Lisa Reichsigl ist Vizebürgermeisterin von Sarntal und voraussichtlich die neue Chefin der Jungen Generation in der SVP. Was reizt die 26-Jährige an der Politik?
Leitartikel
Tragödie im Eis
Unsere Gletscher schmelzen. Wir zerstören ein Erbe, das die Natur uns geschenkt hat. Unsere Kinder werden es zu spüren bekommen.
Das Schmelzen der Gletscher ist ein Drama. Über das wir seit Jahren Bescheid wissen und bei dem wir ratlos träge zuschauen. Wir zerstören damit ein Erbe, das uns die Natur geschenkt hat. In der Titelgeschichte in diesem Heft (ab Seite 16) dokumentieren wir das Verschwinden der Gletscher in Südtirol. Unsere Nachkommen werden vielleicht noch Bruchstücke davon sehen – Eiszungen, die in eine Gerölllandschaft hineinragen. Doch wer in 30 Jahren geboren wird, wird Gletscher in Südtirol nur noch auf alten Fotos betrachten können. Es war einmal.
Was kommen wird, wenn wir nichts (oder zu wenig) tun, das wussten schon der Ökologe Hans Glauber und seine Mitstreiter von den „Toblacher Gesprächen“ vor 40 Jahren. Es ist eine Schande, dass die herrschende Politik nicht (oder zu wenig) auf sie gehört hat.
Wir haben (noch) nicht verstanden, was wir verlieren. Die Gesellschaft nicht, die wegschaut (bis auf ein paar müde-verzweifelte Umweltaktivistinnen), die Politik, die die Maßnahmen zum Schutz des Klimas zurückdreht. In Europa sind es vor allem die sogenannten Volksparteien, in Brüssel die Europäische Volkspartei, zu der auch Herbert Dorfmann, EU-Parlamentarier von der SVP, gehört.
Sie alle arbeiten nicht für die Zukunft.
Dabei haben wir in Südtirol ja noch Glück: Die Gletscherschmelze bedroht uns nicht wie in Nepal, wo ein Eisbruch Tausende Menschen getötet hat. Wir werden die Folgen dennoch spüren, wenn zum Beispiel das Wasser knapp wird.
Manche (vor allem rechte und rechtsextreme Parteien) leugnen den Klimawandel. Deshalb sei es hier noch einmal gesagt: Das Verschwinden der Gletscher, die Erderwärmung, die Klimaschwankungen sind menschengemacht. Wir werden den Klimawandel noch viel mehr zu spüren bekommen als jetzt.
Im Moment ist der Klimawandel ein politisches Unthema. Die Regierenden sind in allem kurzatmig geworden, drehen sich nach dem Wind. Gerade fossilisieren sie die Gesellschaft wieder, fördern Öl und Gas, deckeln den Preis von Benzin, machen das Aus für Verbrennermotoren rückgängig.
Der Grund dafür kann nur Opportunismus sein, das Denken bis zum nächsten Wahltermin. Man läuft den Populisten hinterher, die den Auto-Populismus pflegen und eine Auto-Kratie wollen.
Ist das im Sinne der Zukunft? Sicher nicht. Ist das im Sinne unserer Kinder, die die Klimakatastrophe live erleben werden? Sicher nicht. Ist das im Sinne der Wirtschaft, die der Klimawandel treffen wird, weil er Unsicherheit und Zerstörung erzeugen wird? Sicher nicht.
Bei den letzten ff-talks über Grüne Transformation (www.ff-talks.com) sagte zum Beispiel Thomas Brandstätter, Geschäftsführer der Zipperle AG: „Das Aus vom Verbrenner-Aus ist die sinnloseste Rückruderaktion, die ich je gesehen habe.“ Vielleicht muss die Wirtschaft noch mehr werben für ein Wirtschaften, das ökonomisch und ökologisch zugleich ist. Damit kann man auch gutes Geld verdienen.
Die Gletscherschmelze ist vermutlich nicht mehr aufzuhalten. Wenn wir aber ein halbwegs gutes Leben haben wollen, müssen wir schauen, dass es wenigstens nicht noch schlimmer wird.
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