Das Museion in Bozen zeigt die Werke aus der Sammlung von Enea Righi. Man muss sich schon bemühen, damit seine Kunst „das Denken erleichtert“.
Außensicht
Medien: MidRai-Krise
Aus ff 42 vom Donnerstag, den 17. Oktober 2024
Kollegenschelte ist doof und gar nicht elegant, drum soll das jetzt auch gar keine sein, sondern vielmehr eine inständige Bitte an ein geschätztes Medium: Rai Südtirol, holt die Angel aus dem seichten Gewässer, dort fischt sich nicht gut.
Ich mag mich täuschen, aber mein persönlicher Eindruck ist, dass der Sender sich in letzter Zeit gewandelt hat. Nun holt der grundsolide Onkel, der dich zuverlässig mit Neuigkeiten aus nah und manchmal auch fern versorgt, im Gespräch immer wieder mal unvermutet eine Baseballkappe raus, setzt sie mit Schild nach hinten auf den ergrauten Schopf und radebracht, untermalt von ungelenken Handbewegungen, ein „Yo was geht?“ Darauf folgt ein Exkurs zu Jannick Sinners Liebesglück, zu einem Engländer, der sich in seinem Sofa vor der Polizei versteckt, oder zu entbehrlichen Neuigkeiten zu C-Promis, die in Südtirol urlauben. Ganz arg war es, als der Onkel, sonst so seriös, sich dazu herabließ, das unsägliche Messner-Dramolett nicht bloß zu thematisieren, sondern Besagtem samt Angetrauter auch noch ein Mikro vor den Latz zu knallen.
„Wieso denn bloß?“ möchte man den Sender fragen: Hat er etwa eine MidRai-Krise? Gibt es im Land nicht schon genug Nachrichtenportale, die ihren Bildungsauftrag darin sehen, die Bevölkerung mit Klatsch und Kuriosem zu versorgen? Brauchen wir wirklich noch eine Quelle der Nichtigkeiten, der Nicht-Informationen, denen man eigentlich keinen Platz im Kopf einräumen möchte? Sollte man es sich nicht vielmehr zur Aufgabe machen, die Hörer und Seherinnen ausschließlich mit sorgfältig ausgewählten Nachrichten von einer gewissen Relevanz zu versorgen und sich damit abheben vom Rest?
Ich weiß, ich bin streng, aber ich respektiere den Onkel zu sehr, als dass ich über seine befremdlichen Versuche, sich dem Infotainment-Zeitgeist anzupassen, gnädig hinwegsehen könnte. Du brauchst das nicht, möchte ich ihm sagen, pack die Kappe weg. Wir schätzen dich doch gerade dafür, dass du nichts über Ferragnez und die Unterhosen unserer Landesregierung wissen willst.
von Alexandra Kienzl | Kolumnistin, Englisch-Lehrerin und ehemalige ff-Redakteurin
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