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Außensicht
Illegale Skilehrer: Gut eingefädelt
Aus ff 13 vom Donnerstag, den 27. März 2025
Hören Sie es, riechen Sie es auch? Der Frühling ist da und die Vöglein zwitschern es von den Pisten: Bald werden die letzten Ski-Häschen ihre Bindungen abgeschnallt, ihre Kanten geschliffen, ihre Aperols gekippt haben. Eine Saison geht zu Ende – und es ist Zeit, Bilanz zu ziehen: Was lief gut dieses Jahr in Südtirols Skigebieten? Und was weniger? Die gute Nachricht: Es werden (mal wieder) großartige Zahlen werden, unsere Bergkaiser werden (wie immer) „sehr zufrieden“ sein ob der Millionen auf ihren Liften und in ihren Taschen. Die schlechte Nachricht: Das organisierte Verbrechen hat sich auf unseren Hängen breitgemacht. Illegale rasen talwärts und schmücken sich mit akademischen Titeln, die sonst nur nach Studien vergeben werden: Skilehrer (m/w/d).
Ausländische Reiseveranstalter, so liest man, vertrauten ihre motivierten Wedelanfänger Kriminellen an, anstatt auf „seriöses“, sprich einheimisches, Personal zu bauen. Und tatsächlich: In den vergangenen Wochen hagelte es Fahndungserfolge. Zwei illegale Franzosen wurden in Gröden ausgeforscht, les professeurs n‘étaient pas inscrits, und zwei Polen in Schnals. Wo die Carabinieri auch hinsahen, fanden sie Ganoven auf zwei Brettern. Was tun gegen diese Ski-Mafia?
Tourismuslandesrat Luis Walcher hat eine Idee: Man wolle den Reisegruppen eine „gesetzeskonforme Lösung“ nahebringen, sagt er, die Freerider sozusagen zurück auf die Spur bringen – man habe „eine Tür geöffnet“. So könnten die Ex-Kriminellen künftig als Praktikanten starten, jede Schule könnte „on top“ sogenannte Skischulassistenten anstellen und zwar „unbegrenzt“.
Eine ausgezeichnete Idee, erlaubt sie doch eine völlig neue Art der Arbeitsteilung: Tausende Praktikanten könnten künftig Schneepflug lehren, fünf seriöse Lehrer Schuss. Die Assistenten könnten die Sommersaison übernehmen, die Profis den Winter. Die Azubis könnten mit den Müttern flirten, die Skilehrer mit den Töchtern. Die kurzfristigen Löcher im Angebot wären damit schon mal gestopft. Und wenn uns der Klimawandel in den nächsten 50 Jahren die Pisten zusammenschmilzt, fällt uns gewiss auch noch was ein: eine staatlich zertifizierte Umschulung zum Bademeister.
von Anton Rainer | Stellvertretender Leiter des Ressorts Kultur beim Spiegel in Hamburg
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