Moraltheologe Martin Lintner über die Enzyklika des Papsts: warum wir in Sachen KI ein ethisches Problem haben. Und die Abhängigkeit von wenigen Tech-Giganten gefährlich ist.
Leitartikel
Eine Frage der Rechte
Rechte Politiker wollen eine Geschlechterordnung von gestern. Und sie wollen Sexualität aus der Schule verbannen. Worum geht es da in Wahrheit? von Georg Mair, Chefredakteur
Immer wenn es um Sexualität geht, verkrampfen rechte Politiker. Sie sehen bei der Regenbogenfahne rot. Die Fahne steht für Vielfalt, sie ist ein Symbol für die LBGTQIA+-Gemeinde, für queere Menschen.
Es gibt noch immer Leute, die Schwule, Lesben oder Transpersonen als Abweichung sehen, diese Menschen bekehren wollen. Menschen, die das wollen, sind entweder extrem religiös oder extrem rechts. Sie glauben, dass die Welt binär ist, in Mann und Frau geteilt. Dass es eine Ordnung gibt, die die einen aus- und die anderen einschließt. Ein solche Ordnung gibt es nur in einem autoritären Weltbild.
Es geht also, wenn wir über die Regenbogenfahne reden, um nichts weniger als um gleiche Rechte, um Würde, um die Freiheit so zu sein, wie man ist, und so zu leben, wie man will (siehe Gastkommentar von Nicola Canestrini ab Seite 44). Deswegen ist es wichtig, die Regenbogenfahne zu zeigen, doch dem Aushängen der Regenbogenfahne müssen auch Taten folgen, etwa ein Landesgesetz, das die Diskriminierung von queeren Personen verbietet.
Wie verkrampft über das Thema geredet wird, zeigte eine Debatte über die Diskriminierung von queeren Personen, organisiert von der Gemeinde Bozen. Es redeten die Fraktionen im Gemeinderat (nicht reden wollten Fratelli d’Italia und Lega), der Schreiber dieser Zeilen moderierte. Der Veranstaltung voraus gingen heftige Diskussion, als würde daran die Regierungskoalition zerbrechen. Auf der Einladung stand nur „Diskriminierung“, kein Wort von LBGTQIA+.
Die Fratelli d’Italia und die Lega machen aus ihrer Homophobie kein Geheimnis, Landesrat Marco Galateo weigert sich, den Pressesaal des Landes zu betreten, solange die Regenbogenfahne dort hängt. Er inszeniert sich als Hüter einer Ordnung, die es nicht mehr gibt.
Die Regierung in Rom (Fratelli d’Italia, Lega, Forza Italia) verkrampft nicht nur beim Thema Regenbogenfahne, sondern auch beim Thema Sexualkunde. Im Kindergarten und in der Grundschule ist sie jetzt verboten, danach nur mit Zustimmung der Eltern möglich.
Kinder und Jugendliche werden also nicht mehr in einem geschützten Rahmen von Fachleuten aufgeklärt. Übernehmen dann die Eltern die Verantwortung? Die Gefahr ist, dass Kinder und Jugendliche sich ihre Informationen bei Tiktok oder auf Pornoseiten holen. Und Sexualkunde ist ja nicht nur Aufklärung über Körper und Sex, sondern auch darüber, wie man Grenzen setzt. Sie beugt also auch sexuellem Missbrauch vor (man höre dazu den ff-Podcast „Aufs Ohr“).
Rechte Politiker halten Sexualkunde für Indoktrination, für Gendergaga. Sie richten damit Schaden an. So wie die Kirche wollen sie über die Körper bestimmen, Reden über Sexualität verhindern, als seien Menschen, die offen darüber reden, eine Gefahr.
Aber ja, in einem rechten Weltbild sind Menschen, die selbstbestimmt sind, eine Gefahr. Um autoritär zu regieren, muss man auch in ihre privaten Angelegenheiten eingreifen, den Geist indoktrinieren, das Denken vergiften. Man gewinnt, das zeigt leider die Geschichte, politisches Kapital, indem man Vorurteile anheizt, die einen gegen die anderen ausspielt.
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