Politik

Es ist angerichtetAuf den Aufklärungsfotos der amerikanischen Bomberstaffeln, die ab Ende 1943 Bozen

Die Justiz ist nach dem Einsturz des Gerichtspalastes obdachlos: Was bleibt, sind Erinnerungsfotos und viele offene Fragen.

Auf den Aufklärungsfotos der amerikanischen Bomberstaffeln, die ab Ende 1943 Bozen mehrfach angriffen, ist die Stadt von oben zu sehen – auch das gerade im Bau befindliche Gerichtsgebäude. Historiker Hannes Obermair hat die Bilder im Zuge einer Recherche vor einigen Monaten ausgegraben. Er sagt: „Die Aufnahmen sind fantastisch, da sie den Zustand vor 1945 dokumentieren und wie stadtarchäologische Zeichnungen wirken.“
In den darauffolgenden Jahrzehnten ist die Zone rund um den Gerichtsplatz dicht bebaut worden. Bozen hat sich verändert. Die größte Veränderung der vergangenen Tage war der Einsturz des Justizpalastes am 16. Juli in aller Frühe. Eingestürzt sind dabei ein Teil der Verhandlungssäle und einige Büros, unter anderem jenes im modernen Zubau, in dem Gerichtspräsidentin Francesca Bortolotti anzutreffen war.
Zur Entstehungsgeschichte des Gerichts finden sich nur wenige Unterlagen. Im Stadtarchiv Bozen, erklärt Aaron ­Ceolan, befindet sich der Bauakt nicht – obwohl er dort sein sollte. Der Archivar hat lediglich einige Zeichnungen des Grundrisses und Bilder aus jener Zeit gefunden. Interessantes Detail: Für den Bau des Gerichtsgebäudes mussten die Besitzer von ­­
14 Wohngebäuden enteignet werden. In der Gegenwart geht es nun darum, den Gerichtsbetrieb in den Ausweichunterkünften weiterlaufen zu lassen – so gut es geht. Und natürlich: entscheiden, wie es mit der Ruine am Gerichtsplatz weitergeht. 

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