Politik

Bär & Wolf

Aus ff 51 vom Donnerstag, den 21. Dezember 2017

Bär und Wolf
© freepik, ff-Grafik
 

... suchen in der alpinen Weihnachtskrippe noch ihren Platz. Aber Großraubtiere neben Schafen?

Noch sind sie im Krippenangebot der Grödner Holzschnitzerindustrie Mangelware – der Bär und der Wolf. Dabei wäre es an der Zeit, die beiden Großraubtiere in das Figurensortiment alpiner Weihnachtskrippen aufzunehmen. In der Realität, sprich in der lokalen Almwirtschaft, haben sich die beiden ihren Platz bereits tatkräftig erkämpft – wenngleich auch nur als Buh!-Viecher. Ihre bissigen Methoden haben Kleintierzüchter und Bergbauern diesen Sommer wie noch nie auf die Palme gebracht. Kaum eine Woche, ohne dass beide mit negativen Schlagzeilen bedacht worden wären. Im medialen Trommelfeuer wurde gar der drohende Tod der Südtiroler Almwirtschaft heraufbeschworen. Vergessen wurde dabei, dass das Land bis dato keine gesetzliche Handhabe hat, um die Großraubtiere aus den Verkehr zu ziehen (sofern sie nicht auch Menschen angegriffen haben). Bär und Wolf gehören zu den am besten geschützten Wildtierarten in Europa; auf illegale Abschüsse drohen Gefängnisstrafen. Weil sich mit Bär und Wolf auch bestens Politik machen lässt, machten einzelne Medien, (Oppositions-)Politiker und Verbände kräftig Stimmung. Bauern sorgten sich berechtigterweise um ihr Almvieh – verabsäumten es großteils aber auch, entsprechende (vom Land mitfinanzierte) Präventionsmaßnahmen zu ergreifen.
2017 wurden 29 Bärenrisse an Schafen, Ziegen und Kälbern gezählt, für 40 Risse war der Wolf verantwortlich (gesamte Schäden im Jahr davor: knapp 6.000 Euro). Zum Vergleich: Mehr als 1.000 Weidetiere kommen jährlich durch Unwetter oder Unfälle zu Tode. Was also anstellen mit den Räubern und Ikonen des Ökosystems? Wer eine realitätsnahe Weihnachtskrippe haben will, wird nicht umhinkommen, die Ungeliebten in gebührendem Sicherheitsabstand von Schafen und Ziegen aufzustellen. Noch besser: Herdenvieh einzäunen und einige Hirten (samt Hirtenhunden) mehr aufzustellen. Dann wird auch für bislang Ungläubige sichtbar, dass Bär und Wolf schon die Trennung zwischen Wildnis und Kulturraum bereits aufgehoben haben. 

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