Das Landesgesetz zur Inklusion wird zehn Jahre alt. Es ist ein mutiges Gesetz, das die Rechte von Menschen mit Behinderung garantiert. Auf dem Papier.
Außensicht
Pride Parade: Oh Jesus
Aus ff 31 vom Donnerstag, den 31. Juli 2025
Eltern kennen sie, die Jesus-Phase. Da entdeckt das Kindergartenkind von einem Tag auf den anderen, dass, vornehmlich in der ländlichen Gegend, hie und da ein suspekter Mann am Wegesrand abhängt, buchstäblich.
Es tauchen dringende Fragen auf: „Mama, wer ist das?“ „Der Jesus.“ „Wieso hat der eine Windel an?“ „Tja, äh …“ „Was hat der für einen Hut?“ „Das ist eine Dornenkrone.“ „DOR-NEN?? Und was macht der da?“ „Er ist für uns gestorben.“ „GESTOR-BEN??“
An dieser Stelle empfiehlt es sich, auf einen Schmetterling oder eine Schnecke aufmerksam zu machen, um die Verstörung abzufedern. Es ist ja auch irritierend: Da wird man im schönsten Alltag, zwischen Spielplatz und Eis am Stiel, mit einem Sterbenden am Folterwerkzeug konfrontiert, am Straßeneck, im Wald, in Stuben.
Ein Moribunder am Galgen wäre kein minder erschreckender Anblick, nur sind wir Großen schon so gewöhnt daran, dass uns das Schaurige an der Szenerie gar nicht mehr auffällt. Auch die Kinder gewöhnen sich irgendwann daran, nach vielen, vielen Fragen, und nehmen schließlich keinen Anstoß mehr oder schauen weg, wenn sie der Anblick stört.
Da könnten sich so manche Erwachsene ein Beispiel dran nehmen, die bei weitaus leichter verdaulichen weil fröhlicheren Sujets erstarren: Beim Anblick einer Regenbogenflagge etwa, die lustig im Wind flattert, oder angesichts der Bozen Pride, wo man auch halbnackte Männer zu sehen bekam, die aber im Gegensatz zum gepeinigten Jesus eine richtig gute Zeit hatten.
Einfach so machen wie die Kinder: fragen, fragen, fragen. Oder, wenn das nicht zu Verständnis führt: wegschauen. Es ist wirklich nicht so schwer.
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