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Außensicht
Sinner bei den Saudis: Für eine Rückhand voll Dollar
Aus ff 29 vom Donnerstag, den 17. Juli 2025
Was braucht ein Mann, um Tennisprofi zu werden? Reichen Ball und Schläger? Junge Knochen, harte Konter? Rückhandschwünge, so sauber, dass sie jeden Gegner putzen? Tatsächlich braucht Mann nichts davon: Es reicht schon, sehr reich zu sein. Mitte Juli gab der US-Investor und Multimilliardär Bill Ackmann sein Debüt bei einem offiziellen Turnier, im Herrendoppel. Wie er an diese „Wildcard“ kam, ist unklar, dass er sie sich erkauft hat, wahrscheinlich. Sicher ist: Der Milliardär darf sich jetzt „Tennisprofi“ nennen – im zarten Alter von 59 Jahren.
Was muss da nur Jannik Sinner denken? Unser Erfolgsbua, der keine solchen Tricks nötig hat, der nur Fokus braucht und Disziplin, um ganz oben zu stehen? Nun, auch er weiß, wie man mit Milliardären spielt – denn wenn die Reichen zu Profis werden, werden die Profis eben reich.
Nach seinem Wimbledon-Sieg wird Sinner Mitte Oktober zum zweiten Mal in Saudi-Arabien auftreten, beim sogenannten „6 Kings Slam“. Das Event existiert erst seit vergangenem Jahr, ist als Turnier nicht anerkannt und wurde eingeführt von der saudi-arabischen Königsfamilie, die damit ihr Autokraten-Image reinwaschen will. Und sie lässt dafür fantastisch viel Geld springen: Bei Sinner waren es 2024 mindestens 7,5 Millionen Dollar.
Das Geld ist gut, keine Frage, aber kann man damit auch gut schlafen? Saudi-Arabien ist ein Staat, der foltert und Sklaverei fördert, es gibt in dem Land keine Parteien, keine Meinungsfreiheit, kaum Frauenrechte, allein dieses Jahr wurden schon 180 Hinrichtungen vollstreckt.
Warum nur, Jannik, wird man freiwillig Angestellter von solchen Leuten? Ich weiß, Fans werden sagen: „Was hat der Sinner mit Politik zu tun, der Bua spielt doch nur Tennis.“ Aber das ist ein Irrtum: Saudi-Arabien braucht Sinner nicht als Sportler, sondern als Werbefigur – und der Job wird fürstlich bezahlt, weil er schmutzig ist: „Komm und hübsche unsere Diktatur auf, wie Nike-Schuhe und Lavazza-Kaffee.“ Das ist das vergiftete Angebot. Was braucht ein Regime, um Tennisprofis so zu verführen? Leider reicht es schon, sehr reich zu sein.
von Anton Rainer | Stellvertretender Leiter des Ressorts Kultur beim Spiegel in Hamburg
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