Panorama

Corona-Pandemie – Studie: „Gesellschaft nicht gespalten“

Hat Corona den sozialen Zusammenhalt geschädigt? Zwei Jahre haben Forscherinnen und Forscher der Eurac an dieser Studie gearbeitet. © Alexander Alber
 

(aa) Im Regierungsprogramm für diese Legislatur ist die „gemeinschaftliche Aufarbeitung der Corona-Jahre“ festgeschrieben. Mit dieser Woche kann die zuständige Soziallandesrätin Rosmarie Pamer diesen Punkt mit einem Häkchen versehen. Erledigt.
Diesen Donnerstag (nach ff-Redaktionsschluss) wird in einer eigenen Pressekonferenz die entsprechende Studie von Eurac Research vorgestellt. Zwei Jahre lang haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler daran gearbeitet. Sie haben Medienberichte und amtliche Dokumente analysiert und den öffentlichen Diskurs da­rüber rekonstruiert. Sie haben Gruppendiskussionen mit Menschen aus allen Landesteilen geführt (11 Gruppen à 7 bis 10 Personen). Und sie haben eine repräsentative Befragung von 1.424 Personen durchgeführt. Ziel der Studie: herausfinden, ob die Pandemie den sozialen Zusammenhalt in Südtirol geschädigt hat. Die Studie kommt zu einem klaren Fazit: Die Pandemie hat die Gesellschaft im Land nicht gespalten, aber sie hat zu erheblichen Beziehungsschäden geführt. Christoph Kircher, Soziologe und wissenschaftlicher Leiter der Studie, sagt zu ff: „Etwa 11 Prozent der Bevölkerung haben eine polarisierte Position eingenommen. Der große Rest hat sich ambivalent positioniert. Empirisch kann man also nicht sagen, dass es zwei polarisierte Lager geben würde.“
74 Prozent der Befragten gaben an, in der Pandemie mindestens einen Konflikt ausgetragen zu haben. 41 Prozent gaben an, dass sich die sozialen Beziehungen aufgrund dieser Konflikte verschlechtert hätten – das wirke bis heute nach. Das, sagt Kircher, sei das wohl dramatischste Ergebnis der Umfrage. „Es gibt keine Spaltung, aber ein stark belastetes Beziehungsgefüge.“
Die Hintergründe für die Konflikte machen die Forschenden daran fest, dass man in der Pandemie selbst im kleinsten Kreis nicht umhin konnte, nicht über Corona zu reden. Es gab einen Bekenntniszwang. Dieser Zwang, gekoppelt mit einem stark polarisierenden öffentlichen Diskurs sorgte dafür, dass Personen sich stritten – auch dann, wenn sie selbst keine radikalen Meinungen vertraten. „Es lag vielfach nicht an den Menschen, sondern am Diskurs“, so Kircher. „Vielleicht kann diese Erkenntnis helfen, die Menschen wieder zusammenzubringen.“
Mit dabei in der Studie sind auch Handlungsempfehlungen für die Politik. „Es ist wichtig“, sagt Kircher, „dass wir in der nächsten Krise kommunikativ anders miteinander umgehen und sprechen.“ 

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