Wirtschaft

Zwischenruf der Herren

Das Landesmuseum für Tourismus in Schloss Trauttmansdorff, umgeben von den gleichnamigen botanischen Gärten. © Alexander Alber
 

Helen Seehauser, Chefin des Zeremoniell-Amts im Landtag, wird Direktorin im Touriseum. Das gefällt nicht allen.

Die gemeinsame Presseaussendung der beiden Herren ließ vergangene Woche aufhorchen. Paul Rösch und Hans Heiss kritisieren darin die Ernennung der bisherigen Chefin des Zeremoniell-Amts des Landtages, Helen Seehauser, zur neuen Direktorin des Landesmuseums für Tourismus, dem Touriseum.
Die beiden Herren wähnen sich darin „in Sorge über die Zukunft eines Museums, zu dessen Gründung und Führung wir in unterschiedlichem Ausmaß beigetragen haben“. Dabei gehen Rösch – Koordinator und Gründungsdirektor des Touriseums – und Heiss – ehemals Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats des Museums – die designierte Direktorin scharf an.
Wörtlich heißt es: „Ohne Fachwissen zu Tourismus und seiner Geschichte, das sie sich erst erarbeiten muss, ohne Erfahrung im musealen Management, das längst eine Spezialdisziplin darstellt, zudem gefordert in Besucher- und Mitarbeiterinnen-Betreuung, stellt sich mit Nachdruck die Frage, ob die Anwärterin die geeignete Führungskraft ist.“
Schießen die beiden honorigen Herren mit ihrer Kritik über das Ziel hinaus? Ist es legitim und opportun, eine weibliche Führungskraft ohne politisches Amt, die in einem gesetzlich geregelten Bewerbungsverfahren ausgewählt wurde, solcherart ins Rampenlicht zu stellen, wenn die Kritik doch vielmehr einer anderen Adresse bedürfte?
Dass Expertise bei der Besetzung von Führungspositionen in der Landesverwaltung grundsätzlich oft zweitrangig ist, ist seit der Einführung des sogenannten Führungskräftegesetzes leider eine Tatsache. Rösch und Heiss weisen in ihrem Schreiben zurecht darauf hin, wenn sie schreiben: „Das Führungskräftegesetz des Landes sieht keine Besetzung primär nach Fachwissen und Erfahrung vor, sodass allgemeine, amtlich bekundete Führungskompetenzen für die Ernennung ausreichen, was sehr fragwürdig ist: Man stelle sich vor, was wäre, wenn das Landesamt für Geologie nicht von einem erprobten Geologen oder die Abteilung Landwirtschaft von einem Bürokraten ohne agrarische Kenntnisse geführt würden.“ Dass eine solche Vorstellung so abwegig nicht ist, haben in jüngster Vergangenheit gleich mehrere Beispiele gezeigt.
So wird etwa die Direktorenstelle in der Agentur Landesdomäne ab 1. August mit einer völlig fachfremden Person nachbesetzt – einer Juristin, der bislang die Leitung der Verwaltung von zwei Krankenhäusern oblag. Dabei ist das Aufgabenfeld der Domäne mit seinen forst- und agrarwirtschaftlichen Betrieben oder der Wildentnahme in den Wildschutzgebieten – um nur einige wenige Bereiche zu nennen – nicht nur breitgefächert und hochkomplex, sondern auch sehr fachspezifisch (ff 17/2026).
Anderes Beispiel: die Besetzung der Abteilung Raumordnung mit dem ehemaligen Generaldirektor des Südtiroler Sanitätsbetriebes, Florian Zerzer. Mit Virna Bussadori stand der Abteilung eine (international) angesehene Urbanistikexpertin vor. Ihr Vertrag wurde nicht verlängert – weil sie ein Varianteprojekt auf der Lüsner Alm ihres Chefs, Landesrat Peter Brunner, verhindert hatte? Belastbare Gründe für ihre Ablösung ist der Politiker bis heute schuldig geblieben.
Auch im Museumsbereich hat man sich Anfang des Jahres über die fachfremde Besetzung des Landesamtes für Museen und museale Forschung gewundert. Mit seiner Leitung wurde Andrea Zeppa betraut, der zuvor Sonderbeauftragter der Regierung für die Haushaltsüberprüfung gewesen war.
