Außensicht

Schweinereien in New York: Marcos Specktakel

Gepökeltes Schweinefleisch, man muss das einmal klarstellen, zählt zu den ungesünderen Dingen, die ein Mensch in sich hineinschaufeln kann. Das sagt die WHO, das sagen die Krankenkassen, das sagt selbst das Männermagazin GQ unter der schönen Dachzeile „Ist Speck der Tod?“. Natürlich nicht, will man als Liebhaber der Materie ausrufen. Aber dann blickt man auf Marco Galateo. Und beginnt wieder zu zweifeln.

Der Mann, aufgestiegen vom Hinterbänkler zum Hinter­schinken, hat über die Jahre erkennbar ein ungesundes Verhältnis zum Speck entwickelt: Blutdruck? Darmkrebs? Nein, eine krankhafte Obsession. Schon im Sommer 2023, damals in der Minderheit, kämpfte Galateo für ein Verbot von „Laborfleisch“, weil er sich Sorgen um die Reinheit seines Stoffs machte. Anfang Mai schwärmte der Landes­rat beim Specktag in Naturns über seine Sucht: Immer habe er Speck daheim, denn „Speck macht fröhlich!“ Mittlerweile hat die Droge, wie bei vielen Abhängigen, Auswirkungen auf seinen Job: Ende Juni schmuggelte Galateo heiße Ware nach New York, pries sie auf dem Szene­treffen „Fancy Food“ an wie ein Dealer: „When people is eating speck, they are not only eating speck“, sagte er, denn „speck means family!“. Spricht so ein Mann, der sich unter Kontrolle hat? Weiß Galateo noch, dass er Landeshauptmann-Stellvertreter ist und nicht stellvertretende Speckkönigin?

Galateo freilich sieht sich als Förderer. Er habe den Speck nur begleitet, um ihn in den USA groß zu machen, sagte er den verblüfften Journalisten. Schön wär’s! Ich bin sicher, dass Marco Galateo den Speck mehr braucht als der Speck ihn. Wo gehobelt wird, fallen Späne, und wo gepökelt wird, steht Marco g.g.A.lateo, um sich im Fettglanz der Schwarte zu sonnen. Schon jetzt hat der Speck aus ihm einen anderen Menschen gemacht: Noch im April 2023 brachte er stolz einen Antrag durch den Landtag, um „prodotti a chilometro zero“ zu fördern – Galateo, der Globalisierungsgegner! Nun schaut derselbe Mann zu, wie ein deutsch-niederländisches Schwein in Südtirol geräuchert wird, damit ein italienischer Patriot es nach Amerika fliegen und in New York aufschneiden kann. Che porcheria.

von Anton Rainer | Stellvertretender Leiter des Ressorts Kultur beim Spiegel in Hamburg

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