Die Motorrad-Instruktorin traut sich alles zu und hat immer Tonic Wasser im Kühlschrank.
Leitartikel
Mehr davon!
Das Afi und ihr Direktor Stefan Perini sagen, was ist. Das gefällt der Politik nicht. Dabei brauchen wir die Leute, die die Lage nicht schönreden.
Das Afi (Arbeitsförderungsinstitut) ist eine Einrichtung, die auf Dinge aufmerksam macht, die unbequem sind, die Politiker an der Macht nicht gerne hören. Auf zu niedrige Löhne, auf Menschen, die mit ihrem Einkommen nicht ans Monatsende kommen, auf Lebenshaltungskosten, die in Südtirol weitaus höher sind als im restlichen Italien.
Das Afi malt nicht schwarz, aber es malt die Dinge auch nicht schön. Es stört die schönfärberischen Botschaften, die die Landesregierung gerne verbreitet. Soll es deshalb jetzt an die kurze Leine gelegt werden?
Die Landesregierung, allen voran Landeshauptmann Arno Kompatscher, sind notorisch nicht erfreut darüber, wie Afi-Direktor Stefan Perini sich immer wieder einmischt – auf der Grundlage von Fakten. Perini ist jemand, der sich nicht einschüchtern hat lassen, der politisch tätig ist (für die „falschen“ Parteien), er hat einen Vertrag beim Institut bis 2030. Aber lässt es sich gut arbeiten, wie weit reicht der Mut, wenn von ganz oben Dauerdruck kommt?
Das Afi wird von Gewerkschaften und Sozialverbänden getragen, es bekommt Beiträge vom Land. Soll es deshalb die Dinge schönreden? Nein. Wer das meint, hat ein falsches Verständnis von Förderung. Förderung ist auch Förderung zur Unabhängigkeit. Und ist es nicht der Job der Gewerkschaften, auf Missstände aufmerksam zu machen, auf die Nöte der Angestellten? In Südtirol sind sie ja ohnehin sehr leise, die Gewerkschaften.
Das Afi soll, so der Plan der Landesregierung, in eine Stiftung oder eine Landesabteilung umgewandelt werden. Das würde seine Unabhängigkeit zerstören, dann wäre es ein Wasserträger der Politik, überflüssig.
Dissens ist in Südtirol immer noch eine Sünde in den Augen derer da oben. Das musste soeben Gabriele Morandell erfahren, die Vorsitzende der sozialen Mitte, nachdem sie im ff-Podcast „Aus der Blase“ Kritik am Landeshauptmann geübt hatte. Sie wird jetzt ihren Posten als Generalsekretärin der Region aufgeben (müssen). Dissens ist in Zeiten, in denen die herrschende Politik Erscheinungsbild und Botschaft sorgsam kuratiert, ein Risiko. Man nennt es „message control“, es darf draußen nur ankommen, was von innen abgesegnet ist.
In unserer, polarisierten, Gesellschaft sind die Räume für Debatte und Kritik eng geworden, man hört einander kaum zu, will recht haben, kann auf keinen Fall dem Gegner zustimmen. Auch wenn er vielleicht die besseren Argumente hätte. So fallen viele sinnvolle Vorschläge unter den Tisch. Das hemmt Veränderung. Man sieht es im Moment in Italien: Die Menschen protestieren, aber man denunziert sie als Störenfriede, nimmt den kleinen Teil des gewalttätigen Protests für das Ganze. So muss man nichts tun.
Landeshauptmann Arno Kompatscher kann den Auftritt, er ist ein guter Redner, er ist smart – und eitel. Er ist seinem Vorgänger ähnlicher, als ihm lieb ist, im Umgang mit Kritik. So leicht vergisst er nicht. Er sollte nicht nur Leute um sich scharen, die zu allem Ja sagen. Die Politik braucht couragierte Menschen, die den Finger in die Wunde legen. Mehr davon! Wir brauchen sie. Wir sollten sie einladen, statt auszustoßen.
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