauptmann in Wien und Rom, die Wirtschaftsverbände jaulen laut auf, der Hoteliers- und Gastwirteverband stimmt mit ein in das Klagelied.
So eine geballte Aufmerksamkeit würde man sich auch für die Belange von Familien wünschen. Die Pralinen zum Muttertag kann man sich sparen.
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