Marcello Fera ist eine Fixgröße im Südtiroler Musikbetrieb, als Geiger, Komponist und Dirigent. Über ein Leben an der Grenze.
Außensicht
Jannik Sinner: Gustav Thöni dixit
Aus ff 09 vom Donnerstag, den 29. Februar 2024
Feedback. Nichts erwärmt ein Journalistenherz mehr als das Feedback, eine Reaktion auf das, was wir schreiben. Ob positiv oder negativ, Lob oder Verriss, egal. Nur wenn nichts „zurückkommt“, zerrüttet das unser Selbstvertrauen. Ich bin inzwischen journalistisch mehr Voyeur als Akteur, erfreu’ mich eher am Wirken der Berufskollegen und bilde mir ein zu wissen, was wieder mal ein Feedback auslösen müsste – erheiterndes oder empörtes, wie gesagt, egal.
Manchmal täusche ich mich. Da lese ich Aussagen, von denen ich wissen will, die müssten doch ein Echo erzeugen. Weil, sie sind schlicht zu gut, zu geil, zu ungeheuerlich, je nachdem. Kommt nichts, dann warte ich ein Weilchen, denk mir, ach die Kollegen, sind auch nicht mehr pronto. Oder, schlimmer, liest denn überhaupt kein Mensch mehr die Zeitung? Und so reagiere halt ich hier.
Es stand neulich in der Gazzetta dello Sport, kein Nischenblattl, sondern das Hauptorgan des Massengeschmacks. Da wurde Gustav Thöni zu Jannik Sinner befragt und ob er nicht denke, an dem sei ein möglicher Ski-Champion verloren gegangen. Ist keine weiß Gott welch geistreiche Frage, aber Thönis Antwort hat es in sich: Beh, liest sie sich sinngemäß, beh, gescheiter, der Sinner ist beim Tennis geblieben, das ist weniger gefährlich als Skifahren.
Nun, alle Gustav-Thöni-Antworten auf Journalistenfragen, auch auf die dümmsten, das wissen wir seit 50 Jahren, sind höflich, wohl überlegt, klug und von unvergleichlicher Wirkkraft. Gescheiter Tennis spielen als Ski fahren, „weil es weniger gefährlich ist“.
War je eine Aussage unwiderlegbarer? Und das aus dem Munde eines Ski-Champions! Ihm hat kein Rhetorik-Coach je die Sprache verdorben. Thöni ist unverderbbar. Er sagt, was ist. Punkt. Selbst der Gazzetta-Redakteur, der den Thöni-Satz aufgeschrieben hat, erkannte die Sprengkraft darin, den Reiz dieser Perle von Satz, nicht. Er schrieb einfach weiter. Thöni, unser aller Gustav! Wir verdienen dich nicht.
von Florian Kronbichler | Journalist, ehemaliger Chefredakteur der ff
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