Die Liste ließe sich fortführen. Es ist das von der Regierung Kompatscher gewollte Führungskräftegesetz nach staatlichem Vorbild, das seit seiner Einführung für kuriose Personalrochaden sorgt. Und zu Unmut und Demotivierung bei vielen Landesangestellten führt – nicht zuletzt auch wegen damit verbundener enormer Gehaltsunterschiede (ff 30/2025).
Die Besetzung von Führungspositionen mit mitunter „fachfremdem Personal“ ist die logische Folge eines Gesetzes, das ursprünglich so etwas wie eine „Verwaltungsinnovation“ (Arno Kompatscher) einleiten sollte. Warum aber sollten sich Führungskräfte einem solcherart gesetzlich geregelten Bewerbungsverfahren verschließen, wenn sie Lust auf einen anderen Job, auf eine andere Funktion haben?
„Ich wechsle nur Job. Das ist alles. Punkt.“ So sagt es die von Röschs und Heiss’ Kritik direkt Betroffene: Helen Seehauser. Für weitere Fragen verweist sie auf Angelika Fleckinger, Direktorin des Betriebs Landesmuseen und ab
1. November neue Chefin Seehausers.
Die Lust, Job zu wechseln, ist für Helen Seehauser groß. Ein anonymes Schreiben, in dem diverse Anschuldigungen gegen sie als Chefin des Zeremoniell-Amts des Landtages vorgebracht wurden, scheint ihr zugesetzt zu haben; auch wenn eine damit einhergehende Prüfung keinerlei Fehlverhalten feststellen konnte.
Im Gegenteil: Seehauser wurde am 13. Mai in ihrer Funktion wiederbestätigt. „Sie hat eine ausgezeichnete Arbeit gemacht, schade, dass sie geht“, sagt Arnold Schuler, der als damaliger Landtagspräsident das Prüfungsverfahren eingeleitet hatte. Man müsse halt respektieren, wenn jemand neue Herausforderungen suche, sagt der nunmehrige Vize-Präsident.
Seehauser nimmt mit ihrem Wechsel ein geringeres Gehalt in Kauf, bisher verdiente sie 110.000 Euro. So ist das Amt für Zeremoniell, Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit des Landtages mit der Bewertung B4 gleich hoch eingestuft wie größere Landesämter, etwa das Amt für Personalaufnahme oder die Familienagentur. Das Direktionsamt des
Touriseums wird mit B2 bewertet und ist darum weniger „gewichtig“.
„Es gibt immer noch Menschen, für die der finanzielle Aspekt nicht die oberste Priorität hat, sondern die Begeisterung für eine Tätigkeit und Aufgabe. Und Frau Seehauser scheint mit Freude und Leidenschaft ihre neue Aufgabe wahrnehmen zu wollen“, sagt Angelika Fleckinger. Sie erinnert daran, „dass keiner der bisherigen Direktoren des Touriseums zum Zeitpunkt seiner Ernennung ein ausgewiesener Tourismusexperte war. Alle mussten sich zunächst in das Themenfeld einarbeiten“.
Die Leiterin des Landesbetriebs Museen findet es zudem erfreulich, dass die seit dem Abgang Röschs als Touriseum-Chef nicht vergebene Direktionsstelle nach vielen Jahren endlich ausgeschrieben und besetzt werden konnte.
Zur Erinnerung: Das Touriseum war interimistisch vom Direktor des Landesmuseums Schloss Tirol, Leo Andergassen, geleitet worden, der zudem noch für Schloss Velthurns verantwortlich ist. Das Versprechen von Landeshauptmann Arno Kompatscher anlässlich der Elisabethmesse auf Schloss Tirol im Jahr 2016, die Direktionen nicht zusammenzulegen, war schnell in Vergessenheit geraten; es fehlte hierfür ganz einfach der
politische Wille.
Statt in der Besetzung auch eine Stärkung des Museums erkennen zu wollen, kündigen Rösch und Heiss in ihrer Stellungnahme an, der designierten Direktorin genau auf die Finger zu schauen. Sie schreiben: „Würde die notorische Unterbesetzung durch einen problematischen Führungsstil verschärft, wäre dies für das Touriseum denkbar negativ.“
Angelika Fleckinger wundert sich darüber. Und zwar, „dass gerade in diesem Fall erneut die Kompetenz und das Entwicklungspotenzial einer Frau infrage gestellt werden. Männer hingegen scheinen oftmals Aufgaben übernehmen zu können, ohne dass ihre Eignung in vergleichbarer Weise öffentlich hinterfragt wird. Diese unterschiedlichen Maßstäbe geben Anlass zum Nachdenken“.

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