Wohnen: (su) Vergangene Woche luden Vertreter der Assemblea Abitare Bozen zur Pressekonferenz, um zwei Beschlussvorlagen zum Thema ...
Leitartikel
Eine Welt, die nicht verbrennt
Alle reden über Klimaanlagen, niemand über den Klimawandel. Dabei hilft nichts anderes gegen die Hitze, als die Erderwärmung zu bremsen. von Georg Mair, Chefredakteur
Vergangene Woche war es in der Nacht in Bozen so heiß wie noch nie, 25,4 Grad. Nach 37 Grad untertags. Vielleicht ist es, wenn Sie diesen Leitartikel lesen, schon ein wenig kühler geworden. Ich wünsche es Ihnen – und mir.
Trotzdem: Die Hitze wird bleiben. Und die Tage mit großer Hitze werden mehr werden. Sie sind schon mehr geworden. Das ist keine Erfindung, das sagt die Wissenschaft.
Es ist sehr, sehr heiß. Die Menschen leiden (und sterben daran). Die Hitze konditioniert Leben und Wirtschaft.
Es ist heiß, überall in Europa. Die Medien überschlagen sich mit Ratschlägen, was man bei der Hitze tun oder lassen soll. Niemand redet vom Klimawandel, aber alle reden von der Klimaanlage, die man sich unbedingt anschaffen muss. Und ein unseliges Bündnis aus Konservativen und Rechtsextremen versucht, die Maßnahmen gegen den Klimawandel auszuhebeln.
Maßnahmen, das wären: nachhaltiges Wirtschaften, Umstellung auf erneuerbare Energien, Verbot des Verbrennermotors. Schadet der Wirtschaft, heißt es, bremst das Wachstum, es ist halt Sommer, heiß war es immer schon. Und vielleicht hat die Erderwärmung ja sogar ihr Gutes. Dabei wäre die grüne Wirtschaft ja auch ein Treiber der Wirtschaft, würde man sie nicht so halbherzig betreiben wie jetzt.
Manche leugnen sogar den Klimawandel: Es sind meistens Politikerinnen und Politiker, die weit rechts draußen angesiedelt sind, in Italien, in Österreich, in Deutschland, oder die gute Verbindungen zur Erdöl- oder Autoindustrie haben. Es sind die „Männer, die die Welt verbrennen“ (so der Titel des neuen Buches von Spiegel-Kolumnist Christian Stöcker).
Die Politik wird jetzt von etwas anderem getrieben. Von der Wirtschaftskrise, der Inflation, dem Krieg, dem Wuchern des Populismus.
Sind wir blind oder blöd, dass wir den Klimawandel nicht ernst nehmen? Nein, eigentlich wissen wir darum, aber nach Jahren der Euphorie, des Protests, macht sich Gleichgültigkeit breit. Gleichgültigkeit ist der Krebs der Demokratie, macht Gemeinschaft unfähig zum Handeln. Wir tun gerade, was wir gut können: verdrängen.
Die Regierenden, auch in Südtirol, haben uns erfolgreich eingeredet, dass der Kampf gegen den Klimawandel uns schadet, unser Einkommen schmälert, dass es uns jetzt besser geht, wenn es uns in Zukunft schlechter geht. In der Zukunft, in der man den Klimawandel nicht mehr bremsen kann.
Diejenigen, die dagegen anreden, sind wenige geworden. Und werden nicht mehr gehört. Es ist noch nicht lange her, dass alle der Klimabewegung nachgelaufen sind. Selbst die Grünen scheinen vergessen zu haben, dass das Engagement für Umwelt und Klima sie stark gemacht hat.
Südtirol hat sich einen schönen Klimaplan geschrieben. Ihn in ein Gesetz zu gießen, ist offensichtlich schwierig. Und wenn, dann wird bestimmt jemand in der SVP sagen, so ein Gesetz brauche eine breitere Diskussion.
Dabei bräuchten wir, Hitze hin oder her, mehr denn je eine engagierte Klimapolitik, eine Politik, die nach vorne schaut, die sich darum kümmert, dass unsere Kinder eine lebenswerte Welt vorfinden. Eine Welt, die nicht verbrennt.
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