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Wirtschaft

Saubere Sache

Cafa
Was vorher nur für den Eigengebrauch vorgesehen war, wird jetzt in großen Mengen hergestellt: Produktion von Desinfektionsmitteln in der Meraner Obstgenossenschaft Cafa. © Alexander Alber
 

Mit der Coronapandemie sind Desinfektionsmittel knapp geworden. Die Meraner Obstgenossenschaft Cafa produziert welche – aus Solidarität.

Normalerweise sind es große Laster, die die Meraner Obstgenossenschaft Cafa um diese Jahreszeit ansteuern. Es gilt, rund 45 Millionen Kilo Äpfel – die eingelagerte Apfelernte des vergangenen Jahres – in den Handel zu bringen. Doch neuerdings fahren neben den Trucks auch Rettungswagen des Weißen Kreuzes, Feuerwehrautos und Einsatzfahrzeuge des Zivilschutzes vor. Statt Kisten voller Golden Delicious, Gala & Co. laden sie Kanister und Fässer auf, gefüllt mit Desinfektionsmittel.

Seitdem diese durch die Coronapandemie Mangelware sind, hat die Obstgenossenschaft in Untermais ihre kleine Produktion für den hauseigenen Bedarf hochgefahren: Seit rund zwei Wochen stellt sie Desinfektionsmittel für Krankenhäuser, Seniorenheime und andere wichtige öffentliche Einrichtungen her – ohne Gegenleistung.

Anders wie andere Obstgenossenschaften im Lande, die Desinfektionsmittel zukaufen, hat die Cafa vor rund zehn Jahren dafür ein spezielles Gerät angeschafft: Durch Elektrolyse spaltet es eine gesättigte Kochsalzlösung in eine hypochlorige Säure (Anolyt) und in eine Natronlauge (Katolyt). Erstere gibt ein perfektes Desinfektionsmittel ab, das Bakterien und Viren innerhalb weniger Minuten tötet (das Katolyt gibt als alkalische Lösung eine ausgezeichnete Waschflüssigkeit ab). Das Mittel kann sogar vernebelt werden, um damit ganze Räume zu desinfizieren.

„Wir sind ein lebensmittelverarbeitender Betrieb und haben hohe Hygiene-standards einzuhalten. Weil die Anlage keimfrei gehalten werden muss, brauchen wir Desinfektionsmittel, die wir im Haus herstellen“, klärt Cafa-Geschäftsführer Karlheinz Schönweger auf.

Das Elektrolysegerät ist nun Tag und Nacht in Betrieb. Je nach -Sättigungsgrad werden stündlich um die 50 Liter des Desinfektionsmittels hergestellt. Hat zu Beginn der Aktion die Algunder Sennerei mit 10-Kilo-Jogurtkübeln für die Abfüllung ausgeholfen, so wird das Mittel nunmehr fast ausschließlich in 1.000- Liter-Fässern abtransportiert.

„Das ist keine Hexerei: „Wir haben Wasser, wir haben Salz und den Strom liefert großteils unsere Fotovoltaikanlage auf dem Dach“, sagt Schönweger. Die Mehrkosten seien bescheiden. Man möchte einen kleinen solidarischen Beitrag angesichts der schweren Krise leisten, sagt Schönweger. Er vergisst auch nicht, den Ideengeber der Aktion in der Person von Heini Erlacher zu erwähnen, dem technikaffinen Sortierleiter der Genossenschaft.

Mittlerweile hat der Südtiroler Zivilschutz die Abholung des Desinfektionsmittels übernommen, um es gemäß einer Prioritätenliste an verschiedene Einrichtungen zu verteilen.

Doch es war vergangene Woche die Frage eines Krankenhaus-Apothekers, die die Verantwortlichen des Zivilschutzes aufschreckte: Ist das Mittel, das zwar zur perfekten Desinfektion von Räumen, Fluren, Arbeitstischen und -geräten taugt, auch für die Handdesinfektion geeignet?

Es ist eine Frage, die seitdem auch Zivilschutz-Landesrat Arnold Schuler beschäftigt. Weil es gemäß den staatlichen Normen mehr rechtliche als praktische Zweifel gibt, hat man das Mittel bis dato nur für die Flächendesinfektion freigegeben.

„Wir prüfen derzeit die Normen zur europäischen Zulassung dieses Mittels. Wenn das passt, können wir es für die Handdesinfektion freigeben“, sagt Arnold Schuler.

Der Landesrat ist zuversichtlich, auch weil das mit gleichem Verfahren hergestellte Mittel in deutschen Krankenhäusern schon lange in Verwendung ist.

In Zeiten von Corona muss eben alles besonders sauber zugehen.

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