Unverstanden
Corona und der Umgang damit wird immer mehr zu einer Glaubensfrage. Es vermischen sich Kritik, Wut und krude Theorien. Die Feindbilder sind Politiker, Behörden und Medien. Für Zwischentöne gibt es kaum noch Platz.
Aus ff 46 vom Donnerstag, den 12. November 2020

Eigentlich wäre er jetzt in Georgien. Das Land liegt gut 3.500 Kilometer von Bozen entfernt, legt man die Strecke mit dem Auto oder dem LKW zurück. Seine Leute arbeiten dort, sie sind gerade dabei, eine neue Anlage in Betrieb zu nehmen – sie müssen sich dafür alle zwei Tage einem Test auf Covid-19 unterziehen.
Vor ein paar Monaten ist eine Flotte von LKWs von Bozen nach Georgien aufgebrochen. Die Laster hatten Kabel, Rohre, Stangen und Schneekanonen geladen. Und die komplexe Software, die eine Beschneiungsanlage erst ins Laufen bringt. Sie brachten alles mit außer dem Beton
Corona und der Umgang damit wird immer mehr zu einer Glaubensfrage. Es vermischen sich Kritik, Wut und krude Theorien. Die Feindbilder sind Politiker, Behörden und Medien. Für Zwischentöne gibt es kaum noch Platz.
Die Kampagne des Landes „Jetzt alle“ gegen die Verbreitung des Coronavirus scheint strategisch gut gemacht zu sein. Trotzdem ist sie bedenklich – findet Brigitte Andres.
Die Gefahr, sich in Verschwörungstheorien zu flüchten, steigt, wenn die Bewältigung des Problems schwieriger wird. Die Soziologin Kristina Stoeckl sagt: „Jeder kann versuchen, aufklärend zu wirken.“ (Interview zum Titelthema "Unverstanden")
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