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Wirtschaft

Isolation? Nicht im Netz

Homeoffice, Filme streamen, Onlinespiele: Digitale ­Kommunikation ist in der Coronakrise gefragter denn je.

Der Sohn beim Zocken im Netz, die Tochter beim Streamen eines Netflix-Films, der Vater im digitalen Klassenregister der Schule, die Mutter beim Homeoffice in einer Videoschalte mit Kollegen: In der Coronaisolation hält die digitale Welt mehr denn je Einzug in den Alltag. Die Frage, die sich stellt: Hält das das Netz aus?

Europaweit nimmt der Datenverkehr durch die Einschränkungen der Coronapandemie zu. Wie ausgeprägt der Anstieg des Datenvolumens im Internet ausfällt, insbesondere beim Hochladen von Daten, zeigt sich am Milan Internet Exchange (Mix), dem größten nationalen Internetknotenpunkt für Provider. Nach Einführung der Ausgangssperre ist die ausgetauschte Datenmenge in nur wenigen Tagen von -0,75 auf 1,1 Terabit pro Sekunde angestiegen, also um rund ein Viertel. Auch der DE-CIX, Europas Internetknoten mit dem höchsten Datendurchfluss, vermeldete am 10. März einen neuen Spitzenwert: 9,1 Terabit pro Sekunde.

Nationale Telekommunikationsanbieter wie Vodafone oder Fastweb beobachten beim Mobilfunk eine Zunahme des Verkehrs um 20 Prozent, während er beim Festnetz in Norditalien bis zu 40 Prozent beträgt. Massiv zugenommen hat der Sprachverkehr, bei Vodafone um 40 Prozent.

Im Netz der Brennercom beobachtet man derzeit einen Anstieg des Datenvolumens um 15 bis 20 Prozent. „Der Wert ist dem Wegfall des Wintertourismus geschuldet, ansonsten wäre dieser zu Hauptverkehrszeiten noch wesentlich höher“, sagt Josef Morandell, Direktor des Bozner Telekommunikationsanbieters. Laut der Branche ist die Sorge unbegründet, dass sich nunmehr die Netze verstopfen könnten oder gar ein Blackout drohe. „Probleme ergeben sich nur dann, wenn Nutzer für den Datenverkehr die Netze anderer Provider bnutzen, die einen weit höheren Anstieg des Datenvolumens und eine Überlastung in ihrem Netz vorliegen haben“, sagt Morandell. Die Brennercom habe die eigenen Kapazitäten zu allen Partnern ausreichend dimensioniert, wesentliche Internetknoten wie Mix oder DE-CIX, erreiche man über eine eigene Hauptrolle, einen internationalen so genannten Backbone-Ring.

„Ein größeres Problem ist, dass wir einen Dominoeffekt erleben, der sprungartig und weltweit den Bedarf an Smart-Working-Lösungen hat steigen lassen“, sagt Martin Plunger, Gründer und Geschäftsführer des Südtiroler IT-Unternehmens ACS Data Systems. Überlastungen und Netzwerkprobleme habe man international mittlerweile im Griff.

IT-Unternehmen und Telekommunikationsanbieter arbeiten verstärkt daran, ihre Kunden bei der Einrichtung von Homeoffice-Arbeitsplätzen zu unterstützen. Die Brennercom erhöht etwa kostenlos die Bandbreite der Internetzugänge für Privat- und Homeoffice-Kunden mit Glasfaseranschluss, um Engpässe auf der „letzten Meile“ zu vermeiden.

Derweil wird auch der Ruf nach einer schnelleren Einführung von 5G, der umstrittenen 5. Generation des Mobilfunks, lauter. „In Fachkreisen wird darüber nachgedacht, ob man die strenge EU-Verordnung nicht vorübergehend lockern sollte“, sagt Elmar Grasser, Technologiechef des Schweizer Telekommunikations-Unternehmens Sunrise. „Jetzt, da mehr telefoniert wird und Daten verbraucht werden, scheint die Angst vor der elektromagnetischen Strahlung geringer zu werden.“

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