Uni-Professor Nitzan Cohen ist in Israel aufgewachsen. Er sagt: Beide Völker leiden unter ihren Regierungen, in Palästina und in Israel.
Außensicht
Höllenritt: Verkehrsplanung ist Mist
Aus ff 32 vom Donnerstag, den 07. August 2025
Von König Charles stammt der Satz: „Die beste Architektur ist jene, die nicht gebaut wird.“ Ich bin bekennender Charles-Fan schon aus der Zeit, als er noch Prinz war. Nicht nur, aber auch wegen dieses einen Satzes. Er hat für den Schutz unseres Planeten mehr bewirkt als tausend Öko-Manifeste, Baukunst-Wettbewerbe eingeschlossen. Ich erlaube mir, den Gedanken Seiner Hoheit weiterzuspinnen und auf den Verkehr anzuwenden: Der beste Verkehr ist jener, der nicht geplant wird. Verkehrsplanung ist Mist.
Beweis genehm? Wenige Bozner und Boznerinnen dürften noch nie mit dem Radl über die Museionbrücke stadteinwärts oder -auswärts die Talfer gequert haben. Die zeitgenössisch anspruchsvolle Brücke überwunden, geht’s gleich schwungvoll durch Bozens meistbesuchte Bar. Ich korrigiere: durch Bozens meistbesuchte Bar „mitten hindurch“. Zur Feierabendzeit ein Jonglierparcours. Es folgt, steil abfallend, der Schlussschuss. Ja, Schuss. Dieser endet nach etwa 25 Metern. Ein Weiter-wie? ist nicht in Sicht.
Wir Gewohnheitsfahrer wissen: Obacht, da unten, nach der letzten Werbewand des Museions, scharf links hinter der Oleanderstaude, mündet der Radweg (heißen wir ihn so) in die Dantestraße. Genauer gesagt: in die Kreuzung Rosmini-Sparkassen-Spital-Dantestraße. Es ist die gefährlichste, auf jeden Fall unübersichtlichste aller Fahrrad-Einmündungen in den Autoverkehr. Von beiden Seiten einsehbar erst in dem Moment, da man sie unfallfrei überwunden hat.
Ein Abenteuer, jedes Mal. Das Negativschulbeispiel eines jeden Verkehrsplaners. Von der Straßenverkehrsordnung verboten. Und doch. Seit 17 Jahren gibt’s jetzt das Museion und ebensolang den Höllenritt von Radlweg an diesem vorbei. Täglich nehmen ihn Hunderte, und es werden immer mehr. Und: All die Jahre kein einziger nennenswerter Unfall. Kein verletzter Radler, kein überfahrener Museion-Kellner, von Autoschäden nicht zu reden. Habe bei Stadtpolizei wie Barbetreibern nachgefragt: Alle wundern sich, aber bestätigen: Nie nix passiert. Fazit: Hausverstand schlägt Planung.
von Florian Kronbichler | Journalist, ehemaliger Chefredakteur der ff
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