Leitartikel

In Ebners Namen

 

Die Athesia will den Bettenstopp stoppen. Das freilich würde dem Tourismus im Land nachhaltig schaden.

Die Athesia hat ihren Reichtum mit Zeitungen und Büchern erworben. Und beherrscht damit heute noch den Markt, auch wenn sich mit Zeitungen und Büchern nicht mehr viel Geld verdienen lässt.
Der Medienkonzern (Dolomiten, Adige, Alto Adige, stol, Südtirol1, ...), in dem immer noch ein Ebner regiert – er heißt jetzt Georg und muss aus dem Schatten von Vater Michl treten –, hat seit einiger Zeit ein neues Geschäftsfeld aufgetan, den Tourismus. Der Neue an der Spitze ist ja selbst Hotelier, der im Haus gerne nach dem Rechten schaut.
Beteiligung am Thermenhotel in Meran, Skigebiet in Schnals, Hotel auf der Plose, große Pläne für neue Hotels im Schnalstal und auf der Plose. Hoffentlich muss man nicht auch über diesen Berg bald sagen: Macht, was ihr wollt, man kann ihn nicht noch mehr erschließen.
Eines ist gleich geblieben, wenn der Medienkonzern etwas will. Man nutzt die hauseigenen Medien für seine (politischen, heute mehr wirtschaftlichen) Interessen, verschweigt, macht Druck oder schreibt ungeniert über das Skigebiet im Hausbesitz. Es geht um Macht, aber noch mehr um Geld.
Wenn also die Athesia jetzt den Bettenstopp angreift, weil sie auf der Plose ein Megahotel nicht bauen darf, versucht man wie gehabt, knallhart seine Interessen durchzusetzen, Druck auf die Politik auszuüben. Die sich im ersten Moment unbeeindruckt zeigt. Und im zweiten?
Der Bettenstopp ist so eine Sache, man weiß ja nicht einmal, ob es ein Stopp ist. Denn es kann ja gebaut werden, wenn es eine Tourismuszone und ein genehmigtes Projekt gibt, es gibt Ausnahmen, Aufweichungen, Verlängerungen, jedenfalls eine Dauerdiskussion, vor der nicht viel sicher ist. Und man weiß ja noch nicht einmal, wie viele Gästebetten es in Südtirol gibt.
Seit dem Bettenstopp ist ihre Zahl jedenfalls gestiegen. Damit steigt auch die Wut der Leute auf den Tourismus, mag sie nun den Tatsachen entsprechen oder nicht, und es sinkt die sogenannte Tourismusgesinnung.
Der Bürgermeister von Brixen sagt: keine Chance für das Megaprojekt der Athesia auf der Plose, Frist abgelaufen (siehe Artikel ab Seite 20). Aber jetzt will die Athesia den Bettenstopp zum Einsturz bringen und hat der Landesregierung bereits ein entsprechendes Schreiben zukommen lassen. Wir werden, so der Tenor, euch haftbar machen. Die Regierung muss jetzt standhaft sein.
Und wenn sie das ist, wird die Folge ein Rekurs sein, gegen die Ablehnung des Projekts auf der Plose im Besonderen und gegen das Gesetz zum Bettenstopp im Allgemeinen. Ist es gut genug gemacht, um vor Gericht standzuhalten? Angesichts der sonstigen Güte der Landesgesetze?
Der Athesia-Konzern hat schon immer darauf geschaut, was ihm guttut, sonst wäre er nicht so reich und mächtig geworden. Jetzt versucht er sogar den Bettenstopp einzureißen, auf den sich alle Beteiligten mühsam geeinigt haben. Weil sie wissen, dass ein ungehemmtes Wachstum dem Tourismus nicht nützt, sondern schadet.
Wenn das passiert – und es kann passieren –, kann ein mühsam erreichter Kompromiss zum Einsturz kommen. Das würde dem Tourismus im Land nachhaltig schaden. 

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